Crédit foncier (frz.), Bodenkredit, Bodenkreditbank, s. unter Banken. Orédit mobilier ist eine häufig gebrauchte Bezeichnung für Finanzgesellschaften, deren Geschäftsbetrieb sich hauptsächlich auf Aktien und Staatspapiere bezieht, indem sie sich an Gründungen von Aktiengesellschaften beteiligen, die neuen Unternehmungen wenigstens in der ersten Zeit durch Kreditgewährung unterstützen, die Emission von Anleihen übernehmen, an der Börse Papiere kaufen und verkaufen (eitgeschäfte sind meistens durch die Statuten verboten), Reportgeschäfte machen u. s. w. Der Name stammt ursprünglich von der für diese Institute typisch gewordenen Société générale du crédit mobiliero, die w1852 in Paris von den Brüdern Pereire gegründet wurde. Dieselbe sollte ein Seitenstück zu dem Crédit fonciero bilden und zugleich eine von den Pereires bereits in ihrer Saint-Simonistischen Periode angeregte Idee verwirklichen. Wie nämlich die Bodenkreditanstalt Pfandbriefe ausgibt, die durch von ihr erworbene Hypotheken gedeckt sind, so sollte die neue Mobiliarkreditanstalt Obligationen emittieren, deren Deckung in den von ihr in gleichem Betrage angekauften Aktien und Staatspapieren bestehen würde. Die Kursschwankungen der letztern, meinte man, würden sich in der Gesamtmasse wenigstens größtenteils ausgleichen, und das Publikum werde daher die Obligationen den durch dieselben repräsentierten Papieren vorziehen, weil die erstern mehr Sicherheit darböten und auch noch eine besondere Garantie in dem sehr hoch gegriffenen Gesellschaftskapital (60 Mill. Frs.) besäßen. Nach den Statuten sollte der Betrag der Obligationen im ganzen bis auf das Zehnfache des Aktienkapitals, also auf 600 Mill. gebracht werden dürfen. Diese Grundidee des Crédit mobilier, deren praktische Unhaltbarkeit sich leicht nachweisen läßt, ist jedoch, trotz mehrerer Anläufe, gar nicht zur Ausführung gekommen, namentlich infolge der Bedenken der Regierung. Die Gesellschaft verlegte sich daher ausschließlich auf gewöhnliche Gründungs⸗- und Börsengeschäfte, und es elang ihr als Führerin einer tollen Agiotage zur eit ihres größten Erfolgs (1855) eine Jahresdividende von im ganzen 40, Proz. zu verteilen. Jedoch schon 1857 trat ein gewaltiger Rückschlag ein, und nachdem die Jahre 1862 und 1863 wieder einen nicht nachhaltigen Aufschwung Internehs trat 1866 ein fast gänzlicher Verfall des Unternehmens ein, der durch eine Kapitalverdoppelung eher noch verschlimmert wurde. Die Aktien (zu 500 Frs.), die Anfang 1866 noch auf 880 gestanden hatten, waren im Okt. 1867 auf 140 gesunken. Die Pereires zogen sich jetzt von der Leitung der Gesellschaft zurück, sedoch wurden sie und die übrigen Verwaltungsräte in einen Prozeß verwickelt, der nicht zu ihren Gunsten ausfiel. Die Gesellschaft wurde dann so gut es ging rekonstituiert und führte seitdem ein ziemlich bescheidenes Dasein. In der pariser Schwindelperiode von 1881 trat ein anderes Institut derselben Klasse hervor, nahm aber im Jan. 1882 einen noch kläglichern Ausgang. —* Deutschland wurden namentlich in der Mitte der funfziger Jahre zahlreiche Gesellschaften dieser Art gegründet, und zwar nicht nur in großen Städten wie Wien und Leipzig, sondern auch in Darmstadt, Dessau, Meiningen, Coburg, Luxemburg u. s. w. Sie führten meistens den Namen Kreditanstalten, und einige wenigstens haben sich mit nachhaltigem Erfolge behauptet. Auch die Gründungsperiode von 1871 bis 1872 rief viele solche Institute ins Leben, von denen aber manche bald in unrühmlicher Weise wieder endeten. Vgl. Aycord, Mistoire du Crédit mobiliero (Par. 1867).