FeedChlopicki (Joseph)
GeschichteBrockhaus 1882

Chlopicki (Joseph), einer der ausgezeichnetsten poln. Generale und Diktator im Königreich Polen während der Revolution von 1830, geb. in Galizien 24. März 1771, stammte aus einer adeligen Familie, trat 1787 in Kriegsdienste, zeichnete sich 1794 im Treffen bei Raclawice aus und wurde Adjutant beim General Rymkiewicz. Nach der Erstürmung von Praga (1794) folgte C. 1797 dem Aufrufe des Generals Dombrowski zur Errichtung eines poln. Korps für franz. Dienste und kämpfte in dieser Stellung ruhmvoll während des Kriegs von 1799 — 1801 in Italien. Als 1806 Dombrowski die Polen zur Unterstützung Napoleons zu den Waffen rief, folgte auch C. dem Rufe, ward Oberst und zeichnete sich 1807 bei Eylau und Friedland aus. Dann zog er nach Spanien, wo er von 1808 bis 1811 einen glänzenden Anteil am Kriege nahm (seit 1809 als Brigadegeneral), bis gegen Ende 1811 Napoleon die Polen zur Teilnahme am Feldzuge gegen Rußland zurückrief. C. focht bei Smolensk und wurde in der Schlacht an der Moskwa schwer verwundet. Nach seiner Herstellung folgte er zunächst wieder Napoleon, nahm aber infolge einer Zurücksetzung seinen Abschied und lebte zu Paris, als die Verbündeten einzogen. Er kehrte 1814 nach Polen zurück und ward vom Kaiser Alexander zum Divisionsgeneral ernannt. Der Großfürst Konstantin beleidigte ihn jedoch bei einer Heerschau, und er nahm deshalb wieder den Abschied. Als zu Warschau die Revolution in der Nacht vom 29. zum 30. Nov. 1830 zum Ausbruch kam, hielt er sich zunächst zurück, trat indes später dem Administrationsrate bei und übernahm 5. Dez. auf dem Marsfelde die Diktatur. Sein Hauptbestreben ging dahin, der Anarchie, deren Keime er schon in der Provisorischen Regierung erblickte, entgegenzuwirken und eine Vermittelung mit dem Kaiser herbeizuführen auf der Basis sicherer Garantie für Beobachtung der Konstitution. Seine Strenge fand jedoch bald lauten Tadel, und da er seinen Zweifel am Siege der Revolution kaum verhehlte, so beschloß der Patriotische Verein, ihn zur Rechenschaft zu Dirtan Dies bewog C., am 23. Jan. 1831 die Diktatur niederzulegen. Um aber seine vaterländische er n2 desto unzweideutiger zu beweisen, trat er zu Anfang Februar als Soldat in die Reihen der Kämpfer. In der mörderischen Schlacht bei Wawre am 19., bei Grochow am 20. Febr. unterstützte er den Befehlshaber durch seine Kriegserfahrung und feuerte das Heer durch sein Beispiel zur Tapferkeit an. Bei dem berühmten Kampfe um das Erlenwäldchen wurde er durch eine Granate schwer verwundet und mußte vom Schlachtfelde weggetragen werden. Zur Wiederherstellung seiner Gesundheit ging er 10. März nach Krakau, wo er in Zurückgezogenheit lebte und 30. Sept. 1854 starb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 319Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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