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Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Crawford und Balcarres (Alexander William Crawförd Lindsay, Graf von), engl. Schriftsteller, Sohn von Iimes Crawford, dem 24. Grafen von Crawford und 9. Grafen von Balcarres, wurde 16. Okt. 1812 geboren. Bis zum Tode seines Vaters im J. 1869 als Lord Lindsay bekannt, besuchte er Eton und Trinity-College, Cambridge, wo er 1833 als Master of Arts graduierte, unternahm dann die große Tour, als deren Frucht 1838 seine Letters on Egypt, Edom and the Holy Lando (2 Bde.) erschienen, und widmete sich, der Politik völlig entsagend, einer ausschließlich schriftstellerischen Thätigkeit. Im J. 1844 erschien von ihm: A letter to a friend on the evidence and theory of Christianityo, 1846 YProgression by antagonism, a theory involving considerations touching the present duties and destiny of Great Britaino, 1847 4Sketches of the history of Christian arth (3 Bde.), 1849 cThe lives of the Lindsayso, ein ausführliches genea4 5529310 Werk' über seine eigene Familie (4 Bde.); 1861 4Scepticism, a retrogressive movement in theology and philosophy, as contrasted with the Church of England, catholic at once and protestant, stable and progressiveo, 1862 4On the theory of the English hexametero, 1870 &Oecumenicity in relation to the Church of Englando, 1872 KEtruscan inscriptions analysed translated and commented uponoꝰ. Im J. 1874 rüstete C. auf eigene Kosten eine Expedition nach Mauritius aus zur Beobachtung des Durchgangs der Venus; 1876 machte er im Argo or the quest of the Golden Fleeces, einem Epos in zehn Büchern, den Versuch, auch als Dichter Lorbeeren zu gewinnen. Während seiner letzten Lebensjahre war er mit umfassenden Studien zu einer vergleichenden Geschichte der Religionen des Altertums beschäftigt, die unter dem Titel The Religion of Noaho erscheinen sollte, aber unvollendet blieb. C. sammelte auch eine wertvolle Bibliothek, die besonders reich ist an Inkunabeln und seltenen, meist orient. Manuskripten. Er starb 13. Dez. 1880 in Florenz, wurde dort sorgfältig einbalsamiert und in der Familiengruft auf seinem Landsitze Dunecht bei Aberdeen begraben. Großes Aufsehen erregte die Entwendung seiner Leiche im Mai 1881, um so mehr, als lange Zeit alle Bemühungen, dieselbe aufzufinden, vergeblich blieben. Erst im Juli 1882 wurde sie, infolge der Angaben eines Mannes, der bei ihrer zweiten geheimnisvollen Beerdigung im Walde von Dunecht als unfreiwilliger Zeuge zugegen gewesen, entdeckt und von neuem in der Familiengruft beigesetzt. Die wahren Motive des Leichenraubes sind noch unaufgeklärt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 662Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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