Debreczin, eine der größten und bevölkertsten Städte Ungarns, seit 1693 königl. Freistadt, im Hajduken-Komitat im jenseitigen Theißkreise, an der Theißbahn, von welcher hier die Ungarische Nordostbahn abzweigt, in einer sandigen, wasserarmen Ebene, ist weitläufig gebaut und trägt den wahren Typus einer ungar. Stadt. Die Vorstädte sind jetzt mit der Stadt durch gepflasterte Straßen und Neubauten verbunden und laufen in eine große Heide aus. Das Stadtgebiet umfaßt 1012 qm. Die innere oder Altstadt war ehedem von breiten Mauern und Gräben umgeben, durch welche acht Thore führten, die heute gänzlich verschwunden und durch Bauten und Gartenanlagen ersetzt sind. D. hat eine prachtvolle, mit zwei hohen Türmen gezierte reform. sowie eine kath. Pfarrkirche, ein Piaristenkloster, ein schönes Stadthaus und ein Theater, ist Sitz eines reform. Superintendenten, einer Distriktual-Gerichtstafel, einer Finanz-Bezirksdirektion und anderer heroehemn und hat außerdem eine Handels- und Gewerbekammer, eine Filiale der ungar. Bank, ein reform. Kollegium (für Theologen und Juristen), das älteste (1531) und blühendste in Ungarn mit einer großen Bibliothek und sonstigen Sammlungen; serner ein Piaristen-Kollegium, ein reform. und ein kath. Gymnasium, eine landwirtschaftliche Akademie, eine Realschule, eine Handelsschule, eine lath. Hauptschule, einen botan. Garten mit Palmenhaus u. s. w. Auf der Promenade hinter der reform. Kirche befindet sich die Erzstatue des ungar. Dichters Csokonay, 1871 errichtet; ferner ein Denkmal für die bei D. 2. Aug. 1849 gefallenen Honvéds (sterbender Löwe auf hohem Felssockel). Die 51122 E. (1880) sind, mit Ausnahme etwa von 3000 Katholiken, reform. Glaubens, magyar. Stammes und zeichnen sich durch besondern Gewerbfleiß aus. Sie verfertigen namentlich wollene Zeuge, Mäntel, Leder, Schuhe, Kämme, Drechsler-, Holz⸗ und Kürschnerwaren; die debrecziner Seife wie die thönernen Pfeifenköpfe, welche D. in großen Mengen liefert und selbst 1. 2 Frankreich und England verführt, sind berühmt. Außerdem finden sich hier eine Dampfmühle, eine Gas⸗ und eine Zuckerfabrik. Ebenso ist der durch vier große Jahrmärkte geförderte Handel mit Horn⸗ und Borstenvieh, Pferden, Speck und Honig sehr bedeutend. Die Stadt hatte sowohl in den Kämpfen zwischen Türken und Ungarn wie später des Glaubens wegen, nachdem sich die Bewohner 1552 auf einer hier gehaltenen Synode dem reform. Glauben zugewendet, viel zu leiden; so namentlich 1686 durch den kaiserl. General Grafen Caraffa. Von der Kanzel der großen reform. Kirche proklamierte Kossuth 14. April 1849 die Absetzung der habsburgischen Dynastie. Im Laufe des Revolutionskriegs diente D. als Zufluchtsstätte dem ungar. Landtage und der ungar. Regierung, als diese Anfang 1849 vor den kaiserl. Truppen Pest räumen mußten. Der Landtag tagte daselbst vom 9. Jan. bis zum 30. Mai. Am 3. Juli wurde D. von den Russen eingenommen; am 2. Aug. fand hier ein großes Treffen zwischen den Ungarn Hunter Nagy Sändor und den Russen statt. — Die Debrecziner Heide ist etwa 950 qkm groß; das ebiet ist teils Sand⸗, teils Thonboden, aber im geb. 1731 zu Paris, wurde Buchhändler und starb 15. Juli 1782. Er gab heraus: Bibliographie instructiver (7 Bde., Par. 1763—68; Supplement Bde., 1769) und «Catalogue des livres de M. Sirardot de Prefondo (1757). — Sein Vetter und Associes, Guillaume D., geb. 1734, gest. 1820, gab ebenfalls sehr sorgfältig gearbeitete Kataloge heraus, wie den Catalogue des livres de monsieur le due de Lavallièrer (3 Bde., Par. 1783). ö Debuskop, s. unter Kaleidoskop.