FeedChampaguer
ErdkundeBrockhaus 1882

Champaguer heißt der Wein der franz. Landschaft Champagne, welche sich über vier Bepartements: Ardennen, Aube, obere Marne und Marne, erstreckt. Man unterscheidet stillen und moussierenden C.; letzterer wird vorzugsweise unter dem Namen begriffen und ist der Weltwein ersten Ranges, welcher selbst von Nationen konsumiert wird, die sonst dem Weingenuß entsagen. Der C. wird vorzugsweise in dem Depart. Marne und zwar in mißt, sind unter K aufzusuchen. den Arrondissements Chälons, Epernay, Reims, St.⸗ Menehould und Vitry in einem Jahresquantum von etwa 700000 hl produziert, wovon 180000 hl auf die Schaumweinfabrikation entfallen. Der moussierende C. ist ein Kunstprodukt und bedarf einer eigentümlichen Herstellungsmethode. Traudento muß eine sorgfältige Auswahl der Traubensorten (schwarzer Burgunder, Pineau, Muüllertraube und weiße Champagnertraube) und + Rebenerziehung. Der von der Kelter fließende Most wird niemals rein verwendet, sondern es werden verschiedene Moste miteinander zur Erzielung einer geeigneten Cuvée gemischt, eine Operation, welche große Kenntnis erheischt, aber die Qualität des Produkts hauptsächlich bedingt. Nach dem Verstechen des Mostes kommt derselbe in die Gärmagazine, worin er bis zum Frühiahr bis zur beendigten Gärung und Klärung liegen bleibt. In diesem Stadium unterscheidet der Wein sich von den gewöhnlichen Jungweinen nicht. Um ihm die Eigenschaft der Schaumweine zu geben, muß eine neue Gärung erregt, zugleich aber das Entweichen der dabei gebildeten Rohlensäure verhindert werden. Da aber in dem vergorenen Wein kein Zucker, also kein gärungssähiges Material mehr enthalten ist, so muß, um neue Gärung einleiten zu können, ein Zusatz von Zucker gegeben werden. Man löst daher in je 100 1 Wein 2, bis 3 kg besten weißen Zucker, bei dessen Auswahl man sorgfältig darauf zu achten hat, daß derselbe bei der Fabrikation nicht gebläuet ist, weil das dazu verwandte Ultramarin den Geschmack des C. verderben würde. Der gezuckerte Wein wird nun auf Flaschen gezogen, die gut verkorkt und mit Bindfaden und Draht überbunden werden, um das Herausschleudern der Pfropfen * verhüten. Angeregt durch Spuren von im Wein verbliebener Hefe, beginnt die Gärung bald, der Wein trübt sich durch Neubildung von Hefe. Die gebildete 1 Wein fäure bleibt, da sie nicht entweichen kann, im Wein gelöst und übt einen ihrer Spannun entsprechenden Druck auf die Innenwand der Flaschen aus. Der Höhepunkt der Gärung gab sich früher durch das dabei stattfindende Zerspringen der Flaschen kund, man betrachtete es dabei als ein günstiges Ergebnis, wenn nicht mehr als 20 Rertn sämtlicher Flaschen verloren gingen. Diese Verluste sind in neuerer Zeit ganz erheblich reduziert, seitdem auf die Fabrikation der Champagnerflaschen größere Aufmerksamkeit verwendet wird und namentlich eitdem dieselben in den Glasfabriken auf ihre Widerstandsfähigkeit bis zu einem Druck von 20 und 30 Atmosphären geprüft werden. Nach beendeter Gärung klärt sich der Wein, indem die Hefe sich am Bauch der Flasche abscheidet. Da der Wein in der Flasche, in welcher er entstanden ist in den Konsum kommt, so muß die Hefe bis auf die letzte Spur durch eine langwierige und „n same Operation entfernt werden; zu diesem Behufe werden die ein elnen Flaschen unter ganz leisem Rätteln schwach geneigt, so daß der Hals etwas abwärts gerichtet ist. Hierdurch schiebt sich die Hefe gegen den Hals hin. Nach zwölf bis vierzehn Tagen wird arkere⸗ wiederholt, aber der Flasche eine etwas stärkere Neigung gegeben. Dies wird so lange fortgesetzt, bis die Flaschen endlich auf dem Kopf, mit dem Halse senkrecht abwärts geneigt stehen und die Gesamtmenge der Hefe unmittelbar auf dem Kork liegt, während der Wein völlig blank ist. Dann erfolgt die eigentliche Fertigmachung. Jede Flasche wird wieder geöffnet (degorgement), sodaß der Niederschlag, welcher sich in ihrem Hals esammelt hat, durch die Entwickelung der Kohlenäure herausgeschleudert wird; dann erfolgt das „Dosiereno, der 2—H9 einer Lösung von Zucker in starkem Wein oder Cognac, Ihiachfülung ms auch eine Färbung, sodann die Nachfüllung mit undosiertem Wein und endlich die Schließung der Flaschenöffnung mittels eines gepreßten Korks, der mit Eisendraht und Bindfaden