FeedCremer (Camille)
GeschichteBrockhaus 1882

Cremer (Camille), franz. General, ie. 6. Aug. 1840 zu Saargemünd, trat 1857 in die Militärschule von St.⸗Cyr, nahm als Zuavenlieutenant am mexik. Feldzuge unter Bazaine teil und wurde als Kapitän bei Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 Adiutant des Brigadegenerals Clinchant. Als solcher nahm er an den Schlachten von Colombey —Nouilly, Vionville —Mars-la-Tour, Gravelotte — St.⸗Privat, Noisseville, sowie an den Gefechten während der Einschließung von Metz teil, wurde infolge der Kapitulation vom 27. Okt. 1870 kriegsgefangen, aber gegen schriftlichen Revers (vom 31. Okt. 1870), während des Kriegs nicht mehr gegen Deutschland Kriegsdienst Wort un u. s. w., freigelassen. Er brach jedoch ein ort und stellte sich in Tours Gambetta zur Verfugung, welcher ihn mit dem Range eines Diviionsgenerals an die Spitze der Region des Ostens tellte. Seine Truppen bestanden größtenteils aus obilgarden; außerdem waren auch einige Abteilungen Franctireurs und vier Departementalbatterien neuer Formation dem Korps, welches im ganzen gegen 15000 Mann mit 20 Geschützen zählte, zugeteilt. Die Infanterie war durchweg mit Spencer⸗ und Chassepotgewehren bewaffnet. Als 27. Nov. General von Werder in der Nähe von Dijon bei Pasques die Nachhut des Garibaldis chen Freikorps mit großem Verluste geschlagen hatte und danach den General von Glümer mit 8 Bataillonen, 6 Schwadronen und 5 Batterien über Longwie und Epernay gegen C. entsendete, besetzte dieser die taktisch starke Stellung westlich von Nuits (. d.), fiel 3. 1 die bad. Brigade des Generals Keller auf dem Marsche von Autun nach Dijon unerschrocken an, wurde aber 18. Dez. bei Dijon (s. d.) von General von Werder nach 3½ stündigem Gefecht geschlagen. Bei dem fluchtartigen Rückzuge löste sich Cis Korps fast vollständig auf, wurde aber später bei Besancon wieder organisiert, der Ostarmee (Bourbaki)' unterstellt und nahm an der Lisaine-Schlacht (15. bis 18. Jan. 1871) teil. Als die Ostarmee zum übertritt nach der Schweiz genötigt war, ließ C. seine Geschütze vernageln, und entkam an der Spitze seiner Kavallerie nach dem südl. Frankreich, während der Rest seines Korps bei Pontarlier die Grenze überschritt. Am 18. März 1871, bei Ausbruch des Commune-Aufstandes, traf C. in Paris ein, lehnte das ihm angetragene Oberkommando über die Streitkräfte der Insurrektion ab und bewirkte die Freilassung des in die Gewalt der Communards geratenen Generals Chanzy. Nachdem ihm von der Kommission zur Prüfung der Grade nur der Rang eines Bataillonskommandanten zuerkannt worden war, nahm C. seinen Abschied. Er starb 2. April 1876 in Belleville. Vgl. „L'invasion dans I'Est. Le général C.v. (Par. 18710. Eremer (Christoph Joseph), Journalist und Mitglied des preuß. bgeordnetenhauses, geb. 15. Juli 1840 zu Bonn, besuchte die Remigiusschule und später das königl. Gymnasium seiner Vaterstadt, brachte dann ein Jahr im bischöfl. Knabenseminar zu Fulda zu und machte sein Maturitätseramen am Gymnasium 9. Münstereifel. Von 1861 bis 1864 hörte er an der bonner Universität Vorlesungen über Philosophie, Philologie, Geschichte und Kunst, trat 1864 in die Redaction der klerikalen Kölner Blätter» (Kölnische Vollszeitunge) und übernahm später die 1555 1 der Kölnischen Handelszeitung. Im J. 1866 ehrte mißt, sind unter K aufzusuchen. er auf die Universität Bonn zurück, um Medizin zu studieren, und ging 1868 nach Paris, wo er sich mit naturwissenschaftlichen und geschichtlichen Studien und journalistischen Arbeiten für deutsche Blätter beschäftigte. Im J. 1870 nach Deutschland zurückgekehrt, übernahm er die Redaetion des ⸗Westfäl. Merkur» und trat 1871 in die Redaction der Germaniay in Berlin über, in der er bis Ende 1875 blieb. Während dieser Zeit machte er nach dem Ausbruch des Karlistenaufstandes (Herbst 1874) eine Reise nach Spanien, um die Zustände im Karlistenlager persönlich kennen zu lernen. Im J. 1875 wurde er im zweiten kölner Wahlkreise zum Mitgliede des Abgeordnetenhauses gewählt und schloß sich der Centrumsfraktion an, von der er sich jedoch, da er stets mit Wärme den nationalkonservativen Standpunkt vertrat, in manchen Fragen trennte. Nach einem vorübergehenden lufenthalte in Würzburg, wo er vom März bis Okt. 1877 die „Bavariap redigierte, siedelte er dauernd nach Berlin über und stellte sich die 6at abe, durch eine energische Agitation die Herrschaft er Fortschrittspartei in der Hauptstadt zu brechen. Zu diesem Zwecke verbündete er sich mit allen antidie utim hen Elementen, und da dieses Vorgehen ie Zustimmung der Führer des Centrums nicht fand, so löste er seine Verbindung mit letzterm gänzli und trat bei den Abgeordnetenwahlen 1882 als Kandidat der Konservativen auf, von denen er auch im Wahlkreise Teltow-Charlottenburg gewählt wurde. Von seinen Schriften sind zu erwähnen; Aus dem Karlistenlagerv (Berl. 1875), Die polit. und soziale Bedeutung der vatikanischen Definition vom unfehlbaren Lehramte des röm. Papsteso (Krefeld 1876) und «Europa, Rußland und die orient. Frager (Berl. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 667Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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