Charpie (frz., Scharpie, Carbasa, Linteum carptum) nennt man die durch Zerzupfen der Leinwand gewonnenen Fäden, welche als Verbandmittel bei Wunden, Geschwüren, Eiterungen u. s. w. angewendet werden. Die C. hat den Zweck, wunde und empfindliche Teile zu bedecken und dieselben vor Druck zu bewahren, vertiefte Stellen auszufüllen, Höhlen und Wundgänge zu verstopfen, eiterige Absonderungen aufzunehmen, sowie flüssige Arzneistoffe, mit welchen sie durchtränkt wird, auf die tranken Teile zu Uübertragen. Der Wundarzt formt die C. beim Auflegen zu Bäuschchen, Ballen, Wieten, Tampons u. s. w. Bei dem großen Verbrauch dieses Materials ist man frühzeitig darauf verfallen, dasselbe mittels Maschinen herzustellen, teils aus alter Leinwand, teils aus Flachs selbst. Gegenwärtig ist jedoch die Anwendung der aus Leinwand bereiteten C. wesentlich eingeschränkt, da dieselbe nicht selten Infektionsstoffe enthält und dadurch Veranlassung zum Auftreten von Wundrosen, Wundfieber und andern Wundkrankheiten geben kann; man bedient sich deshalb an ihrer Stelle lieber der gereinigten, durch Kochen in Alkalien entfetteten Baumwolle (Charpiewatte, Bruns' Verbandwatte), der sog. englischen C. (Lint), eines gewebten filzigen Baumwollstoffs, ferner locker gewebter Baumwollzeuge (sog. Verbandmull oder hydrophiler Verbandstoff) oder der Jute (. d.). über ihre Anwendungsweise s. unter Wunde.