FeedChalybäus (5tat. Mor.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Chalybäus (5tat. Mor.), deutscher philos. Schriftsteller, geb. 3. Juli 1796 zu ½½ im sächs. Erzgebirge, besuchte die Furstenschule zu Meißen und widmete sch zu ⁷⁴ erst dem Studium der Philologie, bald aber der Theologie und Philologie unter Krugs und Platners Leitung. Nachdem er zwei Jahre als Hauslehrer in Wien gelebt, erhielt er 1822 die Stelle eines Kollaborators an der Kreuzschule zu Dresden, die er 1825 mit einer Professur an der Fürstenschule zu Meißen vertauschte. Im Herbst 1828 uübernahm C. die Leitung des gelehrten Unterrichtszweigs in der damaligen adeligen Militärakademie zu Dresden, nach deren Umgestaltung ihm wieder hinreichend Muße ber Wiederaufnahme seiner philos. Lieblingsstudien lieb. Aus Vorlesungen vor einem größern Publikum entstand sein erstes philos. Werk, die «Histor. Entwickelung der spekulativen Auf. 1960; von Kant bis Hegelv (Dresd. 1836; 5. Aufl. 1860; engl. von Tulk, Lond. 1854), das 1839 seine Berufung zu einer Professur an die Universität zu Kiel veranlaßte. Einigen kleinern Arbeiten ließ er den Entwurf eines Systems der Wissenschafteno (Kiel 1846), erner —— eigentliches Hauptwerk, das System er spekulativen Ethiko (2 Bde., Lpz. 1850) folgen. Letzterm schlossen sich noch „Philosophie und Christentumo (Kiel 1853) und die „(Fundamentalphiloophiey (Kiel 1861) an. Nach dem schlesw.⸗holeln. Kriege mußte er als deutscher Patriot seine Professur aufgeben, erhielt dieselbe aber nach einiger Zeit wieder zurück. Er starb 22. Sept. 1862 auf aen Schriften a zu Dresden. C. erwies sich in seinen Schriften als ein Denker, welcher, unter Betämpfung der Hegelschen und Herbartschen Schule 54 45 war, einen eigentümlichen Theismus auf der Basis des sittlichen Bewußtseins zu begründen, wobei er gleich Kant und Fichte von einem Primat der praktischen Vernunft über die theoretische ausdine und nicht den Gedanken oder Begriff, sondern en Willen und seine ethischen Triebfedern an die Spitze des Philosophierens stellte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 167Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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