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ReligionBrockhaus 1882

Cyrillus, Apostel der Slawen, mit weltlichem Namen Konstantin (der erstere ist der kurz vor dem Tode angenommene Mönchsname), stammte aus Thessalonich, wo sein Vater ein angesehener Beamter war, und wurde 827 geboren. Durch hervorragende Begabung ausgezeichnet, wurde er zum Gelehrtenstande bestimmt und erhielt seine Ausbildung namentlich durch den Patriarchen Photius in Konstantinopel. Dort erwarb er sich durch ben 4ã0 samkeit den Beinamen des Philosophen und bekleidete auch eine Zeit lang einen Lehrstuhl der Philosophie, trat aber bald von der weltlichen Laufbahn in die kirchliche über. Auch sein Bruder Methodius hatte die priesterliche Laufbahn eingeschlagen, und beide Brüder machten zusammen eine sehr erfolgreiche Missionsreise zu den Chasaren (s. d.). Als 863 eine Aufforderung des mähr. Fürsten Rastislav an den Kaiser Michael III. kam, ihm Lehrer u senden, die sein Volk in ihrer Muttersprache (der flawischen) im Christentum unterweisen könnten, wählte dieser zu diesem Zwecke die beiden Brüder C. und Methodius. Als Eingeborene von Thessalonich, welches schon damals von slaw. Bevölkerung (Bulgaren) umgeben war, waren sie der slaw. Sprache kundig, und C. erfand für dieselbe wahrscheinlich schon vor dem Antritt der Reise eine Schrift. Es ist indes nicht ganz sicher, ob die noch heutzutage bei den Slawen griech. Ritus gebräuchliche sog. Cyrillische Schrift (s. Kirchenslawisch), die von der griechischen abgeleitet ist, C.' Werk ist, und nicht vielmehr die sog. glagolitische (s. Glagolica). Von 864 bis 867 wirkten die beiden Apostelbrüder vereint in Mähren, hielten den Gottesdienst in slaw. Sprache und übersetzten die Dohelgeschi Bücher, namentlich die Evangelien, Apostelgeschichte mit den Briefen und den Psalter. Als übersetzer scheint namentlich C. thätig gewesen zu sein, und er gilt daher auch als der +r0— und Begründer der slaw. Litteratur, zunächst der sog. kirchenslawischen (auch altslowenisch oder altbulgarisch genannt). In Mähren gerieten die Brüder in Streit mit den deutschen Priestern, die von Salzburg aus in den westl. Slawenländern schon früher Missionsthätigkeit geübt Papst Zur Schlichtung der Streitigkeiten berief apst Nikolaus I. die Brüder 867 nach Rom; auf der Reise 1. 0 berührten sie das Gebiet des pannonischslowen. Fürsten el und fanden dort viele Anhänger, sodaß die Bekehrungsthätigkeit sich über zwei slaw. Stämme, Mähren und Slowenen, erstreckte. C. erkrankte in Rom und starb 14. Iaue 869. Methodie Bestätigung des Privilegiums, zum Gottesdienst die slaw. Sprache zu gebrauchen, und ward zum Bischof von Mähren und Pannonien ernannt. Methodius war mit s einen Schülern bis zu seinem Tode in diesen Gebieten thätig; seine Schüler, die slaw. Priester, wurden aber kurz darauf von Rastislavs Nachfolger Svatopluk vertrieben, und damit verschwand auch die bach⸗ Liturgie aus diesen Gegenden. Vgl. Wattenbach, «Beiträge zur Geschichte der christl. Kirche in Mähren und Böhmen» (Wien 1849); Ginzel, «Geschichte der Slawenapostel C. und Methodo (Leitmeritz 1857); Dümmler und Miklosich, Die Legende vom heiligen C.y (Wien 1870); Miklosich, «Vita S. Methodiio (Bonn 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 743Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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