FeedCornéêto
ErdkundeBrockhaus 1882

Cornéêto, seit 1872 offiziell Corneto-Tarquinia, Stadt und Bischofssitz in der ital. Provinz Rom, an der Marta und an der Eisenbahn Florenz-Livorno-Rom, mit (1881) 6175 E., einer got. Kathedrale und mehrern Palästen von ganz originellem, mittelalterlichem Charakter, mit Mauern und Türmen, ist bekannt wegen der vielen in seiner Umgebung ausgegrabenen Altertümer. In der Nähe lag die alte etrusk. Stadt Tarquinii, die Stadt der Tyrrhener, wahrscheinlich einst die Hauptstadt der zwölf etrusk. Bundesstädte, welche im 8. Jahrh. durch die Sarazenen zerstört wurde. Von der alten Stadt selbst sind nur sehr geringe Reste vorhanden; aber die Totenstätte, welche sich fast 5 Kmu weit auf dem Hügelrücken (i montarozzi genannt) hinzieht, ist eine der größten Merkwürdigkeiten Italiens. Die Erdhügel sind meist vergangen, die Gräber also unterirdisch und die zu ihnen führenden horizontalen Gänge erhalten. Unter den vielen bisher geöffneten Gräbern (grotte genannt) bieten mehr als zwanzig ganz besonderes Interesse; von diesen sind die wichtigsten die Grotta de' caeciatori, Grotta del triclinio, del morto, del Tifone, Querciola, del cardinale, delle iscrizioni, delle bighe, del Barone. Die meisten sind durch Wandgemälde geschmückt, auf welchen man die Kunst von dem alten, von der griech. Kunst noch unabhängigen etrusk. Stile durch die verschiedenen Entwickelungsphasen bis zu dem röm. Einflusse verfolgen kann. Die Geräte, Waffen, Vasen, Altäre, Schmucksachen u. s. w., welche sich darin vorgefunden, sind in frühern Jahren in die verschiedenen Museen gewandert; die aus vorgriech. Zeit (auch Bronze⸗ und Bernsteingegentande) tragen noch asiat. Gepräge. Die größte der zahlreichen Grabkammern mißt 5,5 qm, ist kaum mannshoch und hat vier aus dem Felsen gehauene Pfeiler, während an der Wand umher eine Bank läuft; in einer andern fanden sich 14 Sarkophage und 4 Leuchter. In C. befindet sich eine reiche Privatsammlung lokaler Altertümer, das Museo Bruschi, und das seit 1874 angelegte Nnseo etrusco municipale bereichert sich infolge der von der Stadt unternommenen Ausgrabungen von Jahr zu Jahr immer mehr. Namentlich die neueste Zeit hat reiche Ausbeute geliefert; besondern wissenschaftlichen Wert haben einige Thon- und Erzgegenstände aus sehr alter Zeit, welche in cylinderförmigen Brunnengräbern während der Ausgrabungen 1881—82 gefunden wurden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 605Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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