FeedCorsini
ReligionBrockhaus 1882

Corsini ist der Name einer der hervorragendsten florentin. Patricierfamilien, die ihren Ursprung auf den Anfang des 13. Jahrh. zurückführt. Unter den geschichtlich bekannten Persönlichkeiten, die ihr angehören, sind hervorzuheben: Andrea C., Bischof von Fiesole (geb. 1302, gest. 6. Jan. 1373), wegen seiner christl. Tugenden von Urban VIII. 1629 heilig gesprochen; Pietro C., 1361 Bischof von Florenz, als Kardinal von großem Einfluß auf das Schisma von 1378, gest. in Avignon 1405; Amerigo C., 1420 der erste Erzbischof von Florenz; Lorenzo C., welcher 1730, im Alter von 78 J., als Clemens XII. den päpstl. Stuhl bestieg und 1740 starb. Von seinen Neffen wurde der eine, Bartolommeo C., Fürst von Sismano, Vizekönig von Sicilien und unter Karl III. Conseilpräsident in Neapel, wo er 1752 starb; der andere, Neri C. (gest. 1770), Botschafter Cosmos' III. bei Gelegenheit der schwierigen Verhandlungen uber die Nachfolge in Toscana im Fall des Aussterbens der Medici, dann Kardinal und einflußreicher Minister seines Oheims. Don Tommaso, Fürst C., geb. 5. Nov. 1767, gest. 6. Jan. 1856, versah zweimal, 1818 und 1847—48, das Amt eines Senators von Rom. Sein Bruder, Don Neri, geb. 1771, gest. c1845, war zur Zeit des Direktoriums nach dem Carlettischen Zerwürfnis toscan. Gesandter in Paris, Staatsrat in der Napoleonischen Zeit, toscan. Gesandter beim Wiener Kongreß, Unterstaatssekretär unter Ferdinand III. und Leopold II. und nach Fossombronis Tode 1844 dirigierender Minister. Von Tommasos Söhnen warderälteste, Don Andrea, Fürst C., geb. 16. Juli 1804, als Herzog von Casigliano 1849 —56 toscan. Minister der auswärtigen Angelegenheiten, dann Oberkammerherr bis zur Revolution von 1859 und starb zu Rar 5. März 1868; der zweite, Don Neri, arquis von Lajatico, geb. 13. Aug. 1805, Gouverneur von Livorno und 1847 Minister der auswärtigen 2bcordter s starb 1. Dez. 1859 in London als Abgeordneter der florentin. Provisorischen Regierung, welcher er sich angeschlossen hatte. Man hat ihm in Sta.⸗Croce ein schönes Denkmal gesetzt. Sein ältester Sohn, Don Tommaso, geb. 28. Febr. 1835, Bürgermeister (Sindaco) von Florenz, ist gegenwärtig Chef der Familie. Die C. haben glänzende Paläste in Rom (einst Riario) und Florenz, mit sehr bedeutenden Gemäldesammlungen und in Rom mit reicher Bibliothek. Nom Kapellen in San-Giovanni in Laterano zu om und in Carmine zu Florenz gehören zu den schönsten in diesen Städten. Vgl. Passerini, „Genealogia e storia della famiglia C.v (Flor. 1858). acht ale (d. i. Lauf, Rennbahn) heißt in Italien nicht allein das Wettrennen der Pferde (ohne Reiter), sondern auch das reihenweise Durchfahren der Hauptstraßen einer Stadt in geschmückten Equipagen, wie es fast bei allen öffentlichen Festlichkeiten, namentlich im Karneval an den Sonntagen, am Donnerstag vor Fastnacht (Berlingaccio) und am Fastnachtdienstag stattfindet. Dieser Sitte verdanken Straßen in fast allen größern Städten Italiens den gleichen Namen. Am bekanntesten ist der C. in Rom, der 2450 mlang in gerader Linie von der Porta del Popolo bis nahezu zum Fuße des Kapitols führt. Die Straße, meist von hohen Gebäuden eingefaßt und an drei Stellen durch die Plätze San-Carlo, Colonna und Sciarra verbreitert, wird täglich zur Stunde der Promenade sehr belebt und war seit Papst Paul II. der Hauptschauplatz der Karnevalsbelustigungen. Seit neuester Zeit wird ein Teil der letztern auf der neuen Via Nazionale abgehalten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 618Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Religion 6