FeedChotusitz
ErdkundeBrockhaus 1882

Chotusitz, Marktflecken im Bezirk Czaslau in Böhmen, mit (1881) 1589 E. Vor Zunge, deren Erwerb im Ackerbau besteht. Vor den Hussitenkriegen gehörte C. der benachbarten Cistercienserabtei Sedletz, die von Ziska bis auf den Grund zerstört wurde. Im ersten Schlesischen Kriege wurde C. bekannt durch den Sieg, welchen König Friedrich II. von Preußen hier 17. Mai 1742 über die Osterreicher unter dem Prinzen Karl von Lothringen erfocht. Auch in dieser Schlacht siegte, wie bei Mollwitz, hauptsächlich die Infanterie. Der Brennpunkt des Kampfes war bei dem Dorfe C., wo die Osterreicher schon Vorteile errungen hatten, als der König ihren linken Flügel schlug und gegen die Mitte drängte. Dadurch wurde der Sieg herbeigeführt. Seitdem hat Friedrich II. den aumfassendeno Angriff (s. u. Angriff) fast in allen Schlachten angewendet. Die Folge des Siegs bei C. war der aer von Breslau (11. Juni 1742), durch den Schlesien mit Ausnahme von Teschen, Troppau und Jägerndorf an Preußen abgetreten wurde. Chonans nannte man in der ersten Französischen Revolution die Royalisten auf dem rechten Ufer der untern Loire, im Gegensatze zu den Vendeernauf dem linken Stromufer. Der Name selbst wurde rmißt, sind unter K aufzusuchen. wahrscheinlich von Jean Chouan, einem der Anführer, hergenommen. Der erste Versuch, die anfänglich aus Schmugglern und Abenteurern zusammengesetzten Banden unter eine polit. Fahne zu reihen, geschah 1792 durch den Obersten Marquis de la Roairie. Gegen Ende 1793 unternahm es —4 Cottereau, gewöhnlich Chouan genannt, der ohn eines Schmieds, in den Wäldern von Pertre und Fougeres einen biden, um den aleich die sog. Chouannerie, zu bilden, um den gleichen Zweck mit den schon neun Monate kämpfenden Insurgenten der Vendée zu verfolgen. Während die Vendeer bei Savenay 18. Dez. fast aufgerieben wurden, entwickelte sich die Chouannerie in der Bretagne, Normandie und Maine bis in die Nähe von Paris. Der Konvent sendete den General Beaufort gegen die Chouannerie, und dieser hob zu Anfang 1794 auf der Straße von Laval einen Insurgentenhaufen auf und sprengte bei Granville die erste geordnete Streitmacht der C. unter Marquis Puisaye, der von den königl. Prinzen mit der Leitung des Aufstandes beauftragt war, auseinander. Puisaye entkam, mußte aber seine Papiere im Stiche lassen, unter welchen man die Korrespondenz mit den Engländern, den Organisationsplan und ein Civil⸗ und Militärgesetzbuch fand. Im Febr. 1794 überwältigte Beaufort auch in der Gegend von Lagravelle die Bande Chouans, welcher fiel. Kurze Zeit darauf versammelte Puisaye seine Banden im Walde von Rennes und wollte von da aus das in dieser Stadt liegende Hauptquartier der republikanischen Armee aufheben; nur sein Zögern verhinderte die ausschuß aber erklärte U9ru den ganzen Westen in Belagerungszustand und übertrug dem General Hoche das Oberkommando über vier daselbst befindliche Armeekorps. Puisaye war einer solchen Macht nicht gewachsen und ging nach England, um Pitt zu wirksamerer Unterstützung und die Emigranten zur Teilnahme an der Insurrektion zu vermögen. Er gab das Kommando über die Banden einstweilen an den kühnen Abenteurer Desoteux, genannt Cormatin, welcher den Krieg nach Willkür fortsetzte. Der Konvent trat mit diesem sowie mit Charette in Unterhandlung, und Cormatin unterzeichnete 9. April 1795 zu Mabilais einen Vertrag, nach welchem die C. ihre Tolken niederlegen und die Republik anerkennen sollten. Cormatin in Rennes ein, wurde aber von dem General Hoche infolge von Reibungen zwischen den C. und den Republikanern verhaftet. Bei dem Wiederausbruche der Feindseligkeiten traten unter den C. besonders Georges Cadoudal und Scépeaux als Anführer auf, welche einen neuen Geist in die Banden brachten. Doch wurden die C. von der übermacht erdrückt und waren fast aufgerieben, als endlich Puisaye mit der großen Expedition von Engländern und Emigranten an der franz. Küste erschien. Nach der 27. Juni 1795 R Quiberon bewirkten Landung eilten die C. in Masse herbei. Cadoudal und Puisaye wollten mit ihren Banden vordringen und die ganze Bretagne insurgieren; allein die zaghaften Emigranten gaben dies nicht zu, stellten die C. unter Offiziere der Emigration, steckten sie in engl. Uniformen und zwangen sie, an der Befestigung des genommenen Forts Penthievre zu arbeiten. Diese Maßabitte an denen das ganze Unternehmen scheiterte, erbitterten die Banden. Als sich die engl. Flotte entfernt hatte und der Graf Artois sich nicht, wie er versprochen, an die Spitze der Insurrektion stellte, verloren die C. vollends den Mut: ihre tüchtigsten Anführer, Tinteniac, Scépeaux, Tete-Carrée, alierne, wurden wiederholt geschagen und der Auftand auf allen Punkten niedergeworfen. Noch chlimmer wurde die Lage der C., als Hoche die endée unterworfen hatte und nun alle Streitkräfte auf das rechte Ufer der Loire ziehen konnte. Scépeaux mußte die Waffen strecken, dann unterwarf sich Georges Cadoudal; Frotté, von der Mannschaft verlassen, floh nach England; Vieuville, Sérent und andere Anführer waren gefallen; derAnvermochte kaum durch Flucht nach Amerika der Anklage seiner Genossen zu entgehen. Die Chouannerie war vernichtet. Als aber 1799 die Republik in Cadeud Verluste erlitt, erhoben sich plötzlich unter adoudal die C. aufs neue; doch brachte der 18. Brumaire die Erhebung zum Stillstand. Bonaarte schickte den General Brune mit einer Verstärkung von 30000 Mann an die Loire. Die Plieben wurden allmählich zerstreut und die Anführer ließen sich in die allgemeine Amnestie einschließen. In den J. 1814 und 1815 brach die Chouannerie nochmals auf beiden Ufern der Loire aus. Die Banden waren gut bewaffnet und unter * Führer verteilt, darunter Coislin, Andigneé, Ambrugeac, Courson und Sol de Grissolles. Die Schlacht bei Waterloo machte diesem Aufstande ein Ende.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 346Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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