Clarendon (George William Frederick Villiers, Graf von), engl. Staatsmann, war der Enkel Thomas Villiers', eines Sohnes des Grafen von Jersey, der sich 1752 mit der Erbin des letzten Grafen von C. aus der Familie Hyde vermählte und daher 1756 um Baron Hyde und 1776 zum Grafen von C. ertudierte in Cambridge, widmete sich der diplomatischen Laufbahn und erhielt im Aug. 1833 den zu jener Zeit besonders wichtigen Gesandtenposten in Madrid, wo er bald großen Einfluß erwarb, den er dazu verwandte, die Regierung Spaniens ch konstitutionellen Grundlagen zu ordnen. überhaupt handelte er im Geiste der liberalen auswärtigen Politik Lord Palmerstons. Durch den Tod seines kinderlosen Oheims (22. Dez. 1838) erbte er, da sein Vater, George Villiers, schon 1827 gestorben war, den Titel eines Grafen von C. und kehrte, um seinen Sitz im Oberhause einzunehmen, nach England zurück, wo er im Mai 1839 zum Großsiegelbewahrer ernannt wurde, mit welchem Amte er seit Okt. 1840 auch das des Kanzlers des Herzogtums Lancaster verband. Im Sept. 1841 löste sich jedoch das Whigministerium auf, und C. war von nun an ein — Mitglied der Opposition, bis zum Sturze des Ministeriums Peel im Juni 1846. In dem dann folgenden Ministerium Russell übernahm er zuerst das Handelsministerium, hierauf, nach dem Tode Lord Besboroughs im Juni 1847, das ebenso wichtige als schwierige Amt des Lord-Lieutenants von Irland. Dieses Land befand sich damals, nach den Wehen der großen Hungersnot, in einem höchst unruhigen Zustande, und der revolutionäre Geist, der sich im Frühjahr 1848 ganz Eurovas bemäch-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IV. tigte, äußerte sich auch dort in so bedenklicher Weise, daß C. um ausgedehntere Vollmachten nachsuchen mußte. Durch Parlamentsbeschluß ward er zur Aufhebung der Habeas-Corpus-Akte autorisiert, die er durch Proklamation vom 31. Juli für 15 Grafschaften aussprach. Unterdessen hatte Smith O'Brien offen die Fahne des Sirfeten erhoben, wurde aber nebst seinen Gefährten anen dez O'Donoghue und Leyne in den ersten Tagen des August ergriffen und gefangen nach Dublin gebracht. So war durch die energischen Maßregeln C.s die Ruhe in kurzem überal nert« 6.3. Mar-Seine Verwaltung Irlands dauerte bis März 1852, wo er sich nach dem Antritt des Toryministeriums zurückzog. chon im Febr. 1853 wurde er jedoch in dem Ministerium Aberdeen zum Posten des Staatssekretärs für auswärtige ture er diedenlor berufen. In dieser Eigenschaft leitete er die diplomatischen Verhandlungen mit Frankreich, Österreich, Sardinien und der Türkei zur Zeit des Orientkriegs und blieb nach dem Sturze Aberdeens auch unter Palmerston im Amt. Als erster Bevollmächtigter Englands erschien er auf dem Kongreß zu Paris und schloß den Frieden vom 31. März 1856, der den Eroberungselüsten Rußlands einen Riegel vorschob und die Integrität der Türkei vorläufig sicherte. Trotz der erfolgreichen Thätigkeit C.s machte man ihm Want den Vorwurf allzu großer Sympathie für Frankreich, und der Eifer, mit dem er die nach dem Attentat auf Ludwig Napoleon eingebrachte Konspirations-Bill verteidigte, that ihm in der öffentlichen Meinung vielen Schaden. In den Sturz des Ministeriums Palmerston, Febr. 1858, verwickelt, ward er nach der Rekonstituierung desselben im folgenden Jahre nicht wieder angestellt. Erst im März 1861 erhielt er von neuem einen Sitz im Kabinett als Kanzler des Herzogtums Lancaster, ging bald darauf mit einer geheimen Mission zu Ludwig Napoleon nach Vichy und nahm dann als zweiter Bevollmächtigter Englands an den zu London gehaltenen Konferenzen über die Danische Frage teil. Als nach Lord Palmerstons Tode Graf Russell, der das Auswärtige Amt verwaltet hatte, zum Premierminister ernannt wurde (Okt. 1865), übernahm C. von neuem das Staatssekretariat für die auswärtigen Angelegenheiten. Im Juni 1866 trat er mit seinen Kollegen, die in den Reformdebatten eine Niederlage erlitten, ab und verweigerte den Eintritt in das Kabinett Derbys. Nach dem Sturze des Ministeriums Disraeli (Dez. 1868) kehrte er jedoch in dem Ministerium Gladstone wieder an senen Posten als Staatssekretär für das Außere Eerein-Er bemühte sich, mit Rußland zu einer übereinkunft zu gelangen, wonach England und Rußland gewisse Ländermassen zwischen ihren asiatischen Besitzungen für neutral erklären sollten; Rußland ging jedoch nicht darauf ein. Auf den angeblichen Wunsch des Kaisers Napoleon betrieb er 1870 geheime Verhandlungen mit Preußen, welche eine gleichzeitige Verminderung der stehenden Heere in Preußen und Frankreich zum Zwecke hatten. C. starb wahrscheinlich an geistiger überanstrengung 27. Juni 1870 in London. Als Diplomat war C. wegen seines offenen Charakters und wegen seiner reichen Erfahrung allgemein geschätzt. — In der Grafenwürde folgte ihm sein ältester Sohn, Edward Hyde Villiers, Lord Hyde, geb. 4. Febr. 1846.