FeedCzartoryski (Adam Georg, Fürst)
GeschichteBrockhaus 1882

Czartoryski (Adam Georg, Fürst), ältester Sohn des Fürsten Adam Kasimir C., geb. 14. Jan. 1770, erhielt eine häusliche Erziehung und vollendete seine Bildung auf der Universität Edinburgh und zu London. Schon im Freiheitskampfe Kosciuszkos zeigte er sich tapfer. Nach der Teilung Polens im J. 1795 wurde er nebst seinem Bruder Konstantin auf Katharinas II. Befehl als Geisel nach Petersburg geschickt. Dort fühlte sich der junge Großfürst Alexander, dem C. als Adjutant beigegeben war, 11. dessen männlichen und feurigen Charakter so mächtig angezogen, daß er eine vertraute Freundschaft mit ihm knüpfte. C. ward Botschafter am sardin. Hofe. Nachdem Alexander den Thron bestiegen, rief ihn derselbe sogleich zurück und ernannte ihn zum Minister des Auswärtigen sowie zum Kurator aller Lehranstalten in Polen. Am 11. April 1805 unterzeichnete C. im Namen Rußlands das Bündnis mit Großbritannien. Er bat hierauf um seine Entlassung, war jedoch schon in der Schlacht von Austerlitz wieder an Alexanders Seite, wie er denn auch im Feldzuge 1807 des Kaisers beständiger Begleiter blieb. Als aber nach dem Tilsiter Frieden der Graf Romanzow an die Stelle des Freiherrn von Budberg, der C.s unmittelbarer Nachfolger im Ministerium des Auswärtigen geworden, getreten war, zog er sich fast ganz von allen Geschäften zurück. Nach dem Ausbruch des Kriegs von 1812 war er wieder in der Umgebung Alexanders, den er auch 1814 MSDie begleitete. Dann befand er sich auf dem Wiener 114 und entwarf den Plan zur konstitutionellen Verfassung des unter russ. Oberhoheit neu zu errichtenden Königreichs Polen. Dessenungeachtet wurde Zajonczek zum Statthalter in Polen, C. aber nur zum Wojwoden und Mitgliede des Administrationsrats ernannt. Im J. 1817 vermählte sich C. mit der jungen und eistreichen Prinzessin Anna Sapieha. Dem ersten eichstage wohnte er als Mitglied der Senatorenkammer bei und sprach mit Freimütigkeit von den Vorteilen konstitutioneller Verfassungen. Bald sah er indes alle seine Hoffnungen schwinden. Es wurden gegen die Unterrichtsanstalten, deren Kurator er war, Untersuchungen eingeleitet, welche einen so gehässigen Verlauf nahmen, daß C. sein Kuratoramt niederlegte. Seitdem lebte er den Wissenschaften auf seinem Stammsitze Pulawy. Nach dem Ausbruche der poln. Revolution von 1830 war seine Thätigkeit wieder dem Dienste des Vaterlandes gewidmet. Zum Präsidenten der Provisorischen Regierung ernannt, berief er den Reichstag auf den 18. Dez. 1830. Am 30. Jan. 1831 zum Vorsitz der Nationalregierung berufen, brachte er über die Hälfte seines Vermögens dem nißt, sind unter Tsch aufzu suchen. Vaterlande zum Opfer. Nach den Greuelthaten des 15. und 16. Aug. 1831, als Krukowiecki zum Diktator gewählt wurde, legte C. seine Stelle als Senatspräsident nieder und trat in das Korps des Generals Romarino ein, mit dem er nach Ssterreich überging. Darauf begab er sich nach Paris, fortwährend für seine heimatlosen Landsleute uneigennützig wirkend, doch als Aristokrat und zukünftiger König von Polen von der demokratischen Partei der poln. Emigranten oft heftig angefeindet. Von der Amnestie von 1831 wurde C. ausgeschlossen; auch unterlagen seine Güter im Königreiche Polen der Konfiskation. Infolge des poln. Aufstandes von 1846 verfielen außerdem seine galiz. Besitzungen, die Herrschaften Bukaczowee, Kalwaryia, Jaroslaw, Oleszyce und Sieniawa, der Sequestration seitens Osterreichs, die aber im Frühjahr 1848 wieder aufgehoben wurde. Im März 1848 forderte er von Paris aus in einer franz. Proklamation die Vertreter Deutschlands auf, sich mit den Vertretern Frankreichs 0 vereinigen, um die Herstellung Polens zu verlangen. C. starb 16. Juli 1861 zu Montfermeuil bei Paris. Seiner Ehe mit der Prinzessin Anna Sapieha entstammten drei Kinder: 1) Witold, geb. 6. Juni 1824, trat in span. Dienste und starb 14. Nov. 1865 zu Algier; 2) Wla dislaw, geb. 3. Juli 1828, vermählt in erster Ehe mit der Prinzessin Marie Amparo, Tochter der Königin Marie Christine von Spanien, und nach dem 19. Aug. 1864 erfolgten Tode der letztern in zweiter Ehe (seit 15. Jan. 1872) mit Margarethe Adelaide, Prinzessin von Orléans, Tochter des Herzogs von Nemours, gegenwärtig das Haupt seiner Familie und der aristokratischen Partei der Emigranten, wohnt abwechselnd in Paris und auf seinen Gütern in Galizien und hat in Krakau eine große poln. Bibliothek und ein poln. Museum gegründet; 3) die Prinzessin Isabella, geb. 19. Dez. 1832, Witwe des Grafen Johann Dzialynski.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 748Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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