Barberini, berühmtes röm. Fürstengeschlecht. Dasselbe stammt aus dem Ortchen Barberino im Elsathale in Toscana, nach welchem es sich nannte, während es ursprünglich Tafani hieß. Der Dichter und Philosoph Francesco da B. (geb. 1264, gest. „der die Documenti d'amores schrieb, wird diesem Autoni zugeteilt, das früh nach Florenz kam. — Antonio B. (gest. in Florenz 1571) hatte drei Söhne, Carlo, Maffeo (geb. 1568), der 1623 unter dem Namen Urban VIII. (s. d.) Papst wurde, und Antonio (geb. 1569, gest. 1646), Kapuzinermönch und Kardinal-Bibliothekar der Kirche. Die den d. und der Glanz des Hauses wurden durch den Papst begründet, welcher während seines beinahe 21jährigen Pontifikats keine Gelegenheit vorübergehen ließ, seine Angehörigen zu begünstigen. Von den drei Söhnen seines ders Carlo wurde der älteste, Francesco (geb. 1597), 1623 Kardinal und höchst einflußreich unter der Regierung des Oheims, und starb 1679 als Dekan des Heiligen Kollegiums. Derselbe gründete unter Beistand des gelehrten Leo Allazzi von Chios die wertvolle Bibliothek, welche noch jetzt, nach mancherlei Verlusten, die an Handschriften reichste Privat-Taddeo Roms ist. Der zweite 15 fr von Carlo, addeo, General der Kirche und seit dem Aussterben der Della Rovere, Herzoge von Urbino, Präfekt von Rom, heiratete Anna Colonna von Paliano, Urenkelin des Siegers von Lepanto, und kaufte von der ältern röm. Linie der Colonna das Fürstentum hegenden (Präneste) nebst andern Besitzungen. Die steigende Macht und hochfliegenden Plane der B. erregten jedoch den Neid der Medici, Este und das det Dies veranlaßte den berüchtigten Krieg um das letztern gehörige päpstl. Lehn sn Ronciglione (1641 — 44), welcher mit Schleifun Castros und Einziehung des Lehns durch die päpstl. Kammer endigte. Unter dem auf Urban be . in Papste Innocenz X. (Pamfili) Tapdeo ie B. in arge politische Verwickelungen. Taddeo, nebst seinen Brüdern zur Flucht nach Frankreich genötigt, starb 1647 zu Paris in der u bon Cautt Antonio, dritter Sohn von Carlo B. (geb. 1608), ein unruhiger Charakter, Prunk und Turniere liebend, Förderer der Wissenschaft und lat. wie ital. Dichtung, seit 1628 Kardinal, nahm 1631, im ù b des apostolischen Stuhl' „Besitz von dem erledigten Herzogtum Urbino und erhielt von Ludwig XIII. das Protektorat über Frankreich, durch Mazarin die Würde eines Großalmoseniers und (1657) das Erzbistum Rheims. Mit Innocenz X. ausgesöhnt, kehrte er Duen it zurück und starb 4. Aug. 1671 zu Nemi. Durch ihn kamen auch die Güter der röm. Linie der Frangipani, deren letzter, Mario, ihn zum Erben einsetzte, an das Haus B. Kaum 100 Jahre nach Urbans VIII. Tode erlosch der Mannsstamm. Taddeos und Annas Enkelin, Cornelia B., seit 1728 vermählt mit Giulio Cesare Colonna, Fürsten von Carbognano (gest. 1787), dem Urenkel dessen, der Palestrina verkauft hatte, brachte diesem sämtliche Barberinische Familiengüter zu, unter Bedingung der Annahme von Namen und Wappen (drei Bienen). Eine Tochter dieser Che, Olimpia B., an den neapolit. Duca di Girifalco, Don Gennaro Caracciolo, verheiratet und 1800 gestorben, wurde durch ihr 1e misck romantisches Schicksal als Lebendigbegrabene merkwürdig. Von den Söhnen Cornelias wurde der ältere, Urban (geb. 1733), Fürst von Carbognano und Stifter der Linie Colonna di Sciarra, apanagiert, während der hand . Carlo, durch Bevorzugung der durch Urbans VIII. , Palestr zur Wahl ihres Erben berechtigten Mutter, user und die ubrigen Erbgüter erhielt und 4177 als er sich nach einem erst 1810 auf Napoleons M ausgeglichenen Prozeß mit seinem Brudersohn Maffeo (geb. 1771, gest. 23. Dez. 1849) zu mehrfachen Abtretungen an das Haus Sciarra hatte verstehen müssen, bei seinem 1819 erfolgten Tode auf seinen ältesten Sohn Francesco (geb. 5. Nov. 1772) vererbte. Letzterer starb 8. Nov. 1853 und hatte uin. N der Verzichtleistung seines ältesten Sohnes zum Nachfolger den zweiten, Don Enrico (geb. 26. März 1823), gegenwärtigen Fürsten von Palestrina, vermählt mit Teresa Orsini. Die Linie Colonna di Sciarra wird jetzt repräsentiert durch des obengenannten Maffeo gleichnamigen Sohn, geb. 10. Sept. 1850. Außer einer reizenden Villa zwischen Albano und Castel Gandolfo 9 67 die großartigen Trümmer der Domitianischen Billa in sich schließt, besitzen die B. den unter Papst Urban VIII. von den Architekten Carlo Maderno, Borromini und Bernini erbauten Palast Barberini, nach dem vatikanischen den rößten in Rom. einem Nebengebäude befand Deckengemälde im Hauptsaale des Palastes ist Pietros da Cortona bestes Werk. Die Galerie ent-Ich unter anderm Rafaels Fornarina, die angebiche Beatrice Cenci, den heil. Andrea Corsini von Guido Reni und das 7. April 1655 im Grunde des Palastes aufgefundene alte Gemälde des personifizierten Rom (Roma Dea). Von den übrigen noch immer reichen Kunstschätzen ist manches Treffliche ins Ausland verkauft worden: so der Barberinische Faun (schlafende Poll in die münchener Gl ptothek, die berühmte Portland-Vase ins Briische Museum. Die in der Bibliothek aufgestellten Altertümer wurden neuerdings durch manche interessante Gegenstände (Bronze-Ciste) aus Palestrina vermehrt. Der Palast in Palestrina, einst Burg der Colonnesen, enthält das berühmte antike Musiv mit der Darstellung Agyptens. Vgl. Reumont, »Beiträge zur ital. Geschichtes (Bd. 5, Berl. 1857).