FeedDamiat
GeschichteBrockhaus 1882

Damiat, s. Damiette. Damiens (Rob. Frangois), bekannt durch den Mordversuch an Ludwig XV., geb. 1714 im Dorfe Tieuloy bei Arras, stammte von armen Eltern und zeigte schon in seiner Jugend einen bösen Charakter, sodaß man ihm den Zunamen Robert le diable gab. Nachdem er mehrfach bald als Soldat, bald als Bedienter in der Hauptstadt gedient, einen seiner Herren vergiftet, einen andern bestohlen hatte, flüchtete er 1756 nach Arras, von da über Dunkirchen nach Belgien, wo er überall polit. Fanatismus und auch den Entschluß zu seiner blutigen That an den Tag legte. Schon zu Ende des Jahres kehrte er unter fremdem Namen nach Paris zurück. Die Maßregeln des Hofs gegen das Parlament machten besonders tiefen Eindruck auf ihn, sodaß er einen Anschlag auf das Leben des Königs fest beschloß. Am 4. Jan. 1757 begab er sich nach en Palat, verfügte sich am andern Morgen vor den Palast, wartete auf den König den ganzen Tag hindurch und versetzte demselben, als dieser ausfahren wollte, inmitten der Höflinge in die rechte Seite einen Messerstich. D. hätte entfliehen können; allein ruhig ließ er sich verhaften. Um weitere Aufklärungen und das Geständnis über etwaige Mitschuldige zu erhalten, leitete der Siegelbewahrer Machault ein Verfahren gegen den Verbrecher ein, das ebenso furchtbar wie die blutige That selbst war. Obschon es den Richtern nicht gelang, auf den Grund des Verbrechens zu kommen, so bildete sich doch die Ansicht, daß die Jesuiten D. zu diesem Mordversuche angefeuert. Am 28. März wurde D. vom Parlament zum qualvollen Tode verurteilt, worauf sofort die Hinrichtung auf dem Gröveplatze begann. Nachdem er auf alle ersinnliche Weise gemartert worden war, riß man ihn mit vier Pferden in Stücke; doch mußten zuvor die Sehnen durchschnitten werden. Die Stücke des Körpers wurden verbrannt, das Haus, in welchem D. geboren, niedergerissen und die Familie desselben unter Androhung des Todes aus Frankreich verbannt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 797Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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