Dampfbad nennt man die Anfeuchtung und Erwärmung des gesamten Körpers oder einzelner Teile desselben durch Dämpfe des erhitzten Wassers. Das Wirksame des D. ist demnach feuchte Wärme, und dieses r nicht zu verwechseln mit dem heißen Luftbade der Orientalen. (S. Bad.) Außer dem Dampfe werden jedoch in den Dampfbade-Anstalten noch mancherlei andere Mittel, besonders kaltes und warmes Wasser, Reiben, Bürsten, Peitschen u. s. w. in Anwendung gebracht. Diese Art zu baden ist zu uns aus Rußland gekommen (daher der Name Russisches D.); doch sind Dampfbäder ver-Müttelalt Art sowohl in Mitteleuropa während des ittelalters (als Schwitzbäder in Schwitzstuben) als auch im Orient, sowie bei vielen wilden, besonders amerik. Völkern (z. B. in Mexiko) seit alten Zeiten in Gebrauch. Das 17.Der Dr des deutschen D. besteht in Folgendem. Der Baderaum ist ein geschlossenes, mit heißen Dämpfen angefülltes Zimmer, an dessen Seiten sich mehrere terrassenförmige Aucgenhe (Stufen) befinden, um dem Badenden Gelegenheit zu geben, sich bald in einer höhern, bald in einer gemäßigten Temperatur aufzuhalten. Die Wasserdämpfe erzeugt man entweder durch Aufgießen von Wasser 529 3 Bade-Steine (welche zugleich eine Heizung des Baderaums unterhalten) oder mittels eines Dampfkessels. Außerdem befinden sich im Baderaume noch Gefäße mit kaltem, lauem und warmem Wasser, Vorrichtungen zu kalten und lauen Regenbädern, u Begießungen und zur Kaltwasser⸗ und Dampfdouche. Die Temperatur steigt auf jeder der Estraden WDudennn um einige Grade, und in den meisten adeanstalten kann man aus einer Wärme von 30° R. am Boden des Zimniers bis in eine von 50 hinaufsteigen. Der Körper wird, sobald er gehörig durchhitzt, mit kaltem Wasser übergossen oder in die kalte Wanne eingetaucht und dann aufs neue der Einwirkung der Dämpfe ausgesetzt, worauf dann der Schweiß um so kräftiger hervorbricht. Die Haut wird, sobald sie gehörig aufgelockert, durch sanftes Reiben und Bürsten mit Seifenschaum gereinigt und abgeschilfert, sodann durch Peitschen mit Birkenruthen gereizt, um desto ergiebiger zu schwitzen. Die Länge der Zeit, welche man im Bade zubringt, wird durch den besondern Zustand des Badenden und sein Wohlbehagen dabei bestimmt; ebenso die Menge und Dauer der Abkühlungen. Am Schlusse des Bades kühlt man entweder sofort (auf russ. Art) kräftig und andauernd den ganzen Körper ab, um dann das Bad erfrischt zu verlassen. Diese Methode eignet sich besonders für Gesunde. Oder man legt sich (nach deutscher Art, welche besonders für Patienten paßt) auf ein Lager, wo man, dicht in wollene Decken eingewickelt, noch ½ bis 1 Stunde nachschwitzt. Hierauf begibt man sich wieder auf kurze Zeit in den heißen Dampf, bloß um die Haut weniger empfänglich für die Kälte zu machen, und kühlt sich endlich ebenfalls gehörig ab. Unterläßt man letzteres, so bleibt bedeutende Disposition zur Erkältung im Körper zurück, und man darf dann nicht wagen, an demselben Tage wieder ins Freie zu gehen. Das D. ist ein treffliches diätetisches Anfrischungsmittel für kräftige, gesunde Personen und, in gehörigen Zwischenräumen gebraucht, ein Schutzmittel für solche, welche Anlagen zu Erkältungen, Rheumatismen und Katarrhen haben. Es dient ferner als wichtiges, den Stoffwechsel zeitweilig erhöhendes und die Hautthätigkeit stark anregendes Heilmittel bei manchen chronischen Ausschlägen und Geschwüren; ferner