Chemische Formeln sind abgekürzte Bezeichnungen für die Zusammensetzung der chem. Verbindungen. Als Grundlage der Formeln dient das jedem einzelnen Element gegebene Zeichen (oder Symbol), welches aus den Anfangsbuchstaben des lat. Namens des betreffenden Elements gebildet ist. So steht KUfür Hydrogenium (d. i. Wasserstoff), O für Oxygenium (d. i. Sauerstoff), 8S für Sultur (d. i. Schwefel), Nfür Nitrogenium (d. i. Stickstoff). Durch Annahme dieser Zeichen ist eine internationale, jedem Chemiker verständliche Schriftsprache geschaffen. (Vgl. Chemie, S. 225 fg.) Man unterscheidet empirische und rationelle Formeln. Die empirischen Formeln geben an, welche Elemente und in welcher Atomzahl diese in die Verbindung eintreten, die rationellen Formeln sollen nachweisen, wie die Atome im Molekül der Verbindung gruppiert sind. Die erstern sind auf einfachste Weise aus der durch die Analyse ermittelten Zusammensetzung abzuleiten, die Aufstellung einer rationellen Formel erfordert dagegen genaue Kenntnis der Molekulargröße und ein eingehendes Studium aller Eigenschaften der Verbindung. Eine empirische aren ist z. B. K. 80, „für schwefelsaures Kali oder Kaliumsulfat; diese sagt aus, daß in dem als schwefelsaures Kali bezeichneten Salze 2 Atome Kalium, 1 Atom Schwefel „und 4 Atome Sauerstoff enthalten sind, oder, da die betreffenden Atomgewichte des Kaliums 39, des Schwefels 32 und des Sauerstoffs 16 sind, daß 28439 ⸗ 78 Teile Kalium, 32 Teile Schwefel und 44 16 ⸗ 64 Teile Sauerstoff zusammen 174 Teile schwefelsaures Kali bilden. Es sei andererseits Sal die chem. Analyse nachgewiesen, daß dieses Salz folgende prozentische Zusammensetzung habe: Kalium 44,83 so findet man durch Division dieser Zahlen durch die betreffenden Atomgewichte die Verhältniszah1414 in welchen die Atome verbunden sind, also 39 1,150, ferner 32 •— 0,575 und endlich saber im Verhältnis wie 2:1: 4, folglich enthält das Salz 2 Atome Kalium, 1 Atom Schwefel und 4 Atome Sauerstoff. Die rationelle Formel für Formel sagt aus: das schwefelsaure Kali leitet sich von der zweibasischen Schwefelsäure 80, (OH), dadurch ab, daß die beiden vertretbaren Wasserstoffatome der Schwefelsäure durch je ein Atom Kalium ersetzt sind; sie zeigt ferner, daß in dem Salz das zweiwertige Radikal der Schwefelsäure 803 8n zwei einwertigen Atomgruppen OK verbunden ist. Die Kenntnis der rationellen Formeln ist von besonderer Wichtigkeit für die komplizierter zusammengesetzten organischen Verbindungen. Aus der Analyse einer Verbindung sei z. B. die empirische Formel C. H. Oz abgeleitet, so können zwei Verbindungen von ganz wesentlich verschiedenen Eigenschaften der gleichen empirischen Formel entsprechen, und zwar die Essigsäure und der Ameisensäure-Methyläther; hat die weitere Untersuchung erwiesen, daß die Verbindung Essigsäure ist, so würde die empirische Formel suh in die rationelle Formel (H, COOH, d. i. Methylcarbonsäure, auflösen; erweist die Verbindung sich aber als Ameisensäure-Methyläther, so würde dies durch die rationelle Formel CO(0CUI3z) auszudrücken sein. Bei vielen Körpern ist es noch nicht gelungen, die Größe des Molekulargewichts festzustellen. Fur solche ist die Ableitung einer rationellen Formel nicht möglich. Z. B. die Körper, welche unter den Namen Stärkemehl, Cellulose, Inulin, Dertrin bekannt sind, sind sehr verschieden in allen ihren Eigenschaften, ihre Zusammensetzung führt aber in allen Fällen zu der einfachsten empirischen Formel CeHI005, mit demselben Recht kann man diese Formel aber auch schreiben 12H2oO1o, oder auch CrsII39O15 u. s. w., bis die Größe des Molekulargewichts der einzelnen Körper gefunden, oder bis das weitere Studium der Eigenschaften derselben die Aufstellung rationeller Formeln zuläßt. Die gleiche empirische Formel kann daher den verschiedensten Körpern zukommen, während jeder Körper nur eine rationelle Formel haben kann. mißt, sind unter K aufzusuchen.