FeedConsalvi (Ercöle)
ReligionBrockhaus 1882

Consalvi (Ercöle), Kardinal, geb. 8. Juni 1757 zu Rom, widmete sich theol. und litterarischen Studien und erhielt durch die Gunst der in Rom lebenden Tanten Ludwigs XVI. die Stelle als Auditor der röm. Rota. Als die Franzosen den Kirchenstaat besetzten, wurde C. verbannt. Pius VII. ernannte ihn zum Kardinal und Staatssekretär. Als solcher schloß er mit Napoleon 1802 das Konkordat ab, mußte aber 1806 wegen der feindseligen Gesinnung Napoleons gegen —* seine Stelle aufgeben und blieb von den Geschäften fern bis 1814, wo er als Legat beim Wiener Kongreß die Zurückgabe der Marken und Legationen bewirkte. da gleicher Eigenschaft wohnte er 1815 den Unterhandlungen mit Frankreich bei. Die Neugestaltung des Kirchenstaats war wesentlich sein Werk und in seiner Hand ruhte unter Pius VII. die ganze Leitung der Geschäfte. Auch für die Wissenschaften und Kunste that C. viel. Unter den Künstlern standen Canova, Thorwaldsen, durch den er das Monument Pius VII. ausführen ließ, und Camuccini sehr in seiner Gunst. Seine diplomatischen Geschäfte hatten meist glücklichen Erfolg. Mit großer Gewandtheit schloß er die Konkordate mit Rußland, Polen, Preußen, Bayern, Württemberg, Sardinien, Spanien und Genf ab. Nach dem Tode Pius' VII. leitete er während der Sedisvakanz die Angelegenheiten. Die Wahl Leos XII., der ganz verschiedenen Grundsätzen huldigte, machte der Thätigkeit Cis ein Ende. Er starb zu Rom 24. Jan. 1824. Vgl. Ranke, Die Staatsverwaltung des Kardinals C.y in «Histor.biographische Studien » (Lpz. 1877); Artaud de Montor, «Histoire de la vie et du pontificat de Pie VII (2 Bde., Par. 1836 u. öfter). Die Echtheit der von Crétineau⸗-Joly 6de. ebenen KMémoires du cardinal C.5 2Bde., Par. 1864) ist vielfach angezweifelt worden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 565Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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