De Ahna (Heinr.), deutscher Violinspieler, geb. 22. Juni 1835 in Wien, war Schüler von Joseph Mauyseder und spielte seit dem 12. Jahre öffentlich. Von 1852 bis 1860 gehörte er der österr. Armee an, die er als Oberlieutenant verließ, um seine künstlerische Thätigkeit wieder aufzunehmen; 1862 kam er als Kammermusikus in die berliner königl. Kapelle und wirkt außerdem an der dortigen Hochschule als 1. Profesors. seit 1881 mit dem Titel eines königl. Professors. ann ge ranz), ausgezeichneter ungar. Staatsmann, geb. 17. Okt. 1803, stammte aus einer alten ungar. Adelsfamilie zu Söjtör im Komitat Szala, von wo seine Eltern nach Kehida, dem nachherigen Wohnorte D.s, zogen. Seinen Gymnasialunterricht erhielt er in Keszthely, Päpa und Kanischa, machte e seine juristischen Studien an der Akademie zu u Raab, wurde dann, wie seine Standesgenossen, a Rechtspraktikant oder Jurat bei der königl. Tafel2 zu Pest und erwarb sich das Advokatendiplom. In 1 sein Komitat zurückgekehrt, ward er dort Vizefiskal f desselben; später rückte er zum Notar, dann zum Präses des Waisenstuhles auf und erhielt schließlich f das Amt eines Gerichtstafelbeisitzers (täbla-birö): t doch nahm er in allen diesen Amtern keine Besol-t dung an. Nach dem Rücktritte seines ältern Bruders Anton wählte ihn sein Komitat zum Abgeordneten des Reichstags von 1832 -36, wo der kaum 30jährige Mann sich bald zum Führer der liberalen Opposition emporschwang. Auf dem Reichstage von 1839—40 gelang es D., eine förmliche Versöhnung zwischen der Regierung und der Reformpartei zu erreichen. Doch diese sollte nicht lange währen. Die Reformer Ungarns, an ihrer Spite D., arbeiteten daran, die Steuerfreiheit des Adels auf dem nächsten Reichstage abzuschaffen. Dieser Umstand wurde von der konservativen Partei ergriffen, den zahlreichen Bauernadel gegen diese Absicht umzustimmen, und sie siegte auch im Szalader Komitat. D. konnte und wollte demnach die Wahl zum Reichstage von 1843—44 nicht annehmen, weil in der den Ablegaten erteilten Instruktion diese angewiesen wurden, gegen die Besteuerung des Adels zu stimmen; er verharrte bei seinem Entschlusse trotz des neuen Siegs der liberalen Partei, da auch dieser nicht ohne gewaltsame Mittel errungen worden war. Im J. 1846 besuchte D. zur Herstellung seines geschwächten Gesundheitszustandes erst einige Bäder und unternahm dann eine längere Reise durch Deutschland, die Schweiz, Italien, Frankreich und England. Auch auf dem Reichstage, der im Nov. 1847 eröffnet wurde, er-Rarz D. wegen Kränklichkeit nicht; als aber die kärzereignisse von 1848 eingetreten, resignierte einer der beiden Abgeordneten von Szala, und D. tam an seine Stelle. Kaum in Preßburg angelangt, wurde er genötigt, im neuen Ministerium Graf Lüdwig Batthyänyi das Portefeuille der Justiz zu übernehmen. Im Schoße des Kabinetts stimmte er stets mit Batthyänyi und Szechenyi für die friedliche Ausgleichung mit Osterreich. Als jedoch die Verhältnisse für die Aktion Kossuths herangereift waren, trat D. zurück (31. Dez. 1848). Bei Annäherung der österr. Armee unter Windischgrätz nahm er teil an der Deputation, welche zum Behufe von Unterhandlungen ins österr. Lager ging. Der Schritt war fruchtlos, und D. zog sich nach Kehida zurück. Nach Beendigung des Kriegs schritt man zur Reorganisierung des Landes und forderte D. zur Mithilfe auf, die er jedoch ablehnte. Im J. 1852 verkaufte D. seine Besitzung in Kehida und nahm seinen ständigen Aufenthalt in Pest, wo er bald der Mittelpunkt jener Kreise wurde, die eine Wiedererstehung der freiheitlichen Verfassungszustände in Ungarn hofften. Nach dem ital. Kriege 1859 wurde 21. Aug. die Einführung eines neuen Systems angekündigt. Am 5. endt 1860 erschien das Patent, welches den verstärkten Reichsrat konstituierte, und 20. Okt. 1860 das Diplom, welches die alten Landtage herstellte. D. wurde 16. 