Chinagras, auch Chinesisches Gras, Chinesischer Hanf, in England China-grass, Cloth-grass, in Frankreich nach dem chines. Tschu-ma Chuma oder auch nach der englischen Bezeichnung China-grass genannt, die Bastfaser von Urtica (Boehmeria) nivea, welche vielfach mit der nach dem Malaiischen Rameh oder Ramie genannten, sonst auch unter zahlreichen andern Namen (s. Rameh) vorkommenden Faser von Urtica (Pochmeria) tenacissima und andern, namentlich sud⸗ und ostasiat. Nesselarten verwechselt wird. Die durch ihre Festigkeit und Geschmeidigkeit sowie durch ihre außerordentliche Länge (bis 22 em) ausgezeichnete Chinagrasfaser, in den feinsten Varietäten von blendender Weiße und I5 die dar glänzend, von größerm Durchmesser als die Flachsfaser, der sie im übrigen ähnlich ist, wird in ihrer Heimat, dem Süden von Asien, Indien mit den umliegenden 25 seln und China, zu einem der europ. Leinwand ähnlichen, aber eigentümlich durchscheinenden Gewebe, im Englischen Grass-cloth (Grasleinen) genannt, außerdenl zu dauerhaften Seilerwaren verarbeitet. In den Stammländern der Pflanze, in China wenigstens, findet ein eigentlicher Spinnprozeß nicht statt, sondern es werden die durch mühsames Spalten mit den Fingern und darauf folgendes Hecheln gewonnenen Fasern mit den Enden aneinander gestückt und durch Rollen unter der Hand vereinigt, weshalb der entstehende Faden nicht rund wie andere Garne, sondern platt wie ein sehr schmales Bändchen erscheint. In England, wo dieses Material erst durch die londoner Weltausstellung von 1851 weitern Kreisen bekannt wurde, werden die zur TPande oan Mamtoi verschifften rohen Stengel einer Reihe von Manipulationen unterworfen, die im wesentlichen mit der Behandlungsweise des Flachses übereinstimmen. Während früher nach dem mittels alkalischer Substanzen vorgenommenen Rosten das Brechen und Schwingen mittels der 19 den Flachs gebräuchlichen Apparate erfolgte, hat man in neuerer Zeit besondere, den Eigenschaften des Materials besser entsprechende Vorbereitungsmaschinen konstruiert. Die gleichfalls mit Hilfe von Maschinen gehechelte Faser sowie das abfallende Werg wird in der Art des Flachses versponnen und, meist mit Baumwolle gemischt, zu Garnen und Zeugen von großer Haltbarkeit verwendet, die einen so starken Glanz wie außer der Seide kein anderer Stoff zeigen und die Farben —. — ut annehmen. Der Verbreitung der Chinagrasfabrikate ist namentlich die durch den amerik. Burgerkrieg ermißt, sind unter K aufzusuchen. veranlaßte Unterbrechung der Baumwolleinfuhr förderlich gewesen. Auf der pariser Weltausstellung von 1867 trat diese Industrie bereits in quantitativer wie qualitativer Hinsicht als sehr bedeutend auf und seitdem ist dieselbe sowohl hinsichtlich der Vervollkommnung der Arbeitsweise als in der hemigen Der⸗ Verwendung in stetem Fortschritt begriffen. Der Hauptsitz der Fabrikation ist noch jetzt England und Schottland, doch wird sie in den letzten Jahren auch anderwärts, namentlich in rankreich, in dessen südl. Gegenden mit dem Anau von Urtica nivea befriedigende Resultate erzielt worden sind, mit zunehmendem Erfolg betrieben.