FeedChristoph der Kämpfer
GeschichteBrockhaus 1882

Christoph der Kämpfer, Herzog von Bayern, der Sohn Albrechts III., geb. 6. Jan. 1449, erhob, als feinem Bruder Albrecht IV. (s. d.) durch das Abkommen von 1467 und den Verzicht des ältern Bruders Sigismund die Alleinherrschaft zugefallen war, Ansprüche auf Teilnahme an der Regierung und suchte sie mit Gewalt geltend zu machen. Er sammelte die Unzufriedenen im Straubinger Lande u einem Bunde, der den Namen „Gesellschaft der ölker des Einhorns» führte. Doch Albrecht überfiel unvermutet die Ritter des Bundes und vermochte C. 1469, gegen jährlich zu zahlende 3000 Fl., seinen Anteil an der Herrschaft auf fünf Jahre ihm zu überlassen. Neuer Verdacht aber, den C. durch drohende Reden gab, bewog den Bruder, ihn 1471 im Bade greifen und in die Altfeste München ge-Rona setzen zu lassen, aus welcher er erst nach 19 Monaten auf Verwenden des Kaisers entlassen wurde. Nachdem er eine neue Empörung gegen demte Bruder versucht, einigte er sich 1475 mit emselben zu einem Vertrage, nach welchem Albrecht wieder auf 10 Jahre die Alleinherrschaft erhielt, ihm 5.N0 aber Schloß und Stadt Landsberg, das Schloß Paal und die Stadt Weilheim übergeben wurden. In demselben J. 1475 besiegte er auf der durch ihre Pracht bekannten Hochzeit des Herzogs Georg von Bayern-Landshut im Zweiampfe einen riefenhaften poln. Ritter, den Wojwoden von Lublin, der die ganze dort versammelte deutsche Ritterschaft gehöhnt hatte. Dann zog er auf Abenteuer aus, zeichnete sich besonders im ungar. Heere durch seine Stärke und Tapferkeit aus, aber die ihm zugewiesenen Landesteile, der Erpressungen müde, wandten sich an seinen Bruder Albrecht. Es kam zum Kriege, in dem C. unterlag und 1485 auf die Mitregierung verzichtete. Albrecht übernahm seine Schulden, und nun zog er nach Flandern und 1490 mit Kaiser Maximilian nach Ungarn. Heimgekehrt schloß er sich wieder dem Aufstande des Löwlerbundes gegen seinen Bruder an, verstand sich aber endlich zu einem Vertrage und zog mit Herzog Friedrich von Sachsen nach Palästina. In Venedig vermachte er seinem Bruder seinen Anteil am bayr. Herzogtum, und auf der Heimkehr von Jerusalem endete er sein unruhiges Leben im Aug. 1493 auf der Insel Ryodus. Vgl. Trautmann, Die Abenteuer Herzogs C. von Bayerno (2 Bde., Frankf. a. M. 1856).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 366Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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