1861 • Repräsentanten der innern Stadt Pest gewählt und immer wieder erwählt bis zu seinem Tode. Nach Eröffnung des Reichstags 2. April 1861 nahm derselbe die von D. entworfene Adresse an. In Wien fand man sie jedoch unannehmbar; der Reichstag wurde 22. Aug. 1861 aufgelöst und ein neues Provisorium versucht. Aber schon 1865 trat eine Wendung der Dinge ein, und 17. Sept. 1865 wurde der ungar. Reichstag für den 10. Dez. einberufen, um die Krönung des Königs zu bewerkstelligen, welche die Wiederherstellung der Verfassung teils voraussetzte, teils bedingte. D. hatte im Pesti Naplös in dem berühmten „Ostersonntagsartikelo (1865) den Weg zum Ausgleich bezeichnet. Franz Joseph eröffnete selbst den Reichstag. Am 26. Juni 1866 wurde der Reichstag wegen des bevorstehenden Kriegs mit Preußen vertagt und nach der überraschend schnellen und für Osterreich-Ungarn unglücklichen Beendigung desselben 19. Nov. wieder eröffnet. D und seine große Partei 2—I an dem frühern Programm fest; die Linke g aubte aber die Ansprüche vergrößern zu müssen, und bewies dadurch, daß ihr das tiefere Verständnis der Verhältnisse mangelte. Am 18. Febr. 1867 wurde das königl. Reskrip! vorgelesen, welches den Grafen Julius Andrässy zum Ministerpräsidenten ernannte; die feierliche Krönung des Königs fand 8. Juni statt. D.s gro. ßes und schwieriges Unternehmen war vollbracht und gelungen. (S. Ssterreichisch-Ungarische Monarchie.) Man hätte erwartet, ihn an die Spitze der Regierung gestellt zu sehen, aber D. war nicht dazu zu bewegen. Sein Rat wurde jedoch bei allen wichtigen Fragen eingeholt. D. wollte niemand seine Iur Wabrher aufdrängen; er vertraute der Macht der ahrheit und des Rechts; daher war seine Milde der Opposition gegen den Ausgleich und gegenüber ihren Führern, Koloman Ghyczy und Koloman Tisza, erklärlich. Am 23. Juni 1874 trug D. seine Ansichten vor über die freie Kirche im freien Staate, und dies war seine letzte Rede im Reichstage. Wegen zunehmender Verschlimmerung seiner Gesundheit zögerte er auch, die Wahl von 1875 zum Repräsentanten seines pester Distrikts anzunehmen. Er gab zwar den wiederholten Bitten nach, konnte aber nicht mehr im Unterhause erscheinen. Er starb nach einer langwierigen und schweren Krankheit in der Nacht vom 28. zum 29. Jan. 1876 zu Budapest. Sein Tod verursachte eine allgemeine Nationaltrauer und seine Leiche wurde 3. Febr. auf Staatskosten unter großen Feierlichkeiten auf dem kerepeser Friedhofe bestattet. D. war eine durchaus edle und reine Persönlichkeit, einfach und schlicht, nicht bestechend, son. dern durch seine großen Eigenschaften gewinnend. Er war unstreitig Ungarns größter Staatsmann in der Neuzeit; seine Größe beruht vor allem in jener weisen Mäßigung, die bei aller entschiedenen Liebe zum Fortschritte und zur unaufhaltsamen Fortentwiäame dennoch stets vom Bestehenden ausgeht, alle echtsverhältnisse gewissen. haft beachtet und mit Behutsamkeit und Vorsicht das Neue anstrebt. D. war ein aufbauender Stagtsmann, ein Mann der Reform, nicht der Revolution; sein Volk ehrt in ihm mit Recht den 4 Kaiser der Nation v. Sein Andenken ist im Gesetz verewigt. sein Mausoleum und seine Statue zieren die ungar. Hauptstadt. Vgl. Franz D.n (5. ufl., Lpz. 1868) Pulszky, Franz D. (deutsch von Neugebauer, Lpz. 1876): Rogge, 4Franz D. »(in Unsere Zeito, 12. D.(deutsch von Heinrich, Lpz. 1877); Könyi, Die Reden Franz D.s » (ungarisch, Bd. 1, Pest 1881; enthält die Reden bis 1845).