Boisseree (Sulpiz und Melchior), zwei Brüder, hochverdient um Sammlung, unshend und Würdigung der Werke der ältern deutschen Malerschulen wie der altdeutschen Kunst überhaupt, waren beide zu Köln, der erstere 2. Aug. 1783, der letztere 23. April 1786 geboren und gehörten einer aus dem lüttichschen Lande eingewanderten niederländ. Familie an. Angeregt durch die romantische Richtung Tiecks und Schlegels und befreundet mit dem damals in Düsseldorf weilenden Maler Cornelius, gewannen beide Brüder schon frühzeitig ein lebhaftes Interesse insbesondere für die ältere deutsche Kunst. Im Herbst 1803 machten — in Gemeinschaft mit ihrem Freunde Johann Baptist Bertram (geb. 6. Febr. 1776 zu Köln, gest. 19. April 18⁴¹ 1 München), der sich phllosophischen, namentlich aber ästhetischen Studien gewidmet hatte, eine Reise nach Paris wo sie neun Monate verweilten und, durch Friedrich von Schlegels Nunlnien angeregt, sich mit Eifer und Erfolg Kunststudien widmeten. Namentlich wandten sie ihre Aufmerksamkeit den altdeutschen Meisterwerken zu, welche sich unter den damals von Napoleon in Paris zuxs ung Echlegels 5 Kunstschätzen fanden. In Begleitung Schlegels kehrten die Brüder und Bertram 1804 nach dem Rhein zurück, wo sie ihre Studien fortsetzten und Kunstwerke 0 sammeln begannen, u welchem Zwecke sie die Rheingegenden und die Niederlande, dann auch andere Teile Deutschlands bereisten. Ihr Beispiel ermunterte viele zu ähnlichem Sammeleifer, z. B. Lyversberg in Köln, und „regte Goethe zu seinen trefflichen Betrachtungen über altdeutsche Malerei an. Im Frühjahr 1810 zogen die drei Samuh. nach Heidelberg, wo sie allmählich ihre Sammlung vereinigten. Schon zur Gan des Pariser Friedens hatte die Boisseresche emäldesammlung europ. Berühmtheit erlangt. jedoch in Heidelberg die Räumlichkeiten zu einer genügenden Aufstellung fehlten, siedelten ihre Besitzer 1818 nach Stuttgart über, wo ihnen der Kö-Unig von Württemberg ein angemessenes Gebäude überwiesen. Die Brüder wollten jedoch ihre Sammlun 1 die Zukunft gesichert und der gebildeten Welt bleibend zugänglich wissen, und überließen sie deshalb 1827 für den Preis von 120000 Thlrn. dem Könige Ludwig I. von Bayern, der das Ganze 1828 zu Schleißheim und 1836 die Wothel und bedeutendsten der Gemälde in der Pinakothek zu Mün⸗ * aufstellen ließ. Etwa 40 Gemälde kamen nach rnberg in die St. Moritzkapelle. Die Brüder B. und Bertram . der der Sammlung nach München. Melchior B., der sich vorzugsweise mit der altdeutschen Malerei beschäftigte, widmete sich — namentlich der Vollendung des mit Strixrner begonnenen lithographischen Werks über die Sammlung (40 Hefte, Stuttg. u. Münch. 1821 —40, 120 Blatt in Folio). Die Treue und Sorgfalt, mit der diese Blätter aus eführt, sind allgemein anerkannt. Sulpiz B., der sich insbesondere dem Studium der firchlichen Baukunst des Mittelalters vornehmlich aber des Kölner Doms gewidmet gab das Prachtwerk «Ansichten, Risse und einzelne Teile des Doms zu Köln » (Stuttg. 1822—31, 18 Blatt im größten Atlasfolio) heraus, wozu er bereits 1808—13 mit dem Architekturmaler Anton Quaglio die 16 ded ere) entworfen, in denen auf die Entwürfe des ersten Dombaumeisters zurückgegangen wurde. Die Platten dieses Werks übertrafen an Größe und Ausführung alles, was bisher im Architekturfach geliefert worden. Eine neue auf die Hälfte des ursprünglichen Auscabe verlleinerte, aber immer noch Royalfolio⸗ usgabe erschien 1842. Den Bemühungen Sulpiz B.s es vor allem zu verdanken, daß das Interesse Kei Vollendung des Kölner Doms in den weitesten Kreisen rn Muint en wurde. 4½½%• seines Aufenthalts in München gab Sulpiz B. noch ein Werk über Die Denkmale der Baukunst am Niederrhein vom 7. bis 13. Jahrh.» (Stuttg. 1831—33, 72 it franz. Ter, lätter in Folio; neue Ausgabe mit franz. Tert, 1842; mit deutschem Text, 1844) heraus. Für die Abhandlungen der Münchener AÄkademie, deren Mitglied er wurde, schrieb er cUber den Tempel des heil. Gral'» (1834) und über „Die Kaiserdalmatika in der Peterskirche zu Romp (1842). Sulpiz wurde 1835 zum bayr. Oberbaurat und zum Generalkonservator der plastischen Denkmale des Königreichs ernannt, nahm aber schon nach 1½ Jahren seine Entlassung, um anlteith und Gesundheit wegen nach dem südl. Frankreich und Italien zu gehen. Unterdessen hatte Melchior B. seit 1829 in München auch für Wiederbelebung der Glasmalerei gewirkt und unter anderm eine Reihe von Glasgemälden nach altdeutschen sowie auch nach ital. Meistern ausführen lassen, welche eine in ihrer Art einzige Sammlung bilden. Dieselbe gelangte 1845 mit beiden Brüdern nach Bonn, wohm letztere ihren Aufenthalt verlegten, um in der Nähe des kölner Dombaues zu weilen. Melchior B., schon seit 1846 durch einen Schlaganfall gelähmt, starb hier 14. Mai 1851, sein Bruder Sulpiz 2. Mai 1854. Die Bioraphie und den Briefwechsel des letztern gab seine Wiwe unter dem Titel «Sulpiz B. » (2 Bde., Stuttg. 1862) heraus.