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GeschichteBrockhaus 1882

David, der zweite König des israel. Reichs, dessen glorreiche Regierung den Juden bis in die späteste Zeit als das Ideal des theokratischen Königtums erschien, war der jüngste Sohn Isais, eines angesehenen Mannes zu Bethlehem im Stamme Juda. Von König Saul wegen seiner Tapferkeit und seines Kriegsglücks mit Ehren überhäuft und zu seinem Eidam erhoben, ward er bald der LiebEling Samuels und der Priesterpartei, welche ihre Abneigung gegen das neugegründete Königtum noch nicht aufgegeben hatte und es wenigstens ganz ihren Interessen dienstbar zu machen wünschte. Des Jüng⸗ ö lings Kriegsruhm und das Gefühl eigener Unzulänglichkeit weckten das Mißtrauen Sauls, das sich bald zur Schwermut steigerte und zur Verfolgung Davids trieb. D. floh vorübergehend zu den Philistäern und führte dann mit kriegerisch organisierten Freischaren ein Freibeuterleben auf dem Gebirge Judas und in dessen Umgegend wider die Feinde seines Volks. Noch bei Lebzeiten Sauls hatte ihn Samuel zum Könige Israels gesalbt. Nach dem unglücklichen Tode Sauls in der Schlacht gegen die Philistäer bestieg er wirklich den Thron von Juda, während sich die übrigen Stämme um den rechtmäßigen Thronerben Jsboseth scharten. Erst mehrere Jahre nachher kam D. an das Ziel seiner Wünsche. Isboseth ward von zwei Hauptleuten, welche sich den Dank Dos zu verdienen hofften, ermordet, worauf dann auch die übrigen Stämme D. als König anerkannten. In einer langen, glänzenden Regierung (1075 —35 v. Chr.) begründete er durch zahlreiche glückliche Kämpfe gegen die Nachbarstämme die Größe des Jsraelitischen Reichs, unterwarf die Jebusiter, einen Rest der alten Kanaaniter mitten in Jsrael, die Moabiter, Ammoniter und Edomiter im Südosten Palästinas und wies die Angriffe der Philistäer im Südwesten, der Könige von Syrien (Zoba) und Damascus im Norden des Landes siegreich zurück. Das Reich Israel erstreckte sich nach diesen Kriegsthaten von Damascus bis zum Alanitischen Meerbusen, vom Euphrat bis zur Grenze Agyptens. Nach innen war seine Politik auf Befestigung der königl. Gewalt, im engsten Anschlusse an die theokratischen Formen, gerichtet. Er machte die Stadt der Jebusiter, seitdem Jerusalem genannt, zur Residenz, baute sich auf Zion einen Palast und erhob die neue Königsstadt zugleich durch Verlegung des Nationalheiligtums nach Jerusalem zum Mittelpunkt des Kultus. Saul war ein Heerkönig mit sehr beschränkten Rechten in Friedenszeiten gewesen: D. richtete sich ganz auf dem Fuß eines orient. Despoten ein, stattete die Krone mit reichem Grundbesitz aus und sicherte sie durch ein stehendes Heer, dessen Kern aus den kriegerischen Freischaren seines frühern Wüstenlebens bestand, während er eine persönliche Leibwache aus fremden Soldtruppen bildete. Seiner Widersacher wußte er sich unter Umständen durch Grausamkeit und Hinterlist zu entledigen. Eine allgemeine Volkszählung und die Einsetzung von Satrapen über die einzelnen Stammgebiete diente dem Zwecke, sich der Gesamtkraft der Nation erfolgreich zu versichern und den königl. Willen in allen Teilen des Reichs gleichmäßig zum Vollzug zu bringen. Der Aufwand des Hofs war im Vergleich mit andern orient. Staaten noch mäßig; doch fehlte auch ein Harem nicht. Die gewöhnliche Fee dieser Haremswirtschaft, Palastintriguen und gegenseistige Eifersucht der verschiedenen Frauen und ihrer Söhne, blieb auch dem Davidschen Königtum nicht erspart. Der älteste Sohn Ammon ward von Absalom, weil er die leibliche Schwester desselben entehrt hatte, ermordet; Absalom selbst zettelte eine Verschwörung gegen seinen Vater an und vertrieb ihn aus Jerusalem, wurde aber von D.s Heer besiegt und vom Feldhauptmann Joab erstochen; damit fand die Empörung ihr Ende. Aber noch ein zweiter Aufruhr, von einem Benjaminiten angeregt, mußte mit Hilfe des Stammes Juda niedergeschlagen werden. Als D. aufs Sterbelager sank, wußte sein Weib Bathseba ihm die Erhebung ihres auch von der theokratischen Partei begünstigten Sohnes Salomo zum Thronfolger abzuschmeicheln; die Schilderhebung Adonias, des rechtmäßigen Kronerben, schlug fehl. Ein Kind seines Volks und seiner Zeit, gab D. sterbend dem Salomo den Auftrag, an einer Anzahl von persönlichen Feinden, denen er selbst Schonung verheißen, nach seinem Tode Rache zu üben. Gleichwohl darf seinem Charakter edler Hochsinn und tiefe Frömmigkeit nicht abgesprochen werden. Wenn die spätere Überlieferung den Dzum Dichter vieler Psalmen machte, so rührt wenigstens eine Anzahl von lyrischen üm her weltlicher und religiöser Art wirklich von ihm her, und er darf daher als der Begründer der heiligen Psalmenpoesie Israels angesehen werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 910Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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