FeedConscience (Hendrich)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Conscience (Hendrich), hervorragender vläm. Novellist und einer der Begründer der neuern vläm. Litteratur, geb. 3. Dez. 1812 zu Antwerpen als Sohn eines aus Besangon stammenden Marinebeamten und einer vläm. Mutter, bildete sich fast nur als Autodidakt, trat 1830 als Freiwilliger ins Heer, in welchem er es bis zum Sergeantmajsor brachte. Nach Vollendung seiner Dienstzeit (1836) schloß er sich eifrig der vläm. Bewegung an und schrieb den Roman In het wonderjaer 15665 (Gent 1837), den ersten der neuvläm. Litteraturperiode, welchem die lebendige Behandlung des Gegensatzes zwischen ermißt, sind unter K aufzusuchen. span. Knechtungspolitik und german. Freiheitssinn einen außerordentlichen Beifall erwarb. Durch den Maler Wappers bei dem König eingeführt und von letzterm unterstützt, veröffentlichte er nun mit gleichem Erfolg die cPhantasia (Antwerp. 1837), eine Sammlung uchen don er Erzählungen, die bereits einen merklichen Fortschritt in Bezwingung der noch unbeholfenen Sprache bekundete. Auf einer Kudier 9946 steht CIs Roman: De Leeuw van Vlandereno (3 Tle., Antwerp. 1838), welcher die Kämpfe der Flamländer gegen die üund hat. zu Anfang des 14. Jahrh. zum Gegenstand hat. Unterdessen hatte C. eine kleine Anstellung bei dem Provinzialarchiv erhalten, die er jedoch bald wieder aufgab. Einige Zeit darauf erhielt er das Amt eines Sekretärs bei der Akademie der Künste zu Antwerpen, 1845 den Titel als außerord. Professor an der Universität Gent und 1847 den Posten als Lehrer der vläm. Sprache bei den königl. Prinzen. Seit 1857 bekleidete er den Posten eines Kommissars des Arrondissements Courtrai, 1868 wurde er zum in Beuntele des neuerrichteten Museum-Wiertz in Brüssel ernannt. Seit 1867 ist er auch Mitglied der königl. Akademie. Von Cos Arbeiten sind noch zu nennen die histor. Romane: (Geschiedenis van Graef Hugo van Craenhovey (Antwerp. 1845), Jakob van Arteveldep (1849), De Boerenkrygo (1853), Hlodwig en Clotildiso (1854), (Bataviab (1858), «Simon Turchio (1859), De Kerels van Vlaandereno (1870), Everard 't Serclaeso (1874) u. a. Sie zeichnen sich aus durch Frische und Einfachheit der Darstellung, sind aber weniger gelungen als die kleinen Geschichten und Schilderungen aus dem vläm. Stillleben, welche C.s Ruf über ganz Europa verbreiteten. Hierzu gehören: «Siska van Rosemaebo (1844), Wat eene moeder lyden kand (1843), Hoe men schilder wordto (1843), Avondstunde (1846), Lambrecht Hensmanso (1847), De Lotelingo (1850), (Baes Gansendoncko (1850), De houten Clarao (1850), De blinde Rosa (1850), „Rikketikketako (1851), De arme Edelmano (1851), De plaeg der dorpeno (1855), De jonge Doctoro (1860), Het yzeren grafo (1860), (Bella Stocko (1861),«Moederliefden (1862) u. s. w. Auch veröffentlichte er eine illustrierte Geschiedenis van Belgieno (Antwerp. 1845; deutsch von Wolff,‚ Lpz. 1847). In derselben zeigt er sich als Gegner des Romanentums, aber nicht der röm. Kirche. In seinen histor. wie in den dem Stillleben gewidmeten Schilderungen entfaltet C. eine reiche Gabe der Detailmalerei. Namentlich aber ist er ausgezeichnet durch Reinheit der Gesinnung, sodaß er in scharfen Gegensatz zu der franz. Modelitteratur tritt. C.s litterarische Thätigkeit hat großen Einfluß auf die Entwickelung des vläm. Lebens geübt. Alle seine Werke (Gesamtausgabe, 9 Bde., Antwerp. 1867 — 74) sind ins Deutsche (72 Bdchn., Münster 1846 —82), Französische und andere Sprachen übersetzt worden. Vgl. Eekhoud, Henri C.» (Brüss. 1881) und Rooses, Nieuw Schetsenboeko (Gent 1882). OConsecratio (lat.), s. Apotheose.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 565Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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