FeedChihuahna
ErdkundeBrockhaus 1882

Chihuahna, d. h. Wasserlauf, einer der nordöstl. Staaten der Föderativrepublik Mexiko, grenzt im N. und NO. an die nordamerik. Staaten (Neumexiko und Texas), im O. und SO. an Cohahuila, im S. an Durango, im W. an Sinaloa und Sonora und hat nachdem 1848 die jenseit des Rio Grande del Norte gelegenen Landesteile (61 120 akm) an die Vereinigten Staaten abgetreten worden, ein Areal von 228 946 qkm mit der geringen Bevölkerung (1880) von 180760 E., ohne die auf 180000 geschätzten wilden Indianer: die Tarahumaras im Westen und die Conchos (Cibolos u. s. w.) rmißt, sind unter K aufzusuchen. im Osten. Der östl. Teil des Landes, die nördl. Fortsetzung der merik. Hochebene, ist ein gegen 1400 m hohes, im allgemeinen gegen O. abfallendes, einförmiges Tafelland, bestehend aus breiten, welligen und waldlosen Flächen, mit wenigem Strauchwerk und kurzem Gra ebedeckt, selten von einzelnen Ketten und Bergen um 450m überhöht, vielfach von Caßons durchfurcht. In einer merkwürdigen Längs-Depression, dem sog. Bolson (d. i. Börse) von Mapimi, ergießt sich der ansehnliche Rio de Nazas in 1150 m Höhe in den Tlahuabita oder Kaiman-Laune genannten See; in diesen Einöden halten ach hanet ächlich die räuberischen Apachen auf. Na W. hin werden die Berge höher, wohlbewässerte Flächen wechseln mit den Bergzügen und Gruppen einer gutbewaldeten Mittelgebirgslandschaft, der Vorstufe — dem eigentlichen — von C., der sog. Sierra Madre oder dem is zu 2400 m aufsteigenden westl. Gebirgsgürtel des mexik. Taber 5 C. ist reich an Flüssen, welche teils, wie er Rio sornisch Mayo und Jaqui, westwärts in den Californischen Golf abfließen, teils sich gegen NO. und O. wenden und hier, außer dem 560 km langen Rio Conchos, der den Rio Grande erreicht, sich in größere oder kleinere Steppenseen verlieren. Letztere wechseln außerordentlich an Umfang in den verschiedenen Jahreszeiten, haben brackisches Wasser und ihre Umgebungen sind mit Soda geschwängert. In dem Gebirge kommen starke Kontraste von Sommerhitze und Winterkälte vor. Im übrigen Lande ist das Klima im allgemeinen mild und gesund, auf den Hochebenen durch Beständigkeit und Trocken-Ful ausgezeichnet, die nur durch die Regenzeit im uli und August unterbrochen wird. C. it weit mehr zur Viehzucht als zum Ackerbau geeignet, doch bir es hinreichend urbaren Boden in seinen Geirgsthälern und längs der Wasserläufe der Ebenen. Man baut Mais, Weizen, Hülsenfrüchte so- wie alle Arten Garten⸗ und Baumfrüchte der gemäßigten Zone. Auch der Anbau der Baumwolle ist im Süden mit Erfolg versucht und bei El Paso am Rio Grande, dem nördlichsten bewohnten Orte von Mexiko, in 1090 m über dem Meere, gibt es Weingärten, die den vorzüglichen Pasowein lieern. Der Viehstand ist sehr bedeutend, obgleich er urch die Räubereien der Indianer sich jährlich verringert. Sehr reich ist C. an Erzen, namentlich an Silber und Kupfer, wozu auch noch Gold, Eisen, Zinn u. s. w. kommen. Der Bergbau ist daher der Hauptzweig der Industrie. Die seit mehrern Jahrhunderten bearbeiteten Silberminen des Landes aubs wo zu den reichsten Mexikos. Von den ehemals vorhandenen 80 Gruben, meist am Ostfuß der Sierra Madre gelegen, sind jedoch jetzt die meisten verlassen, und nur die von Batopilas, Jesus Maria, El Paral und Sta.⸗Eulalia sind noch bedeutend, nachdem jede bereits Millionen von Dollars in Gold und Silber geliefert hat. Von den Einwohnern C.s sind nur ein kleiner Teil Weiße; die Mehrzahl besteht aus seßhaften Indianern und Mestizen, der Rest aus noch uncivilisierten Indianern. Die civilisierten Indianer C.s, die friedlichen Tarahumares oder Tarumares, bewohnen einen Teil des Berglandes im W. der Hauptstadt, namentlich das Hochthal des Rio Papigdchie. Die uncivilisierten Indianer (besonders die Apachen und Comanchen) sind alle vorzügliche Reiter, schwärmen größtenteils rastlos umher und leben von Jagd und Plünderung der Ansiedelungen. Die Hauptstadt Chihuähua, am gleichnamigen Flüßchen, in 1451 m Höhe, wurde 1691 gegründet und soll im 18. Jahrh., wo sie die Residenz des Generalkapitäns der Provincias internas war und der Bergbau von Sta.⸗-Eulalia noch in Blüte stand, 70000 E. gehabt haben, deren Zahl (1880) nur noch 12116 beträgt. Sie ist eine Gartenstadt, eine Oase in der Wüste, mit Rosen und Orangenwäldern, regelmäßig gebaut, hat breite, reinliche Straßen, gute, geräumige Woh nhäuser, eine Münze, einen schönen öffentlichen Plag nebst Fontäne, einen schönen Aquädukt, sieben Kirchen und Klöster und mehrere ansehnliche öffentliche Gebäude. Die imposante, im Innern reich ausgeschmückte Pfarrkirche, 1717—89 erhaut, gehört zu den schönsten Kirchen Merikos. Bemerkenswert ist das ehemalige Jesuitenkollegium mit seiner großen, aber unvollendet gebliebenen Kirche San-Felipe, von welcher ein einfaches Monument zum Andenken der hier von den Spaniern erschossenen ersten Insurgentenchefs Hidalgo, Allende und Ilmenez steht. C. hat auch ein stattliches Regierungsgebäude, eine Münze, ein Hospital, eine großartige asserleitung und schöne Promenaden (Aamedah.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 258Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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