FeedCoulisse
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Coulisse (frz., eigentlich Falz, Rinne, worin sch etwas auf⸗ und abschiebt, daher Coulissentis soviel wie Ausziehtisch) bezeichnet an der pariser und wiener Fonds⸗ und Aktienbörse eine besondere Klasse der an den Geschäften dieser Börse Beteiligten nach den ursprünglich coulissenähnlichen Seitenräumen, worin sie sich aufhalten. In Paris wurde früher die Gesamtheit der außerhalb des sog. Parkets (der den Mäklern vorbehaltene Platz) unterhandelnden Mäkler und der mit ihnen verkehrenden Spekulanten so genannt, die betreffenden unberechtigten Mäkler Coulissiers (auch wohl marrons, courtiers marrons), die durch diese vermittelten Operationen Coulissengeschäfte, eine Bezeichnung, welche auch wohl den ohne Dazwischentritt eines Mäklers unmittelbar zwischen den Parteien verhandelten Geschäften gegeben wird. Der Verkehr der pariser Coulissiers wurde 1801 verboten, blieb aber geduldet, und obwohl man ihn 1859 wiederum untersagte, besteht eine Art C. immer noch. In Wien bildet die Gemeinsamkeit der Börsenagenten und der Spekulanten die C., welche an der Börse einen besondern Versamm2½½ (den sog. Schranken) hat. oulisse (frz. Coulisse, coulisseau, von couler, fließen oder gleiten; engl. connecting-link, slot, channel), bei Dampfmaschinen, besonders Lokomotiven (s. d.), eine Vorrichtung, durch welche der Expansionsgrad des Dampfes mit Hilfe von Exeenter und Schieber verändert wird. (S. Dampfmaschinen.) Auch bezeichnet man im Maschinenbau mit C. eine Rinne, die der geradlinigen Bewegung irgend eines Maschinenteils zur Führung dient; bei Wassermotoren (s. d.), besonders rückschlägigen Wasserrädern, eine Vorrichtung, um bei veränderlichem Wasserzufluß zu bewirken, daß das Wasser in der ordnungsmäßigen Weise zu den Radzellen gelangt; der Tischlerei der Falz, in welchem sich ein 197 men bewegt, auch der in einem Falz bewegliche Schiebeladen u. s. w. Coulissen (frz.), im Bühnenwesen Bezeichnung für die in gewisser Entfernung hintereinander aufgestellten Schiebewände, welche die Seitendekoration der Bühne und in den Zwis Zugänge für die Darstellenden abgeben. Malerei und Aufstellung der C. müssen perspektivisch sein, die C. einander decken, was besonders durch Aufstellung in schräger Linie bewirkt wird. Der Architekt Serlio brachte in Vicenza um 1532 zuerst C. an, um eine bessere Beleuchtung möglich zu machen, doch erfolgte ihre allgemeinere Einführung erst durch Bibbiena (genannt Galli) gegen Ende des 17. Jahrh. Die Bewegung der C. geschieht vom Untenraume der Bühne aus, die zu diesem Zwecke kanalartig an den betreffenden Stellen durchbrochen ist. Das griech. Theater besaß schon eine den C. ähnliche Vorrichtung in den Periakten. In neuerer Zeit. ist man teilweise nach dem Vorgange der pariser Theater wieder zu den geschlossenen, den Panoramatheatern, für Zimmerdekoration zurückgekehrt, wobei die C. feste Seitenwände bilden. Coulmiers, Dorf mit 391 E. im franz. Depart. Loiret, 21 km westnordwestlich von Orleans an der Straße nach Le Mans, wurde historisch durch das Treffen bei C., in welchem 9. Nov. 1870 General von der Tann mit dem 1. bayr. Armeekorps und der 2. Kavalleriedivision (zusammen 145⁰⁰ 1⁵⁴ 4500 Reiter, 100 Geschütze stark) von der an Zahl weit überlegenen (70000 Mann) mißt, sind unter K aufzusuchen. Ersten Loire-Armee unter General Aurelle de Paladines zum Rückzuge genötigt wurde, nachdem er am Tage und in der Nacht vorher Orléans geräumt. Der Kampf währte sieben Stunden und wurde mit etle Hartnäckigkeit geführt; die numerische Überlegenheit der Franzesen gestattete denselben, beide Flügel der deutschen Stellung zu umfassen. Gegen 5 Uhr wurde der Rückzug nach dem 7 km nordwestlich gelegenen St.⸗Péravie und Artenay angetreten; der Feind verfolgte nicht. Am Morgen des 10. Nov. wurde der Rückmarsch bis Toury fortgesetzt, wo man in Verbindung trat mit der 22. Infanterie⸗ und 4. Kavalleriedivision. Von hier aus nahmen die Deutschen, nachdem am 13. Nov. auch noch die Division des Großherzogs von Mecklenburg eingetroffen war, bereits 17. Nov. die Offensive wieder auf. Im Treffen bei C. verloren die Bayern 51 Offiziere, 1257 Mann, die Franzosen nach eigener Angabe 1500 Mann.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 638Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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