Castruccio Castracane degli Antelminelli, einer der tapfersten Feldherren Italiens im 14. Jahrh., entstammte einer angesehenen Familie Luccas, welche, ghibellinischer Partei, beim ÜUberwiegen der Cuslsen die Heimat zu verlassen gezwungen ward. Jung verwaist, suchte C. sein Glück in der Fremde, in England, Flandern, Frankreich, erst im Handel, dann im Kriegsdienst, kehrte nach Italien zurück, beteiligte sich an der Verschwörung, welche seine Vaterstadt dem tapfern und schlauen Feldhauptmann Uguccione della Faggiuola, damaligem ghibellinischen Gebieter in Pisa, in die Hände spielte, und trug nicht wenig bei zu dessen Siege über die Florentiner und andern toscan. Guelfen in der Schlacht von Montecatini, 29. Aug. 1315. Der Name, den er sich durch seine Tapferkeit machte, weckte Ugucciones Mißgunst, und er verdankte Freiheit und Leben vielleicht nur dem Aufstande Luccas gegen diesen Gewaltherrscher, 10. April 1316. Zum Volkshauptmann ausgerufen, wußte er sich bald der Alleingewalt zu bemächtigen, schlug die Florentiner in zahlreichen Fehden, die ihn bis zu den Thoren der Stadt führten, eroberte 1325 Pistoja und blieb nochmals Sieger in dem mörderischen Kampfe bei Altopascio, sodaß Florenz, um sich gegen den gefährlichen Gegner zu schützen, den Kronprinzen von Neapel, Karl von Anjou, als Herrn anerkannte, der aber gegen C. nichts ausrichtete. Bei Ludwig des Bayern Römerzuge 1327 war C. dessen vornehmste militärische Stütze, und die Krönung in Rom, 17. Jan. 1328, ist nicht zu geringem Teil durch ihn ermöglicht worden. Die während C.s Abwesenheit den Florentinern gelungene Wiedergewinnung Pistojas rief diesen, zum großen Nachteil Ludwigs, nach Toscana zurück; er brachte die Stadt nochmals in seine Gewalt, starb aber infolge der großen Anstrengungen, erst 47 J. alt, in Lucca 3. Sept. 1328. Seine Familie vermochte sich in der Heimat nicht zu halten. Sie besteht heute noch in Urbino, und zählt zu den Ihrigen den von Gregor XVI. zum Kardinal ernannten Dalste Led Castracane, gest. 1852. N. Machiavellis Leben C.s ist ein histor. Roman, seine Biographie wurde von N. Tegrimi (Modena 1496) und Aldo Manuzio dem Jüngern (Rom 1590) geschrieben. Vgl. Mazzarosa, «Storia di Luccao (Lucca 1833); Tommasi, «Sommario della Storia di Lucca (Flor. 1847).