FeedCzerny (Georg Petrowitsch)
GeschichteBrockhaus 1882

Czerny (Georg Petrowitsch), wegen seiner gebräunten Gesichtsfarbe auch Karadjordje, d. i. schwarzer Georg, genannt, heldenmütiger Befreier und erster Fürst von Serbien, wurde 21. Dez. 1766 zu Wischewtzi im Kragujewatzer Kreise in Serbien von armen Eltern geboren. Um den Grausamkeiten ihres türk. Grundherrnzu entgehen, siedelte seine Familie nach Topola über, wo sich C. mit dem Ackerbau beschäftigte. Vor dem Ausbruche des österr.⸗türk. Kriegs 1787 flüchtete C. mit seiner Familie nach osterreich, wo er in das von Michajlowitsch geworbene Serbenfreikorps eintrat und sich aufs vorteilhafteste auszeichnete. Nach dem Frieden von Sistowa (1791) ging er wieder nach Osterreich, trat als Feldwebel aus der Armee und wurde Wald-Ipet. des Klosters Kruschedol. Nach einiger Zeit ehrte C. nach Topola zurück und ward bald ein angesehener und reicher Viehhändler. Als 1801 nach der Ermordung des s Bred un Veziers Hadschi-Mustai-Pascha in Belgrad durch Mchrrre türk. Spahis die Serben beim Sultan Klage wider die Greuelherrschaft der Spahis führten, entschlossen sich die Spahis aus Furcht vor einer Intervention des Sultans zur Ermordung der angesehensten Männer im Lande. Am 4. Febr. 1804 fielen zu Waljewo die ersten Opfer. Unter den Proskribierten befand sich auch C., welcher nur durch die schleunigste Flucht das Leben rettete. In der Nacht des 12. Febr. 1804 von einer Versammlung von 300 Volksabgeordneten in Oraschatz zum Oberhaupt gewählt, rief C. die Nation zu den Waffen und säuberte in den J. 1804 und 1805 das ganze Land, bis auf das stark befestigte Belgrad, von den Türken. C. suchte nach diesen Erfolgen seine Stellung als Diktator-Fürst zu behaupten, aber die serb. Aristokraten (Knesen) sahen dadurch ihre Macht bedroht und stellten unter dem Einflusse Rußlands der Volksversammlung, mit welcher C. regieren wollte, 1895 einen Senat von 12 Mitgliedern entgegen. Inmitten der innern Zwiste, die durch die Einsetzung dieser olichargischen Oberbehörde ausbrachen, fielen Ende 1806 die Türken aufs neue ins Land und brachten den Serben zwei Niederlagen bei. Da wurde C. durch den Sieg am Mischarsko-Polje und die Eroberung von Belgrad abermals der Retter Treiben fort, sodaß sich C. endlich veranlaßt sah, mißt, sind unter Tsch aufzusuchen. den Senat auseinander zu treiben. Doch konnte C. nicht — daß die Knesen durch Beschluß vom 23. Mai 1807 Serbien unter das Protektorat Rußlands stellten. Als im J. 1809 die Feindseligkeiten zwischen Rußland und der Türkei abermals ausbrachen, dran C. siegreich nach Bosnien ein, sah sich aber nach der Niederlage, welche ein anderes serb. Heer bei Kamenitza erlitten hatte, nunmehr selbst genötigt, im Interesse des Landes bei den Russen Hilfe zu suchen. Nachdem er von dem Kommandanten der russ. Donau-Armee auf der ISerenn inen von 1810 als «Oberfeldherr von Serbien » offiziell anerkannt worden, reinigte C. in kurzer Zeit das Land von den Türken und ließ sich auf der Volksversammlung von 1811 aufs neue zum alleinigen Kriegs-Lehrie ernennen, während der inzwischen zurückgeehrte Senat die Leitung der Civilangelegenheiten erhielt. Die Türken, von den Russen hart bedrängt, boten C. die Fürstenwürde an unter der Bedingung, Frieden zu halten, er wies aber diesen Antrag zurück in der Hoffnung, daß die Russen das Interesse der Serben wahren würden. Aber die Invasion Naoleons in Rußland bewog den Zaren ünre Friedensschluß mit der Pforte, welcher in Bukarest im Mai 1812 unterschrieben und wobei Serbien zum Opfer gebracht wurde. C. ließ sich nun mit den Türken in Verhandlungen ein, welche diese in die Länge zogen, bis sie zum Kampfe gehörig vorbereitet waren. Im Juni 1813 rückten die Türken in Serbien ein und schlugen die Serben entscheidend bei Deligrad. Hierauf ging C. 3. Okt. 1813 nach Osterreich über und wurde von da aus nach Chotim in Bessarabien