FeedChemitypie
NaturlehreBrockhaus 1882

Chemitypie ist von ihrem Erfinder C. Piil, einem Dänen, die Kunst genannt worden, vermittelst welcher durch ein chem. Verfahren Hochdruckplatten zum Abdruck von Illustrationen in der Buchdruckerpresse hergestellt werden. Das Verfahren ist im wesentlichen folgendes: Auf einer blankpolierten Platte von reinem Zink wird in gewöhnlicher Weise durch Gravierung und Ätzung eine vertiefte Zeichnung ausgeführt, welche einen Abdruck in der Kupferdruckerpresse geben würde. Diese Zeichnung wird durch Einlöten eines leichtflüssigen Metalls (7 Teile Wismut, 16 Teile Zinn, 13 Teile Blei) ausgefüllt und letzteres dann wieder genau bis auf die Oberfläche der Zinkplatte weggeschliffen, sodaß nur die vertieften Züge ausgefüllt bleiben. Wenn man sodann mit einer Säure ätzt, welche nur das Zink, jedoch nicht jenes ausfüllende Metall angreift, so bleibt dieses als Relief stehen, welches auf das genaueste die vorher vertieften Züge in hochstehenden Linien wiedergibt, sodaß die Platte nun in derselben Weise wie ein Holzschnitt sich behandeln läßt. 8⁵ der Konkurrenz mit dem Holzschnitte ist die C. nur auf dem Felde der Kartographie Sieger geblieben. Kein Verfahren eignet sich besser zur Herstellung von Karten für die Buchdruckerpresse; es wird von den geogr. Anstalten von Justus Perthes in Gotha, Ißleib u. Rietzschel in Gera u. a. mit großem Erfolge benutzt und der Zinkhochätzung vorgezogen. Ihre sonstigen Erzeugnisse tragen zu sehr den Stemel der Abstammung an sich, d. h. sie stehen einer zadierung in Kupfer weit näher als dem Holzschnitte. Am wenigsten konnte sie den Charakter des Kräftigen und Markigen, welchen der Holzschnitt so unvergleichlich auszudrücken im Stande ist, erreichen. Dagegen ist es ein Vorteil dieser Kunst, daß die vom Künstler gemachte Radierung völlig getreu im Relief wiedergegeben wird, während beim Holzschnitte die Vollkommenheit der auf den Block gezeichneten Komposition durch die Hand des weniger geschickten Holzschneiders Schaden leiden kann. Nachdem Piil seine Erfindung 1843—46 in beschränktem Maße in Kopenhagen zur Anwendung gebracht, betrieb er dieselbe in ausgedehnterer Weise in Leipzig 1846—49 in Busgind ug mit dem Buchhändler Friedlein, bis er 1850 eine Anstellung bei der Staatsdruckerei in Wien erhielt und später nach seiner Vaterstadt zurückkehrte. Jetzt wird die C. zur Herstellung von Abbildungen in viel geringerm Maße verwendet als die Zinkhochätzung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 233Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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