FeedCoccejus (Jan)
ReligionBrockhaus 1882

Coccejus (Jan), eigentlich Koch, bedeutender Theolog der reform. Kirche Hollands, geb. 9. Aug. 1603 zu Bremen, wo sein Vater, Timann Koch, Stadtsekretär war, studierte zuerst auf der reform. Akademie zu Bremen, erlernte zu Hamburg von einem Juden die morgenländischen Sprachen und begab sich alsdann nach Franeker, wo Amesius im Geiste praktischer Frömmigkeit Dogmatik und Moral lehrte und Amama eine streng grammatische Exegese vertrat. Im J. 1629 ward C. Professor der biblischen Philologie an der Akademie zu Bremen, 1636 an der Universität zu Franeker, 1650 Professor der Dogmatik zu Leiden, wo er 5. Nov. 1669 starb. Seine Bedeutung liegt darin, daß er im Gegensatz zu der seit der Synode zu Dordrecht in der reform. Theologie immer mehr zunehmenden Scholastik eine streng biblische Richtung begründete. Für die Auslegung der Schrift gilt ihm deshalb nicht das kirchliche System als Norm, sondern jede Stelle muß ihrem Wortlaute und Zusammenhange nach erklärt werden. Diesem Streben dient das WLexicon et commentarius sermonis Hebraici et Chaldaici Veteris Testamentio (Leid. 1669; verbessert herausg. von Mai, Leid. 1714, und von Schulz, 2 Bde., Lpz. 1777; 2. Aufl. 1796). Für die Glaubenslehre soll die Schrift unmittelbare Quelle und Norm sein, wie die KSumma doctrinae de foedere et testamentis Dein (Leid. 1648; 2. Aufl. 1653) ausführt. Indem C. im Geiste des Pietismus auf lebendige Frömmigkeit drang, trat er dem starren Orthodoxismus, gefuhrt von Gisbert Voétius und Desmarets, scharf entgegen, und bald spaltete sich die reform. Kirche Hollands in die beiden feindlichen Lager der

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 472Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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