FeedCider
PflanzenreichBrockhaus 1882

Cider heißt ein aus dem Safte von Apfeln oder Birnen gewonnenes weinähnliches Getränk, wel5 auch Apfelwein, Obstwein, Obstmost, irnmost, im Süden schlechtweg Most genannt wird und in vielen Gegenden CEuropas das allgemeine Getränk abgibt. Den besten und weingeistreichsten C. liefern die Apfelarten: Winterborsdorfer, Reinette, Goldpepping, Madapfel, Paradiesapfel, Weinapfel, Tellerapfel, Edelkönig, Herbststettiner, kleiner Ciderapfel und Gravensteiner. Von Birnen sind die Champagner-Mostbirne, Weinbirne, Zuckerbirne u. s. w. am tauglichsten zur Ciderbereitung. Das Obst wird in eigentümlichen Trögen oder Obstmühlen zu einer Maische zermalmt und diese auf der Kelter ausgepreßt. Der Saft wird dann in Fässer gebracht und der Gärung unterworfen. Ein Zusatz von gutem Wein veredelt das Produkt; dagegen sind alle übrigen Zuthaten zu verwerfen. Sobald der Most im Fasse hell geworden, wird er abgezogen und wie Traubenwein behandelt. Der C. ist zur Essiggärung geneigt; er darf deshalb nur sparsam abgelassen werden, erfordert reine Fässer, stetes Nachfüllen und gute Keller. Am angenehmsten schmeckt der C., solange er noch Kohlensäure entwickelt. Später vermehrt sich zwar sein Weingeistgehalt, aber er schreitet zurück, wird bitter, herb und zuletzt sauer. Der C. kann durch geeignete Behandlung des Mostes auch moussierend dargestellt werden. Der C. ist bei mäßigem Genusse gesund und als tägliches Getränk bei weitem dem Branntwein, auch schlechtgebrautem Biere vorzuziehen. Am vortrefflichsten wird er aus Apfeln in der Normandie bereitet. Nächstdem produzieren der Kanton Thurgau in der Schweiz und Oberösterreich den meisten C. In Deutschland ist der Apfelwein Hauptgetränk in der Gegend von Frankfurt a. M., in der Wetterau, in Franken. Das südl. und westl. England erzeugt viele Obstweine, welche dort unter dem Namen British wines im mißt, sind unter K aufzusuchen. Handel sind. Soll der C. in Essig verwandelt werden, so wird er ebenso behandelt, wie zu demselben Zwecke Wein. Solcher Obstessig ist fas ebenso gut als der echte Weinessig. Der oberösterr. Birnenmost wird aus der Mostbirne, Pichlerbirne, Wallerbirne, Lautschbirne und Krautbirne gewonnen. Vgl. Schlipf, Ratschläge zur zweckmäßigen Bereitung des Obstmostesv (2. Aufl., Stuttg. 1860); Lucas, „Der C. oder Obstweino (Ravensburg 1869); Gräger, «Die Obstweinkunde (Weim. 1872).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 395Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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