Derenbourg (Joseph), namhafter Orientalist auf dem Gebiete der jüd.⸗rabbinischen und arab. Litteratur, geb. zu Mainz 21. Aug. 1811, erhielt von seinem Vater, H. Derenburg, dem väterlichen Großvater von Heinrich und Friedrich Dernburg (s. d.), den ersten Unterricht in der hebr. Sprache. Da er sich zum Rabbinatsfach vorbereiten wollte, besuchte er die Talmudschule und das Gymnasium zu Mainz, studierte auf den Universitäten von Gießen und Bonn, wo er namentlich Freitag hörte, und promovierte 1834 auf ersterer Hochschule. Er nahm in einer reichen jüd. Familie zu Amsterdam eine Lehrerstelle an, ging jedoch 1839 nach Paris, wo er zuerst unter Et. Quatremère, Reinaud, Caussin de Perceval und Burnouf Persisch, Arabisch und Sanskrit hörte, dann sich aber mit großem Erfolge dem Erziehungsfache widmete, indem er eine, unter seinen Nachfolgern noch blühende höhere Schule für Knaben jüd. Konfession gründete. Seit 1852 allgemeiner, seit 1856 durch J. Mohls Empfehlung besonderer Korrektor der orient. Publikationen, machte er sich für die Ausgaben orient. Schriftsteller verdient, und nahm 1864, nachdem er seine Lehranstalt abgetreten hatte, seine wissenschaftlichen Studien mit voller Hingebung wieder auf. Er hatte schon 1846 die Fabeln des Lokman herausgegeben und später mit Reinaud zusammen die Makamen des Hariri (Séances de Hariris, Par. 1847—58), auch an Abr. Geigers «Zeitschrift für jüd. Theologier mitgearbeitet; 1867 veröffentlichte er sein Hauptwerk: Essai de I'histoire et de géographie de la Palestine, nach dem Talmud und den andern rabbinischen Quellen. Hierauf wurde er Mitglied des Instituts, wo er als Nachfolger Caussin de Percevals in die Akademie der Inschriften am 22. Dez. 1871 aufgenommen wurde. Die politischen Schwierigkeiten, die damals die Wahl eines Deutschen unmöglich machten, wurden durch den Umstand beseitigt, daß D. als Franzose geboren war, weil 1811 Mainz der Hauptort des franz. Departements des Donnersbergs war. Im J. 1876 wurde er mit dem Lehrstuhl der talmudischen Wissenschaften an der Ecole pratique des hautes études betraut. Trotz seines Alters liefert er noch wertvolle Beiträge in dem Journal asiatiqued und andern Journalen, sowie er die Herausgabe der himjaritischen Texte in dem „Corpus inscriptionum semiticarumo übernommen hat.