FeedCrucisix
ReligionBrockhaus 1882

Crucisix (mittellat. oruciixum) heißt das Bild des an das Kreuz gehefteten Heilands, eine Darstellung, die erst im Laufe des 6. und 7. Jahrh. auftritt, wenn auch das Kreuz selbst als christl. Symbol schon weit früher in Gebrauch war. Der Übergang vom Kreuz zum C. wird dadurch gebildet, daß man zuerst das Lamm am Fuße, sodann das Brustbild Christi an der Spitze oder in der Mitte des Kreuzes anbrachte. Der Gekreuzigte selbst erscheint zuerst in einer Miniature des syr. Cvangeliars vom J. 586 in der Laurenzianischen Bibliothek zu Florenz und auf dem Pektoralkreuze von Monza, welches Papst Gregor d. Gr. en sol, 604) der Königin Theodolinde geschenkt haben soll, mißt, sind unter K aufzusuchen. in Deutschland aber zu Anfang des 8. Jahrh. an einem Reliquienschrein zu Emmerich. Von nun e an wird das C. in Gemälden, in den Miniaturen der Handschriften, in Elfenbeintafeln, in plastischen 1 Arbeiten aus Holz, Stein, Metall u. s. w. allge⸗ 5 mein. Der Erlöser ist aber hier noch nicht als der Gemarterte und Sterbende, sondern als der Erhobene aufgefaßt. Er hängt nicht am Holze, sondern she vor demselben auf einem Fußbrette (s. vorstehende Axr 1) mit ausgebreiteten Armen, als wollte x er nach Art der Alten beten oder liebend die Welt umfängen. Gegen das Ende der roman. Kunst, im 12. Jahrh., tritt erst das Bild des am Kreuze hängenden Heilands auf, der zuerst mit vier, dann mit drei Nägeln (mit einem Nagel durch beide ! Fuße) . Maada ist. Es kommen Maria und Joannes, Magdalena, Kriegsknechte, Engel hinzu. Auf frühern Elfenbeintafeln sieht man häufig Sonne und Mond als menschliche Gesichter, halb verhüllt, was die Verfinsterung bedeutet. In der griech. Kirche verschwand das C. später; ein platt rich den Altar gelegtes, nicht über demselben errichtetes Kreuz trat an die Stelle. Von der röm.⸗ kath. Kirche hat nach der Reformation nur die luth. Konfession, nicht aber die reformierte das C. angenommen. Von den Zeiten der Renaissance an ist der gekreuzigte Christus ein überaus häufiger egenstand der Elfenbein⸗ und Holzschnitzerei und folgt in idealer oder naturalistischer Behandlung dem Stile der Zeit (Fig. 2). Vgl. Piper, über den christl. Bilderkreis » (Berl. 1852); Grüneisen in Herzogs «Real-Encyklopädie für prot. Theoloie v(Bd. 3, Gotha 1854); Stockbauer, Kunstgeshichte des Kreuzesv (Schaffh. 1870). Erueiger oder Creuziger, Creutzinger (Kaspar), ein treuer Gehilfe Luthers, stammte aus einer mähr. Familie, welche während der Hussitenkriege nach Sachsen auswanderte, wurde 1. Jan. 1504 zu Leipzig geboren und ward schon 1519 durch die Leipziger Disputation Luther Er studierte seit 1521 zu Wittenber heologie, ing 1524 als Rektor der neubegründeten Stadtchule nach Magdeburg, kehrte aber schon 1528 als rediger an der Schloßkirche und Professor, anfangs in der philosophischen, seit 1533 in der theol. Fakultät nach Wittenberg zurück. Seitdem diente er mit Treue und Eifer dem Werke der Reformation, vor allem als akademischer Lehrer und als Mitarbeiter Luthers an der Bibelübersetzung. Auch nahm C. teil am Marburger Religionsgespräch 1529), an der Wittenberger Concordie (1536), am age zu Schmalkalden (1537), an den Religionsgesprächen zu Hagenau, zu Worms (1540), zu Reensburg (1541) und leitete die Einführung der eformation zu Leipzig (1539). V den letzten Jahren seines Lebens litt er nicht bloß unter zunehmender Kränklichkeit und unter den Unruhen des Schmalkaldischen Kriegs, sondern weit mehr noch unter den m wegen des Interim und unter den Anfeindungen, welche die mildere Melanchthonische Richtung von den strengen Lutheranern erfuhr. Er starb 16. Nov. 1548. C. veröffentlichte eine Reihe von Reden, Abhandlungen und exegetischen Schriften. Vgl. Pressel, „Cruciger» (Elberf. 1862). — Sein Sohn, Kaspar C., geb. 19. März 1525, ward 1557 Professor in der philos. akultät, 1561 der Nachfolger Kanthons zu Wittenberg. Als Anhänger Melanchthons ward er in den kryptocalvinistischen Streitigkeiten 1574 ins Gefängnis geworfen, 1576 aus den sächs. Landen verbannt, aber vom Landgrafen Wilhelm IV. nach Kassel berufen, wo er 16. April 1597 als Pfarrer und Vorsitzender des Konsistoriums starb. — Sein Sohn, Georg C., geb. 24. Sept. 1575, wirkte als Lehrer des Landgrafen Moritz, der 1604 zur reform. Kirche übertrat, dann als Professor der Philosophie, später der Theologie zu Marburg, wo er 8. Juli 1637 starb. Er vertrat Hessen auf der Dordrechter Synode (1618) und stimmte hier gegen die Verdammung der Arminianer.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 692Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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