FeedBrandt (Heinr. von)
GeschichteBrockhaus 1882

Brandt (Heinr. von), preuß. General und Militärschriftsteller, geb. 1789 zu Lakiin in Westpreußen, studierte seit 1805 die Rechte zu Königsberg, wurde dann 1807 Fähnrich bei einem der neuformierten provisorischen Bataillone, erhielt aber schon nach dem Frieden von Tilsit, weil seine Heimat dem Großherzogtum Warschau einverleibt worden, den Abschied und trat 1808 als Lieutenant in die — Weichsellegion, in welcher er in Spanien mit uszeichnung kämpfte und wiederholt verwundet wurde. Im Kriege gegen Rußland 1812 beförderte ihn Napoleon zum Kapitän-Adjutant-Major; er wurde bei Tarutino schwer verwundet. Im Juni 1813 kam er zum Weichselregiment, das aus den Trümmern der 12 Bataillone der Weichsellegion gebildet wurde, fiel jedoch, bei Leipzig schwer verwundet, in russ. Gefangenschaft und wurde mit einem Zwangspaß nach seiner . Are geschickt, wo er bei der Organisation der poln. Armee durch den Großfürsten Konstantin als Kapitän im 7. Infanterieregiment angestellt wurde. Als seine Heimat an Preußen fiel, erbat er seinen Abschied, den er aber erst 1816 erhielt, wurde nun im preuß. 10. Infanterieregiment als Kapitän angestellt und kam nach Berlin als Lehrer am Kadettenhause, Mitglied bei der Ober-Militär-Eraminations-Kommission und Lehrer an der Allgemeinen Kriegsschule wurde 1829 Major im Generalstabe und 1831 bei dem an der poln. Grenze unter Gneisenau aufgestellten Beobachtungskorps verwendet, schloß 4. Okt. 1831 zu Straßburg mit dem poln. General Woroniecki die Übereinkunft ab, infolge deren die poln. Armee die preuß. Grenze überschritt und die Waffen niederlegte, und leitete dann auch die Übersiedelung der poln. Offiziere nach Frankreich. Im J. 1838 wurde B. Chef des Generalstabes des 2. Armeekorps in Stettin; seit dem Mai 1848 Brigadekommandeur, leitete er 1848 das Gefecht von Xions und wurde im Juli + Unterstaatssekretär im Ministerium Auerswald ernannt, mit welchem er jedoch bald abtrat. Im J. 1849 wurde er in die Erste Kammer, 1850 für das Volkshaus in Erfurt gewählt, in demselben Jahre Kommandant von Posen, 1853 Generallieutenant und Divisionskommandeur und nahm 1857 den Abschied als General der Infanterie. Seitdem lebte B. in Berlin, wo er, für die dritte Legislaturperiode zum Abgeordneten erwählt, in allen Fragen mit der Regierung ging, 1862 zum — er General-Ordenskommission ernannt wurde und am 23. Jan. 1868 starb. Außer vielen zerstreuten Arbeiten sind von ihm erschienen: aliber Spanien mit besonderer Hinsicht auf einen etwaigen der d. (Berl. 1823), «Uber die Wiedereinführung der Dragoner als Dop elkämpfer» (Berl. 1823), (Ansichten über die abun zrd im Geiste der Zeitz (Berl. 1824), «Handbuch für den ersten Unterricht in der höhern Kriegskunsto Waße 1829), (Grundzüge der Taktik der drei Waffen» (Berl. 1833; 3. Aufl. 1859; ins Holländische, Spanische, 1860 ins Japanische übersetzt), 4Geschichte des Kriegswesenso Pur Ort und neuere Zeit) in der Handbibliothek für Offizierer (Berl. 1830—35), (Der Kleine Kriego(2. Aufl., Berl. 1850), und aus seinem derungen in der Taktik' (Berl. 1868). B.s Memoiren gab sein Sohn unter dem Titel „Aus dem Leben des Generals Heinrich von B.» (2 Bde., Berl. 1869; 2. Aufl. 1870) heraus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 446Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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