Derwisch, d. h. arm, ein pers. Wort, ist in sämtliche neuorient. Sprachen zunächst (wie das sinnverwandte arab. Fakir) in der Bedeutung eines der Gnade Gottes bedürftigen, der Welt entsagenden, frommen Menschen und sodann eines Mitgliedes gewisser mystisch-religiöser Brüderschaften des Islam übergegangen. Solcher durch das Band besonderer Ascese und gnostisch-theosophischer Lehren unter sich vereinigter Brüderschaften gibt es viele; das Zusammenleben der ehelosen Teilnehmer in ¹1 Tekkjes oder Chanegahs, denen, wie den christl. Klöstern der Prior, ein Scheich oder Pir, d. h. ein Ordensalter, vorsteht, gemeinschaftliche Andachtsübungen und äußere Abzeichen in der Tracht geben ihnen eine gewisse Ahnlichkeit mit den christl. Mönchsorden, von denen wieder die Nichtausschließlichkeit des Cölibats, das Erfordernis, für die Lebensbedürfnisse teilweise oder ganz durch eigene Arbeit zu sorgen, und die völlige Beziehungslosigkeit zu dem geistlichen Stande sie scheidet. Die bekanntesten Derwischorden, die heulenden (Rufäi, seit 1182) und die tänzenden (Mewlewi, seit 1273) D. ergänzen sich vorzugsweise aus den wohlhabenden Gewerbezünften der orient. Städte. Außer diesen sind die Begtaschi (seit 1357) zu erwähnen, denen das Janitscharentum affiliiert war, weil ihr Stifter diese gewaltige Schöpfung des Sultans Orchan eingesegnet hatte. Die Begtaschi, welche von der Erlaubnis zu betteln einen schamlosen Gebrauch machten, standen bei dem mohammed. gemeinen Volke in großem Ansehen, wurden aber 1826 vom Sultan Mahmud II. nach der Vernichtung der Janitscharen ausgerottet. Ursprünglich in dem schütischen Mystizismus wurzelnd und in Ali, dem Schwieger-Iohne Mohammeds, seinen Begründer verehrend, dann aber auch außerstaatliche Verbrüderungen veranlassend, ist das Derwischtum sowohl den orthodoren Ulema wie auch der Pfortenregierung von jeher verhaßt gewesen. Jedoch ließ die fanatische Vorliebe der ungebildeten Massen den Gedanken an dagegen zu ergreifende allgemeine Maßregeln nicht aufkommen. Seine Beseitigung ist nur von der fortschreitenden Bildung zu ossen.