bei langwierigen Rheumatismen (rheumatischen Nervenschmerzen, Lähmungen und Kontrakturen), bei Krankheiten der Schleimhäute, besonders in den Schling- und Atmungswegen, auch denen des Gehörorgans; bei Arzneivergiftun-Ich z. B. Merkurialkrankheit nach Syphilis; endich bei manchen Nervenübeln (Zahn- und Gesichtsschmerzen, Hüftweh u. dgl.). Auch alte Entzündungsprodukte, z. B. sogenannte kalte Geschwülste, Gelenkanschwellungen zerteilen sich im D., besonders unter Mithilfe der Douchen und der Massage (s. d.). Gefährlich ist das D. für Personen, die zu Schlag- oder Stickfluß geneigt sind, die brüchige Adern oder organische Herzfehler haben, die schwächlich und zu Ohnmacht oder Krämpfen (besonders Fallsucht) geneigt sind, sowie für Fieberkranke. Das D. sollte daher nicht ohne ärztlichen Rat gebraucht werden. rtliche Dampfbäder werden zu Heilzwecken auf verschiedene Körperteile angewendet, mit oder ohne Zusatz arzneikräftiger Stoffe, z. B. des Weingeistes, der ätherischen Sle, namentlich des flüchtigen Ols der frisch getochten Kiefernadeln, welches eine sehr starke und nachhaltige Hautreizung hervorruft. So läßt man dergleichen aus einem Trichter oder besondern, einer Theemaschine ähnlichen Apparaten, die mit kochendem Wasser oder Thee von Flieder, Kamille u. s. w. gefüllt sind, in die Mund-oder Nasenhöhle einziehen, in den Gehörgang einströmen, oder, in brennendheißer Temperatur, als Dampfdouche auf schmerzende Teile streichen, oder aus besondern Sitzbädern nach den Sitz⸗ und Iwäßbawerkzeugen emporsteigen. Die alten Schwitz bäder sind dampferfüllte Kästen, welche den ganzen Körper aufnehmen, am Hals dicht anschließen und so den Kopf freilassen. An ihre Stelle traten verschiedene ähnliche Apparate, z. B. der Rapousche, der Hempelsche, teils ebenfalls Kästen, teils Betten (Ricklis „Bettdampfbadio), in denen der Patient, horizontal liegend, bis an den Hals im Dampfe steckt. Solche „Zimmer-Dampfbad-Apparatev oder Dampfkästen, unter andern von E. Lipowsky in Heidelberg verfertigt, werden zu Kiefernadel- und Kräuterdampfbädern benutzt; bei ihnen steht außerhalb des Kastens, der den Körper des Kranken mit Ausschluß des Kopfes aufnimmt, der mit Spiritus geheizte Dampferzeugungskessel mit den nötigen Zuleitungsröhren. In mehrern Solbädern (3. B. zu Achselmannstein, Arnstadt, Ischl, Kösen) finden sich Vorrichtungen zu Soldampfbädern, wo entweder der beim Versieden des Salzes entweichende Dampf oberhalb der Sudpfannen benutzt wird, oder der Soldunst durch Einleitung von gewöhnlichem Wasserdunst erwärmt wird;: letztere Methode, bei der die Dunsträume den Kopf des Patienten zu umschließen pflegen, ist die zweckmäßigere und wird namentlich bei Rheumatismus und Gicht angewendet. In einigen mitteleurop. Thermen (3. B. in Baden bei Wien, Baden im Aargau, Aachen) werden die heißen Dämpfe der Quelle als D. benutzt. Schließlich gibt es namentlich in Italien natürliche Dampf⸗ und Schwitzbäder (die «Stufes in Ischia), wo die aus der Erde entweichenden Wasserdämpfe und vulkanischen Gasströme kurgemäß gebraucht werden; vor allem machte großes Aufsehen die Grotte von Monsummano (s.d.). — D. nennt man auch die Anwendung von Dampf zum Erhitzen einer Flüssigkeit, ohne daß derselbe mit letzterer in direkte Berührung kommt, gewöhnlich unter Benutzung eines Kessels, zwischen dessen Doppelwände der Dampf geleitet wird. (S. Abdampfen.)