FeedChambre (frz.)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Chambre (frz.), Kammer lauch Gesetzgebende Körperschaft), Zimmer; Gerichtshof; C. garnie, möbliertes Zimmer zum Vermieten; Chambregarnist, Bewohner eines solchen Zimmers. Cnambre ardente (frz.), d. i. Feuerkammer, wurde in Frankreich zu verschiedenen Zeiten ein außerordentlicher Gerichtshof genannt, der durch die Härte seiner Verdikte, meist des Feuertodes, berüchtigt war. So ließ um 1535 Franz l. ein Inquisitionstribunal errichten und in dem Parlament von Paris eine Chambre ardente als zweite Instanz. des Tribunals. Beide sollten zur Ausrottung der Ketzer dienen. Das Tribunal, dessen Mitglieder der Papst ernannte, stellte durch seine Spione die Nachforschungen an und instruierte Prozesse, die Chambre ardente sprach das letzte Urteil und vollzog die Strafe. Um die Verbreitung der Ketzerei zu verhindern, berwachte man besonders die Bücher und die Schriftsteller; doch selbst die furchtbarsten Strafen, denen immer eine s vecliche Tortur poranging, vermochten nicht die Verbreitung der Reformation zu hindern. Unter Heinrich II. nahm die Thätigkeit der Chambre ardente einen neuen Aufschwung; bei dem Einzuge des Königs in Paris, 4. Juli 1547, wurden vor seinen Augen mehrere Ketzer verbrannt. Als die Chambre ardente in ihren harten Strafen etwas nachließ und deshalb einer Schonung, ja des Einverstandnisses mit den Ketzern beschuldigt wurde berbot sie sich, um den Vorwurf zu beseitigen, in den unerhörtesten Grausamkeiten, bis es endlich 1560 zum Religionskriege kam. Ludwig XIV. errichtete 1679 die Chambre ardente aufs neue, um die mancherlei Gerüchte von Vergiftungen, die bald nach dem Prozesse der Marquise de Brinvilliers in Umlauf ka. men, zu untersuchen. Viele Personen ersten Ranges, wie der Marschall von Luxembourg und die Prinessin Luise von Savoyen, kamen dabei in Unter-Inahmng Doch nur die vermeintliche Zauberin Voisin wurde 1680 hingerichtet, und damit fand die Thätigkeit der Chambre ardente ein Ende.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 172Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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