Dualis, abgekürzt Dual (vom lat. duo, zwei), heißt in der Grammatik diejenige Form des Nomens, Pronomens oder Zeitworts, durch welche man die Zweiheit der Gegenstände, Personen u. s. w., oder daß eine Handlung von Zweien ausgeführt werde, bezeichnet. Die Dualform geht in der weitern Entwickelung der Sprachen häufig verloren und wird dann durch den Plural ersetzt. Die indogerman. Sprachen besaßen ursprünglich einen vollständig durchgebildeten Dual, und die ältern Formen derselben zeigen ihn durchweg, so das Sanskrit und Iranische, das Altgriechische, das Slawische (von den slaw. Sprachen besitzt ihn z. B. das Lausitzisch-Wendische bis auf den heutigen Tag), das Litauische. Von den german. Sprachen hat nur das Gotische den D., aber bloß am persönlichen Fürwort der ersten und zweiten Person und am Zeitwort in größerer Ausdehnung erhalten, die andern german. Dialekte zeigen nur einzelne Reste desselben; ein solcher ist z. B. das bayr.⸗österr. enker, «euero, eigentlich ceuer beidero. Das Lateinische hat ihn nur in den beiden Worten duo und ambo bewahrt, die eben den Begriff des D. selbst, zwei, bezeichnen. Auch andere Sprachstämme haben den Dual, so das Semitische, aber ebenfalls in verschiedener Erhaltung: während das Altarabische ihn vollständiger besitzt, braucht das Hebräische ihn fast nur noch bei paarweise verbundenen Gegenständen (Hände, Augen). Vgl. W. von Humboldt, «liber den Duals (Berl. 1828).