Dawison (Bogumil), ausgezeichneter deutscher Schauspieler, geb. 15. Mai 1818 zu Warschau als der Sohn israel. Eltern, besuchte das Lyceum seiner Vaterstadt, war dann als Kopist im Redactionsbureau der warschauer Gazetav thätig, bis es ihm durch unermüdlichen Fleiß gelang, sich die Kenntnis der deutschen und franz. Spra e anzueignen und er der Redaction als übersetzer hilfreich zur Hand gehen konnte. Doch die Neigung des Autodidakten wandte sich der Bühne zu; er besuchte die Theaterschule zu Warschau und debütierte 1837 auf dem dortigen poln. Theater und zog mit dem Direktor einer poln. Truppe nach Wilna, wo er zwei Jahre lang erste Rollen aus den verschiedensten Fächern spielte. Von hier an das Theater zu Lemberg berufen, wurde er vom Grafen Skrobek zum Regisseur ernannt. Doch sein Ehrgeiz war von den hier errungenen Erfolgen unbefriedigt; sein Studium der deutschen Litteratur hatte ihm eine geistig reischere Welt eröffnet: er faßte den Entschluß, deutscher Schauspieler zu werden, und machte, unterstützt vom Grafen Skrobek, eine Studienreise nach Berlin, Dresden, München und Paris. Am 9. Aug. 1841 trat er zum ersten mal in Bauernfelds Lustspiel Das letzte Abenteuero auf der deutschen Bühne in Lemberg auf. Der gelungene Versuch regte zu weitern Studien an. D. Laude⸗ ohne der poln. Bühne untreu zu werden, Laubes Monaldeschi, den Ferdinand in Kabale und Liebe v und mehrere andere Hauptrollen deutscher Dramen. Im J. 1846 faßte er den Entschluß, sich ausschließlich der deutschen Bühne zu widmen, und begab sich auf gut Glück nach Deutschland, um ein Engagement zu suchen. In Breslau, Stettin und andern Orten abgewiesen, gelang es ihm endlich 1847, durch Vermittelung Louis Schneiders in Berlin, am hamburger Thaliatheater eine feste Stellung zu finden. Doch erst als sich ihm das klassische Repertoire erschloß, das von jener Bühne ausgeschlossen war, konnte sich die ganze Bedeutsamkeit seiner Begabung entfalten. Einem Rufe Holbeins an das wiener Burgtheater folgend, betrat er 17. Okt. 1849 zum ersten mal die dortige Bühne, wo er nach sechs Rollen engagiert wurde und namentlich in Shakspeareschen Dramen, als Antonius in Julius Cäsaro, als Hamlet und Richard III. höhern Aufgaben würdig und erfolgreich nachstrebte. Doch nicht Wien, in dessen künstlerische Traditionen die Eigenartigkeit seines Talents nicht recht hineinpassen wollte, sondern erst Dresden, wo er 5. Juli 1852 zum ersten mal auftrat, und München, wo er 1853 gastierte, wurden der eigentliche Ausgangspunkt seines Ruhms. Sein Engagement in Dresden währte bis 1864; zahlreiche Gastspiele, darunter in Berlin 1855 und 1856, unterbrachen seine künstlerische Wirksamkeit, in welcher er nicht nur sein klassisches Repertoire vervollständigte, sondern auch die Werke neuerer Dichter: Laubes, Gutzkows, Gottschalls, Brachvogels u. s. w., durch geniales Spiel der Hauptrollen auf der Bühne einbürgerte. D. gab 1864 sein Engagement in Dresden auf, unternahm eine längere Gastspielreise, wurde aber 1869 geisteskrank und blieb dies bis zu seinem am 1. Febr. 1872 zu Dresden erfolgten Tode. D. war eine durchaus originelle Künstlererscheinung. Ein im ganzen mehr konzentriertes als ausgiebiges Feuer der Darstellung, ein Organ, welches, obgleich ihm Wucht und Fülle fehlten, doch durch seelische Energie auf den Höhen der Tragik ausdauerte und in den Ausbrüchen der Leidenschaft über eine markige Kraft gebot, eine stets geistvolle, meistens neue Auffassung der künstlerischen Aufgaben, Schärfe und Konsequenz in der Durchführung derselben verschafften D. einen hervorragenden Rang unter den deutschen Schauspielern der neuesten Zeit.