Dannecker (Joh. Heinr. von), einer der ausgezeichnetsten neuern Bildhauer, geb. zu Waldenbuch im Oberamte Stuttgart 15. Okt. 1758, Sohn eines Stallbedienten, wurde seit 1771 durch die Gunst des Herzogs Karl von Württemberg in der Militärakademie erzogen, wo er sich für die Bildhauerkunst entschied und mit Schiller die innigste Freundschaft schloß. Als er 1780 die Akademie verließ, erhielt er vom Herzog die Bestallung als Hofbildhauer und drei Jahre später die Vergünstigung, nach Paris zu reisen, wo er an Pajou einen treuen Lehrer fand, jedoch mehr mit dem Studium der Natur als dem der antiken Formen sich beschäftigte. Er ging 1785 nach Rom, wo ihn Canova in seinen Studien vielfach unterstützte und er mit Goethe und Herder in persönliche Berührung kam. Nach seiner Rückkehr ins Vaterland 1790 ernannte e der Herzog Karl zum Professor der bildenden Künste an der Karlsakademie. Das erste Werk, das er hier im Modell ausführte, war ein Mädchen, das um einen Vogel weint. Vorzugsweise beschäftigten ihn jedoch damals Privataufträge des Herzogs. Erst 1796 begann er wieder in Marmor zu arbeiten, unter anderm eine Sappho (jetzt in Monrepos) und zwei Opferdienerinnen in Gips (in der Favorite zu Ludwigsburg). Nachdem er 1804 das Grabmal des Grafen Zeppelin in Marmor ausgeführt (im Park zu Ludwigsburg), trat er besonders als Porträteur auf. Schon früher hatte er die Büsten des Herzogs Friedrich Eugen und seiner Gemahlin gefertigt. Jetzt arbeitete er eine Büste des Erzherzogs Karl in carrarischem Marmor nach dem Leben. Von Schiller lieferte er drei Büsten: die erste in Stuttgart 1797 nach der Natur, in Lebensgröße; eine zweite kolossale, in carrarischem Marmor, zur Zierde für sein Atelier; die dritte für den damaligen Kronprinzen Ludwig von Bayern. Für denselben arbeitete er später die Büsten Glucks und Friedrichs des Siegreichen, und für den Großherzog Karl Ludwig von Baden die Büste seines Vorgängers und Großvaters, des Hpenbefahgr Karl Friedrich. Nach manchen Zwischenbeschäftigungen begann er 1809 seine Ariadne, als Bacchusbraut auf dem Panther reitend (im Besitze des Hrn. von Bethmann in Frankfurt a. M., s. Tafel: Bildnerei VI, Fi 9). Für König Friedrich von Württemberg bildete er eine Statue des Amor mit gesenktem Pfeil und Bogen. Der Wunsch des engl. Generals Murray, eine Wiederholung des Werks zu besitzen, veranlaßte ihn 1814 zur ½ der Psyche, die er später für König Wilhelm J. von Württemberg wieder-Arhet Außerdem 1 Wute zu seinen gelungensten rbeiten die beiden Büsten des Königs Friedrich von Württemberg, die sprechend ähnliche Büste Lavaters, die des Prinzen Paul von Württemberg, die der Großherzogin Stephanie von Baden, die drei Büsten der Königin Katharina von Württemberg, sowie die des Königs Wilhelm von Württemberg und des russ. Generals Freiherrn von Benkendorff. Sein Hauptwerk aber, das acht Jahre lang ausschließend das Herz, die Phantasie und das Studium des Künstlers in Anspruch nahm, ist sein Christus. In Marmor wurde dieses Werk für die Kaiserin Maria Feodorowna von Rußland gearbeitet und 1824 vollendet, ein zweites Exemplar 1831 für den Fürsten von Thurn und Taxis in Regensburg seiiichet Von der größten Bedeutung in dem künstlerischen Leben und Wirken Dis blieb seine Freundschaft mit Heinr. Rapp, dessen Schwester die erste Gattin des Künstlers war. Mit diesem gründlich gebildeten Kunstfreunde pflegte er jedes neue Werk zu beraten und mit künstlerischem Takte sich aus den wissenschaftlichen Kenntnissen des Freundes zu ergänzen. Nachdem D. seine letzten Jahre mit geschwächten Geisteskräften, aber in milder Ruhe verlebt, starb er 8. Dez. 1841 zu Stuttgart. Als Bildhauer steht D. zwischen Canova und Thorwaldsen mitteninne; er nahm zuerst und am glücklichsten die von jenem ausgegangene Anregung auf und bildete sie in sinniger Weise, mit zartem Naturverständnis und auch technischem Fleiße fort. Val. Grüneisen und Wagner, (Dis Werke in einer Auswahl; mit einem Lebensabriß (Hamb. 1841).