FeedCorusa (La, spr. Corunja)
ErdkundeBrockhaus 1882

Corusa (La, spr. Corunja), befestigte Hauptstadt der span. Provinz C. an der Nordwestküste des Königreichs Galicien, zählt (1877) 33 735 E., ist Sitz des Generalkapitäns von Galicien, eines Obergerichtshofs und eines Handelsgerichts, Festung und Handelsplatz ersten Ranges und liegt sehr schön am westl. Ufer der Ria oder Bai gleiches Namens. Sie zerfällt in die obere oder alte und die untere oder neue Stadt und besitzt sechs Kirchen (namentlich die in der Mitte des 12. Jahrh. erbaute Santiago und die Sta. Maria del Campo), fünf ehemalige Klöster leins in ein Bagno mit 500 Galeerensträflingen verwandelt), zwei Spitäler, zwei Kasernen, eine nautische Schule und andere Unterrichtsanstalten. Die neue Stadt, auch Pescaderia genannt, befindet sich auf dem Isthmus der schmalen Landzunge, welche die geräumige und gegen alle Stürme gesicherte, von malerischen Granitlelsen umschlossene Hafenbai von der Ensanada de Orsan trennt, und ist regelmäßg gebaut und reinlicher als die Altstadt, die auf einer Anhöhe im östl. Teile der Landzunge liegt und, mit Mauern umgeben, von einer Citadelle verteidigt wird. Die Reede ist sicher, und der halbmondförmige Hafen, in dem 1588 die «unüberwindliche Flottes Philipps II. lag, wird durch fünf Forts 51. Uf gedeckt. Als Leuchtturm dient der am nördl. Ufer der Landzunge (etwa 2 km im NW. der Stadt) i einem Felsen stehende Herkulesturm (23 m hoch), der angeblich von Trajan erbaut wurde. C. hat einige Industrie, unter anderm die große Cigarrenfabrik, la Palloza mit mehr als 2000 Arbeiterinnen, und eine wichtige Glas5e . Außer Kolonialwaren und Häuten besteht ie Einfuhr in Lein, Wolle, Seide, Kurzwaren, Stockfischen, Thee, Bauholz, Maschinen u. s. w. Der Export umfaßt Vieh für England, hn Mehl, Obst, Wein, Sardinen, Salzfische, Schinken und andere Fleischwaren sowie Sohlenleder, Seife, Glaswaren u. s. w. C. ist durch ein täglich fahrendes Dampfschiff mit dem nordöstlich gegenüber geleenen Kriegshafen Ferrol, durch Eisenbahn mit alencia, durch Diligencen und Posten mit Madrid verbunden. Regelmäßig abgehende Dampfer ver mitteln den Verkehr mit allen Haupthäfen der span. Halbinsel, mit den 55 und dem Auslande. C. soll von den Phöniziern gegründet worden sein. Unter den Römern hieß der zum Lande der Artabri gehörige Ort Brigantium (bei Ptole mäus Flavium Brigantium), im Mittelalter Caronium. Die Stadt wurde 1598 von den Engländern erobert und verbrannt, später befestigt. Die Seeschlachten vom 14. Juni 1747, wo die Eng länder unter Anson und Warren eine reiche franz. Flotille besiegten, und vom 22. Juli 1805, wo sie unter Admiral Calder die span,franz. Flotte unter Gravina und Villeneuve schlugen, werden ge wöhnlich nach dem südwestl. Kap Finisterre benannt. Unweit C. versuchte 16. Jan. 1809 der franz. Marschall Soult vergeblich, die sich zurückziehenden Engländer unter General Moore an der Einschiffung zu hindern. Am 21. Febr. 1820 wurde zu C. vom Volke und den Truppen die Konstitution in Kraft gesetzt; allein 13. Juli 1823 eroberte nißt, sind unter K aufzusuchen. General Bourck die Höhen vor der Stadt, worauf ! die Stadt 13. Aug. kapitulierte. ö Die Provinz Corufa zählt (1877) auf 7973 qkm 595585 E.; sie ist wesentlich Gebirgsland, dessen kurze Flüsse an der ganz zerrissenen Küste münden. Der höchste Berg ist der 832 m hohe Cabo da Serpe, im SO. von C. Das Klima ist kühl und regenreich; die mittlere Temperatur beträgt 14,8 C. Der stark zerteilte Boden ist wenig 5 tbar, trägt aber ein freundliches Gemenge von äldern, Wiesen und Kulturflächen. Getreide wird zur Ausfuhr gewonnen, die Viehzucht ist blühend; [! Fischerei und Schiffahrt beschäftigen zahlreiche Menschen. Die mineralische Produktion it gering. Die Industrie befaßt sich mit Einsalzen der Fische, Schiffsproviant⸗, Glas⸗, Fayence⸗ und Lederfabrikation; man fabriziert Leinen, Tabak, Hüte, sehr viel Tauwerk, Eisen⸗ und Kupferwaren (zu Jubia besteht auch eine Kupfermünze), Maschinen u. s. w. Den Handel begünstigen ausgezeichnete Häfen. Der Nationaldialekt ähnelt mehr dem Portugiesischen als dem Spanischen. (S. Galicien.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 621Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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