FeedDelitzsch (Franz)
ReligionBrockhaus 1882

Delitzsch (Franz), namhafter deutscher Exeget und Hebraist, geb. als Kind armer christl. Eltern 23. Febr. 1813 1 Leipzig, widmete sich auf der Universität daselbst theol. und orient. Studien, habilitierte sich 1842, wurde 1846 ord. Professor der Theologie in Rostock und 1850 in Erlangen, don wo er 1867 nach Leipzig zurückberufen ward. In seinen ersten wissenschaftlichen Leistungen zeigte 0 D. als ein gründlicher Kenner der nachbiblichen jüd. Literatur. Dahin gehören: «Geschichte der jüd. Poesier (Tpz. 1836). die Ausgabe von Luzzattos hebr. Nachbildung von Guarinis Pastor fido (4Migdal-ozo, Lpz. 1837), die «Beiträge zur mittelalterlichen Scholastik unter Juden und [Moslemen » (Lpz. 1841) und das sprachvergleischende Werk «Jesurun » (Lpz. 1838), worin er die in Fürsts Concordanz, an deren Bearbeitung er mitbeteiligt war, niedergelegten Ansichten über das Verhältnis der semitischen zu den indogerman. Sprachen systematisierte. Diesen Arbeiten folgte eine Reihe exegetischer und biblisch-theol. Schriften, die von Scharfsinn und großer Gelehrsamkeit zeugen. Außer zahlreichen, teils monographischen, teils in Zeitschriften niedergelegten Abhandlungen gehören hierher: die Kommentare zum Propheten Habakuk (Lpz. 1843), zum Hohen Liede (Lpz. 1851), zur Genesis (Lpz. 1852; 4. Aufl. 1872), zum Psalter (2 Bde., Lpz. 1859 — 60; 3. Aufl. 1873 — 74) und innerhalb des mit Keil herausgegebenen Gesamtkommentars zum Alten Testament die Kommentare zu Jesaia (3. Aufl., Lpz. 1879), Hiob (2. Aufl. 18760. Salomonisches Spruchbuch, Hoheslied und Prediger (1875), sowie der nach Bleekschem Muster allseitig u die 9 hochgeschätzte Kommentar zum Briefe an die Hebräer (Lpz. 1857); ferner die „Biblisch-theol. und apologetisch-kritischen Studieno (mit Er Uhn 2 Bde., Berl. 1845—48), das „System der biblischen Psychologies (Lpz. 1855; 2. Aufl. 1861) und „Neue Untersuchungen über Entstehung und Anlage der kanonischen Evangelieno (Bd. 1, Lpz. 1853), endlich das System der christl. Apologetiko (Lpz. 1869). In der Schrift „Handschriftliche Funde (Heft 1 u. 2, Lpz. 1861 —62) gab D. nach Entdeckung des verloren geglaubten Codex Reuchlins handschriftliche Studien zur Textkritik der Apokalypse, und in zwei Programmen (1871 und 1878) neue Aufschlüsse über die handschriftlichen Quellen und die Klolte mäingeschichte der Complutensischen Polyglotte. ter seinen ascetischen Schriften hat besonders das „Sakrament des wahren Leibes und Blutes Jesu Christi (Dresd. 1844; 6. Aufl. 1876) Verbreitung efunden. Die Volks- und Kulturzustände zur Zeit Jesu suchte er darzustellen in Jesus und Hillehs (Erlangen 1867), «Jüd. Handwerkerleben zur Zeit Jesu» (Erlangen 1868; 2. Aufl. 1875), „Ein Tag in Kapernaum» (Lpz. 1871; 2. Aufl. 1873), Durch Krankheit zur Genesung. Eine jerusalemische Geschichte der Herodierzeito (Lpz. 1873). — Von seinen Söhnen wurde Johannes D., geb. 1846, der Fortsetzung seines Werks «Lehrsystem der röm. Kirche (Tl. 1, Gotha 1875), als er eben die Herausgabe der Ohlerschen KSymboliko beendigt hatte, durch frühen Tod (3. Febr. 1876) entrissen; ein anderer, Friedrich D., geb. 3. Sept. 1850, hat sich als Assyriolog bekannt gemacht durch seine «Assyr. Studien » (Lpz. 1874), seine Bearbeitung der «Chaldäischen Genesis v von George Smith (im Verein mit Hermann Delitzsch) (Lpz. 1876), seine autographierten «Assyr. Lesestückey (2. Aufl., Lpz. 1878), sein Werk (Wo lag das Paradies L» (Lpz. 1881). Die Professur der Assyriologie, die er in Leipzig inne hat, ist die erste dieses Namens in Deutschland.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 24Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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