Creizenach (Michael), hervorragender jüd. Gelehrter, geb. 16. Mai 1789 in Mainz, ergriff die Laufbahn eines Rabbiners und war bemüht, sich die allgemeine deutsche Bildung anzueignen, mit welcher damals die Juden jener Gegend fast gar keine Berührung hatten. Zugleich war sein Streben Daruuf gerichtet, das jüd. Gemeindeleben aus seiner starren Abgeschlossenheit von dem nationalen Leben zu befreien. In Mainz, wo er hauptsächlich durch Unterricht an einer von ihm begründeten Privatschule Herten Unterhalt erwarb, fand er weniger Gelegenheit, für diese Idee zu wirken; ein weiteres fruchtbareres Arbeitsfeld eröffnete sich ihm, als er 1825 einen Ruf als Lehrer und Prediger an die israel. Realschule in Frankfurt a. M. erhielt. Hier hat er im Verein mit gleichgesinnten Kollegen, besonders dem jüd. Historiker Jost durch Wort und Schrift für seine Ideen weithin gewirkt und sich gegen die Angriffe der Anhänger des altorthodoxen Judentums in umfängliche Streitschriften verteidigt. Unter C.s theol. Schriften verdient vor allem Erwähnung der „Schulchan Aruch (d. h. angerichteter Tisch) oder Encyklopäd, Darstellung des mosaischen Gesetzes, wie es durch die rabbin. Satzungen sich ausgebildet hat, mit Hinweisung auf die Reformen, welche durch die Zeit nützlich und möglich geworden sindo (4 Bde., Frankf. 1833 —40). C. starb 5. Aug. 1842. ö