befestigt, mit Stanniol oder Pech überkleidet wird. Jeder Kork erhält einen Brand als Marke des Fabrikanten. Der echte Champagner mousseux ist ein seuriger, leichter, äußerst angenehmer Süßwein mit großem Gehalt an Kohlensäure. Man unter-Die teie nach dem letztern drei Sorten: Crêmant, ie leichteste, mehr Rahm als Schaum entwickelnd; dann Mousseux und Grand-Mousseux. Außerdem gibt man dem C. noch besondere Bezeichnungen, öfters auch nach der Farbe, für welche man gegenwärtig nur noch ein leichtes Rosa wählt. Die von Geschäftshäusern in Reims, Epernay, Ay, Marenil, Chälons, Avize, deren Firmen zum Teil weltbekannt sind, wie Veuve Cliquot, Röderer, Due de Montebello, Mumm, Jacquesson, Chanoine, Moet und Chandon, Heidsieck, Bruch Foucher, Sergent, Bumiller u. s. w. Der Liqueurzusatz, welchen der C. erhält, wechselt nach dem Geschmack der Konsumenten in den einzelnen Ländern. Er bestimmt, neben der Mousse (Bläschenwerfen, petillement, sparkling) den Geschmack und die Wirkung der einzelnen Sorten. Letztere ist in Bezug auf den menschlichen Organismus eine sehr anregende, belebende, aufheiternde, wie sie kein anderes Getränk äußert. Der C. wird daher nicht nur als die Krone des Weingenusses betrachtet, sondern leistet auch Dienste als 2.+ diätetisches Mittel. Er muß, um zu voller Wirkung zu gelangen, kalt getrunken werden, frappiert, d. h. in Eis, aber nicht zum Übermaß, Cin In den Handel gelangt der C. in Körbe verackt. Die Produktion desselben 60 sich namentich seit 1850 außerordentlich gehoben, nicht minder auch der Export. Dieser berechnet sich auf unefähr 17 Mill. Flaschen jährlich, während der agerbestand in den Magazinen sich auf ungefähr 40 Mill. Flaschen beläuft. Frankreich konsumiert jährlich etwa 3000000, Großbritannien mit den Kolonien 2 500 000, Amerika 2 100 000, Rußland 1700000, Deutschland 1500000 laschen. Das Jahreserzeugnis wird auf 20 Mill. Flaschen geschätz. Der moussierende C. ist erst in der Neueit in den Kreis der Weine eingetreten. Vor der Anwenduna der Korke als Verschlußmittel war seine Fabrikation unmöglich und jene fällt zwischen die J. 1670—1715 als Erfindung des Dom Perignon, Pater-Kellermeisters der Abtei von Haut-Villers. q. K erstenmal öffentlich erwähnt wurde der C. im J. 1718 mit dem Bemerken, daß er jetzt seit 20 Jahren bekannt sei; er bekam das Prädikat oder Teufelsweinv. Damals hielt man seine Bereitung für Zauberwerk und glaubte Arkana dazu notwendig. Die Bereitung des Schaumweins beschränkt sich jetzt nicht mehr auf die Champagne, sie wird vielmehr mit größtem Erfolg auch in Deutschland, in ermißt, sind unter K aufzusuchen. Wuü 153 Ruppertsberg u. a. O. betrieben. Das deutsche Produkt wurde anfangs dadurch diskreditiert, daß man nicht das altbewährte Verfahren anwandte, sondern künstlich dargestellte Kohlensäure in einen mangelhaft dosierten Wein von mangel-Verei Qualität pumpte. Seitdem man aber zur ereitung nur gute Weine verwendet und die Kohlensäure im Weine selbst erzeugt, werden auch in Deutschland Schaumweine gewonnen, die den franz. Produkten wenig nachgeben. Der estille Wein der Champagne (C. non mousseux) war schon im 14. Jahrh. ein hochbeliebter Trank. Er wird sowohl rot als weiß gekeltert, und seine edlern Sorten, wie der weiße Sillery sec non mousseux, sind sehr feine, trockene Weine von eigentümlichem Arom und Wohlgeschmack. Die Rotweine der Champagne stehen im zweiten Range der Qualität; sie seiden viel Feinheit, Delikatesse, Esprit und sind seidenartig (Soyeux). Sie steigen rasch zu Kopf, aber ihre Wirkung zerstreut sich auch schnell wieder. Vgl. Maumené, «Indications théoriques et pratiques sur le travail des vins mousseuxo (2. Aufl., Par. 1873); Jaunay und Maumené, Bereitung der künstlichen Weine und Champagnerfabrikationo iche Bereitung der moussierenden Weine, insbesondere des französischen C.» (2. Aufl., Weimar 1861); Tovey, «Champagne; its history, manufacture, propertieso (London-Hotten 1870); Hamm, „Das Weinbuchv (2. Aufl., Lpz. 1874); Kerl und Stohmann [Muspratt], «Encyklopädisches Handbuch der Technischen Chemies (3. Aufl., Braunschw. 1881, Bd. 7, Art. Wein).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 174Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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