FeedChoiseul-Amboise
GeschichteBrockhaus 1882

Choiseul-Amboise (Etienne Frangois, Herzog von), franz. Staatsmann unter Ludwig XV., geb. 28. Juni 1719, wurde in einem Jesuitenkollegium erzogen und trat dann in den Militärdienst. In dem Ssterreichischen Erbfolgekriege focht er als Graf von Stainville 1742 tapfer bei Prag, wurde Chef eines Regiments und trat nach seiner Rückkehr an den franz. Hof in die engste Verbindung mit der Marquise von Pompadour, was ihm die rascheste Carrière sicherte. Schon 1748 wurde er Generallieutenant und 10 Jahre nachher zur Würde seiner Vorfahren, zum Herzog von Choiseul, erhoben. Durch Verschwendung finanziell ruiniert, heiratete er die Tochter eines reichen Kaufmanns. Seine diplomatische Laufbahn begann 1756, wo er als Gesandter an den röm. Hof ging. Schon wenige Monate nachher wurde er abberufen, um in Wien den Abbé Bernis, der das Ministerium des Auswärtigen übernahm, abzulösen, und folgte diesem im Nov. 1758 als Minister selbst. Die kriegerischen Unternehmungen Frankreichs gegen Preußen und England endigten allen militarischen und diplomatischen Anstrengungen C.s zum Trotz für Frankreich unglücklich. Vergebens war es, daß er 1761 das Ministerium des Kriegs selbst übernahm, den Bund mit Ssterreich fester knüpfte und Spanien im bourbonischen Hausvertrage an die franz. Politik fesselte. Es blieb ihm nur übrig, die Wunden, welche der Kampf dem Staate geschlagen, zu heilen. Hierin entwickelte er seit dem Pariser Frieden (1763) eine sehr energische Thätigkeit. Es gelang ihm, die Flotte neu zu schaffen, Handel und Industrie emporzubringen. Domingo, Martinique, Guadeloupe wurden unter seiner Regierung für das Mutterland von ungeahnter Bedeutung. Den Glanz der franz. Waffen suchte C. dadurch herzustellen, daß er Militärschulen anlegte, das Artillerie- und Geniewesen ausbildete und die Armee nach den Grundsätzen Friedrichs II. reformierte. Dabei unterließ er nicht, den Einfluß Frankreichs in der europ. Politik aufrecht zu erhalten. So unterstützte er die poln. Konföderation, verwickelte Rußland in den Krieg mit der Pforte und erwarb Corsica trotz Englands Eifersucht der franz. Krone. Am bekanntesten ist C. durch das Edikt geworden, das 1764 die Janer 6 von Frankreich ausschloß. Bis zum Tode seiner Gönnerin, der Pompadour, gelang es ihm, seiner zahlreichen Feinde Herr zu werden; als aber die Gräfin Dubarry mit seinen Neidern, dem Herzog von Aiguillon, Abbé Terray und dem Kanzler Maupeou, sich alliiert hatte, ward er gestürzt. Er dankte 1770 ab und lebte auf seinem Landsitz Chanteloup, um so mehr von Popularität umgeben, je verhaßter seine Gegner im Ministerium wurden. Ludwig XVI. rief ihn 1774 nach seiner Thronbesteigung wieder an den Hof ohne ihm jedoch ein Ministerium zu geben. C. star 7. Mai 1785. Vgl. Kurd von Schlözer, KC. und seine Zeito (Berl. 1848); L'Ambassade de C. à Vienne en 1757 et 17585 (Par. 1872).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 331Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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