interniert. Die Türken hausten blutig in Serbien, bis es Milosch Obrenowitsch 1815 gelang, das Land zu retten und sich zum Oberherrn zu machen. C. kehrte im Juli 1817 mit einem die ganze Balkanhalbinsel umfassenden hellenisch-slaw. Revolutionsplane nach Serbien zurück und hielt sich unweit Semendria verborgen, von wo aus er mit Milosch verhandelte. An den Pascha von Belgrad verraten, wurde C. 27. Juli 1817 bei Semendria meuchlings ermordet. Sein Kopf wurde nach Konstantinopel gesandt und sein Körper später in der Kirche von opola beigesetzt. Eine Charakteristik C.s gab L. von Ranke in «Die serb. Revolutiono (Hamb. 1829). Als 1842 Milosch durch eine Revolution gestürzt ward, erhielt C.s zweiter Sohn, Alexander Karagiorgjewitsch Czerny, die Fürstenwürde. ehemaliger Fürst von Serbien, Sohn des vorigen, wurde 11. Okt. (29. Sept.) 1806 in Topola geboren und trat, nachdem er seinem Vater in die Verbannung gefolgt, in russ. Dienste, später wurde er Adjutant des Fürsten Michael Obrenowitsch. Infolge der Absetzung der Dynastie Obrenowitsch 1842 zum Fürsten gewählt, zeigte er sich als ein an Charakter ebenso wie an Thatkraft unbedeutender Reent. Unter ihm wurden zwar die Hochschule zu Belgrad, Gymnasien in den wichtigern Kreisstädten, die belgrader Militärakademie, die Kanonengießerei von Kragujewatz, die Musterwirtschaft von Topdjidere u. s. w. gegründet, das Justizwesen geregelt und zahlreiche, namentlich nach österr. Mustern verfaßte Gesetze erlassen, welche allmählich Serbien aus einem türk. Vasallenstaat in einen modernen Rechtsstaat umschufen. Doch überließ C. die Initiative hierzu den Fachmännern. Die Partei der Obrenowitsch wußte eine stete Aufregung zu erhalten, durch welche C. sich dergestalt gefährdet fühlte, daß er sich, um sich zu behaupten, Osterreich und der Pforte in einer das Nationalgefühl verletzenden Weise nachgiebig zeigte. Sogar seine Beteiligung an dem Aufstande der Südslawen gegen die Magyaren (1848) wurde ese nicht als eine Bethätigung slaw. Volksinteresses, sondern als eine Nachgiebigkeit dande den wiener Hof ausgelegt. Der Einfluß Rußlands im Verein mit den Wühlereien der gestürzten Dynastie Obrenowitsch untergruben seine Stellung. Der öffentlichen Meinung nachgebend, berief er eine Wentüutadfeingen welche 11. Dez. 1858 zusammentrat und seine Abdankung verlangte. Der Fürst flüchtete auf die Festung zu Belgrad in türk. Schutz, worauf die Versammlung seine Absetzung aussprach. C. begab sich nunmehr auf österr. Gebiet, um in Pest seinen Wohnsitz zu nehmen, während der 81jährige Fürst Milosch Obrenowitsch aufs neue den serb. Thron bestieg, den er 1860 auf seinen Sohn Michael vererbte. Obgleich in Serbien ohne alle Sympathien, suchte C. sich doch des Throns wieder zu bemächtigen. Einer revolutionären Partei, welche für Herstellung seiner Dynastie zu arbeiten vorgab und bei seiner ehrgeizigen Gemahlin Unterstützung fand, gelang es, ihn wiederholt zu Unternehmungegen den regierenden Fürsten zu bewegen. achdem 1864 ein solches Komplott vereitelt worden, gelang bei einem abermaligen Versuche im J. 1868 die Ermordung welchenrfe nicht aber der beabsichtigte Umsturz, welchen jenes Verbrechen einleiten sollte. Die unmittelbaren Thäter wurden nebst den in Belgrad anwesenden Verschworenen ergriffen und von ihnen 15 am schwersten Kompromittierte zum Tode, der Erfürst C. selbst aber in contumaciam zu 20jähriger Gefängnisstrafe verurteilt. Das Stadtgericht zu Pest nahm 1870 die Verhandlung wieder auf und sprach C. in erster Instanz wegen mangelnder Beweises frei. Der Prozeß gelangte hierauf an die zweite Instanz, welche C. im Jan. 1871 zu acht, die Mitangeklagten Trifkowitsch und Strankowitsch zu vier Jahren schwerem Kerker verurteilte. *

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 756Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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