Charras (Jean Baptiste Adolphe), ausgezeichneter franz. Militärschriftsteller, geb. 7. Jan. 1810 u Pfalzburg in Lothringen, trat 1828 in die Pointechnische Schule, aus welcher er im April 1830 wegen revolutionärer Gesinnung relegiert wurde. In der Julirevolution organisierte er ein Freikorps und beteiligte sich bei der Stürmung der Schweizerkaserne. Dann trat er in die Artillerie- und Ingenieurschule zu Metz, wurde aber hier wegen Teilnahme an einer polit. Verbindung entlassen. Erst 1833 erfolgte seine Anstellung als Lieutenant in der Artillerie. Seiner republikanischen Gesinnung halber, die er in hervorragenden histor.⸗kritischen Artikeln im «Nationalv aussprach, versetzte man ihn zur Armee nach Algerien, wo er 1841 Kommandant in Scherschell, 1842 in Maskara wurde. Bei Errichtung der Arabischen Büreaus wurde C. en eines solchen — Maskara. Er zeichnete sich 1843 bei mehreren Gelegenheiten gegen Abd-el-Kader aus, wurde 1844 buir Bataillonschef beim 1. Regiment der Fremdenlegion ernannt, von welchem er 1846 zu der leichten afrik. Infanterie (Zephyrs) versetzt wurde, die aus ehemaligen Militärsträflingen bestand. Es Licfe C., seine Truppe zu disciplinieren, sodaß diese bei der begonnenen Kolonisation 1847 treffliche Dienste leistete. C. war beim Ausbruch der Februarrevolution von 1848 gerade in Paris auf Urlaub, wo man ihn sogleich zum Sekretär in der Kommission der Nationalverteidigung und zum Oberstlieutenant ernannte, bald darauf, 7. April, des Unterstaatssekretär des Kriegsministeriums, dessen Chef damals Arago war. Als solcher entfaltete er eine außerordentliche Energie, um die Armee kriegsbereit zu machen. Das Porteeuille des Kriegs, das man ihm antrug, schlug er jedoch aus und übernahm es nur interimistisch bis ur Ankunft Cavaignacs im Juni. Auch unter diesem sowie unter dessen Nachfolger Lamoricière, blieb er Unterstaatssekretär und war Chef des Generalstabes bei der Niederwerfung des Juniaufstandes. In der Nationalversammlung, zu welcher er als Abgeordneter für das Depart. Puy-de-Dome bereits im April gewählt worden, bekämpfte er die Wahl des Prinzen Ludwig Napoleon zum Präsidenten. Die neuentstandene röm. Republik trug ihm ihr Kriegsministerium und das Oberkommando ihrer Truppen an, und er hatte bereits zugesagt, als die Absendung eines franz. Korps nach Rom erfolgte. Auch in die Gesetzgebende Versammlung wurde C. 1849 gewählt, wo er ebenfalls als strenger Republikaner der Partei des Präsidenten entgegentrat. In der Nacht des Staatsstreichs 2. Dez. 1851 ließ Ludwig Napoleon auch ihn verhaften. C. wurde verbannt und nach Belgien transportiert, von wo er, im Aug. 1854 ausgewiesen, nach Holland ging. Hier schrieb er sein berühmtes Werk „Campagne de 1815. Waterloov (2 Bde., Brüss. 1858; neuere Aufl., Par. 1869; deutsch, Dresd. 1858), in welchem er mit äußerster Schärfe alle Fehler Napoleons I. nachwies und sich als unversöhnlichen Feind des Bonapartismus bekundete. Später, nach seiner Verheiratung mit der an Baeines elsäss. Fabrikanten in Thann, lebte er zu Basel in der Schweiz, wo er 23. Jan. 1865 starb. Er hinterließ eine beinahe vollendete Geschichte des Feldzugs von 1813, welche unter dem Titel Mistoire de la gnerre'de 1813r (Lpz. 1866; deutsch, 1867) veröffentlicht worden ist. Charrières (Madame de Saint-Hyacinthe de), geborene Tuyll, als Schriftstellerin unter dem Namen Albé de la Tour bekannt, geb. 1746 zu Utrecht, stammte aus einer reichen holländ. Familie und lebte in ihrer Jugend am Hofe des Erbstatthalters. Aus Neigung zu dem Lehrer ihres Bruders, einem armen Edelmanne, mit dem sie sich verheiratete, entsagte sie ihrer Stellung und Familie. Mit ihm zog sie sich auf ihr Landgut in der Nähe von Neuchätel zurück, wo sie in glücklichen Verhältnissen lebte. Sie wandte sich später zur schönen Litteratur und wurde eine gefeierte Schriftstellerin. Durch die Französische Revolution verlor sie fast ihr ganzes Vermögen. Sie starb 27. Dez. 1805. Unter dem Namen de la Tour schrieb sie die Romane und Novellen Les trois femmeso, ermißt, sind unter K aufzusuchen. (Honorine d'Usercher, (Sainte-Anne et les mines d'Vedbourgo, «Sir Walter Finch et son fils Williamsv, welche Schriften zu Leipzig 1798 gesammelt erschienen. Ferner erschienen von ihr Caliste, ou lettres de Lausannen (1786), Mistress Henleyy und die Dramen Le Toi et le Vouso, L'émigrér, „L'enfant gätér und Comment le nomme-t-on ꝰ Ihre Darstellung ist geistvoll und von sittlichem Ernste beseelt. Die meisten ihrer Schriften sind von Huber ins Deutsche übersetzt worden.