Chotin oder Choczim, Kreisstadt im russ. Gouvernement Bessarabien, am rechten Ufer des Dnjestr, südlich dem podol. Kamenez gegenüber gelegen und nur 6½ km von der österr. Grenze entfernt, war eine der wichtigsten russ. Festungen, zählt 19 782 E. und hat eine armen., eine röm.⸗kath., drei griech.⸗ kath. Kirchen, eine Synagoge, eine Kreisschule, Leder⸗ und Lichterfabriken. Die Gründung der Stadt wird einem gewissen Kotison im 8. Jahrh. zugeschrieben. Zur Zeit der Genuesenherrschaft war C. befestigt und wurde später ein wichtiger Handelspunkt für die Städte der Moldau. Bei C. siegten die Polen 1621 unter Wladislaw IV. und 1673 unter Johann Sobieski über die Türken. Im 18. Jahrh. ging C. aus einer Hand in die andere über; bald wurde es von den Polen, bald von den ukrain. Kosaken, bald von den Türken eingenommen, bis sich endlich 1711 die Türken in demselben festsetzten und den Ort 1718 durch franz. Ingenieure stärker befestigen ließen. Im Kriege Rußlands mit der Türkei wurde C. einigemal von den russ. Heeren eingenommen; 1769 schlug hier der Fürst Galizyn die Türken; 1788 kapitulierte die Festung an die russ. und österr. Armee, wurde aber wieder abgetreten. C. wurde 1800 von dem russ. General Essen eingenommen und kam endlich 1812 im Frieden zu Bukarest mit Bessarabien an Rußland. Im J. 1856 wurden die Festungswerke geschleift.