FeedChorasän
ErdkundeBrockhaus 1882

Chorasän, d. h. Land der Sonne, Osten, im weitern Sinne nimmt den anbaufähigen Landstrich ein, der sich zwischen den Steppen des Tieflandes Turan und der Salzwüste im Innern des Hochlandes Iran von Afghanistan im O. bis zu den pers. Provinzen Masen-Deran und Jrak-Adschmi im W. hinzieht. Dieser Landstrich wird von einem Gebirgszuge gebildet, der, auf der Südseite sanfter und weniger tief nach der 4 des Innern von Iran, auf der Nordseite aber steiler ins Tiefland von Turan abfallend und die natürliche Grenzmark zwischen diesen beiden geogr. Gesamtländern bildend, in der Richtung von W. nach O. das Elbursgebirge, dessen niedrigere, aber breitere Fortsetzung er ist, mit dem Paropamisus (jetzt Ghuristän, d. h. Bergland) verbindet. Das Klima von C. ist durchweg im Sommer sehr heiß und bei der Höhe des Niveau des Landes im Winter ziemlich kalt, der Boden aber nur da fruchtbar, wo er durch Kanäle bewässert werden kann. C. bildet kein polit. Ganzes mehr. Der kleinere 351 Teil gehört unter dem Namen Herat (s. d.) zu Afghanistan; der größere rmißt, sind unter K aufzusuchen. westl. Teil bildet unter seinem alten Namen die nordöstlichste Provinz des Persischen Reichs, ein starkes Drittel desselben, mit 322 118 gkm und 843000 E. Zum bei weitem größten Teile besteht ! sie aus der unbewohnbaren großen Salzwüste Lüt und andern unbewohnbaren Länderstrecken, zwischen denen einzelne Oasen liegen. Die Produkte dieser Provinz sind hauptsächlich Getreide, Obst, Wein, Arzneikräuter und Seide. Auch züchtet man ansehnliche Schafen von Kamelen, Pferden und feinwolligen Schafen. Die Einwohner sind dem größern Teile nach Tadschiks. Außer diesen wird das Land von nomadischen Stämmen arab., türk., kurd. und afghan. Ursprungs bewohnt, welche neben der Viehzucht hauptsächlich vom Raube leben. Der Gewerbfleiß der Einwohner ist unbedeutend, doch bestehen Webereien von Teppichen, Shawls, Kameltuch und berühmte Waffenfabriken. Dagegen blüht der Karawanenhandel. Die Hauptstadt sowie zugleich Centralpunkt der Industrie und des Handels von C. ist Meschhed (s. d.). Westlich davon liegt! das einst berühmte und wegen der benachbarten Türkisgruben bekannte Nischapur, näher im Nordwesten die Trümmerhaufen der alten Hauptstadt Thüs, mit dem Grabmal Firdusis. C. besteht aus den alten iranischen Landschaften, Parthien im engern Sinne, Margiane und Areia, bildete einen Teil des Persischen Reichs, mit dem es an Alexander d. Gr. und von diesem an die Seleuciden kam. Im 3. Jahrh. v. Chr. fiel sein östl. Teil unter die Herrschaft der griech. Könige von Baktrien, nach deren und der Seleuciden Sturze es einen Teil des Parthischen Reichs unter den Arsaciden, dann des Persischen Reichs unter den Sassaniden bildete. Mit der Eroberung des letztern durch die Kalifen 646 fiel es unter die Herrschaft dieser, unter der es bis 820 blieb, wo der Statthalter Tahir sich unabhängig machte. Im Anfange des 11. Jahrh. kam es mit dem Sturze der Samaniden unter die Ghasneviden. Doch schon 1037 setzten sich die Seldschuken in dem westl. Teil fest, bis 1117 Sandschar, der seldschuk. Herrscher von ganz Persien, ganz C. mit seiner Monarchie vereinigte. Im J. 1220 kam es durch den Dschingis-Chan unter die Herrschaft der Mongolen. Nach Tamerlans Tode war es der Mittelpunkt der Macht seines Sohnes Schah-Rokh, unter dessen langer Regierung C. eines seltenen Glücks genoß. Der Usbekenhäuptling Schaibek-Chan verjagte 1507 die Nachfolger Schah-Rokhs mußte aber nach langen Kämpfen C. an den Scha von Persien, Ismael Sofi, abtreten, wodurch es wieder eine Provinz dieses Reichs wurde, bei dem es verblieb, mit Ausnahme Herats, das seit 1716 der Zankapfel zwischen Persern und Afghanen wurde und am Ende im Besitz der letztern blieb. Vgl. MacGregor, Marrative of a journey through the province of C.v (2 Bde., Lond. 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 342Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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