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Recht & StaatBrockhaus 1882

Budapest ist der offizielle Name der durch das ungar. Gesetz XXXXVI von 1872 zu einem Munizipium vereinigten Städte Buda oder Ofen (s. d.) nebst O'Buda oder Altofen und Pest (s. d.) nebst der Margareteninsel. B. ist die Haupt-sund Residenzstadt Ungarns sowie Hauptort des Komitats Pest =⸗Pilis-Solt-Klein-Kumanien, der Sitz der ungar. Regierung, des Parlaments und der obersten Gerichtshöfe, liegt an beiden Ufern der Donau sowie an der staatsbahn von Wien nach Bazias und ist die Ausgangsstation der Osterreichischen Südbahn nach Pragerhof und der Ungarischen Nordstaatsbahn nach Ruttek. Die vereinigte Stadt ist in 10 Bezirke Tabun die Festung mit aban und Christinenstadt, die Wasserstadt und Landstraße, das Neustift und Altofen (das ehemalige Ofen und [ Altofen), die innere Stadt, die Leopoldstadt, ½ die nördl. Hälfte, die südl. Hälfte der Enrehsienstadt, die Josephstadt, die Franzstadt, der Steinbruch (das ehemalige Pest). B. bildet eine Stadtgemeinde, an de ren Spitze der Oberbürgermeister, der Bürgermeister mit dem Magistrat und die Repräsentanz E welche letztere 400 Mitglieder zählt. Die Vollziehung der Beschlüsse der Repräsentanz besorgt der Magistrat, welcher aus einem Bürgermeister, zwei Unterbürgermeistern und acht Magistratsräten, sowie einem Obernotkcr usammengesetzt ist. Endlich ist in jedem Bezirke ein Bezirksvorstand. B. wird durch die Donau in zwei Hälften geteilt. Die re 10dshDerg un im Vordergrund den Gerhards⸗(Blocks-PBerg mit der Citadelle, dann die Taree mit dem königl. Schlosse (unter Maria Theresia 1771 vollendet), dessen Garten am Fuße des Bergs durch einen Bazar abgeschlossen ist. Hintergrunde reihen sich amphitheatralisch höhere Berge mit dem der Auwinkel und anmutigen Thälern. Die der Stadt zugekehrte Seite der Berge erzeugt die bekannten ofener Weine; die Scheitel, Abhänge und Thäler derselben sind mit Villen bedeckt; eine Zahnrad-Eisenbahn (Rigi-System) führt auf das Plateau des Schwabenbergs (so benannt nach dem schwäb. Reichskontingent bei der Wiedereroberung Ofens im J. 1686), von wo eine umfassende Fernsicht auf die Donau mit Margareten⸗ und Csepelinsel, auf Pest und Umgebung sich eröffnet. Die Berge sind meist unbewaldet, ohne sprudelnde Quellen und rauschende Bäche, aber am Fuße derselben, gegen die Donau zu, brechen heiße Quellen + das Blocks⸗, Bruck⸗, Raizen⸗, Königs⸗, Lukas⸗ und opographische Lage von Budapest. Kaiserbad; durch künstliche Bohrung hat man auf der Margareteninsel und im pester Stadtwäldchen auf artesischem Wege Thermalquellen erhalten, die an beiden Orten zu Heilbädern benutzt werden; im Süden vom Gerhards⸗ oder Blocksberge sind mehrere Bitterwasserquellen. Die Konfiguration und Baumlosigkeit der Berge veranlaßt bei plötzlichem Regen oder Wolkenbruch eine Stauung der Wasser in der Mulde hinter der Festung (im sog. «Teufelsgrabeno), welche große Verheerungen anrichtet, wie 26. Juni 1875, wo viele Häuser einstürzten und gegen 200 Menschen ertranken. Seither wurde dieser gefährliche Teufelsgraben v reguliert und innerhalb des Stadtterrains überwölbt. Die berühmte Kettenbrücke (erbaut 1842—49 vom engl. o5e Bogen Clark) ist 390 m lang, der mittlere große Bogen umspannt 190 m. Ihr entspricht der 340 mlange Tunnel en= den Festungsberg (erbaut 1853—56). Neben dem Tunne un eine Dampfseilrampe den Sch änger in die Festung. In dieser ist außer dem co e, dem Landhause u. s. w. die ar, welche aus Matthias Corvinus' Zeit bemerkbar, welche egenwärtig stilgerecht (Spätgotik) restauriert wird. I Altofen (dem altröm. Aquincum oder Acincum) sind Ruinen eines röm. Aquädukts, eines Amphitheaters (1880 entdeckt), röm. Bäder und andere Altertümer. Die Synagoge daselbst, welche früher für die schönste und größte Ungarns galt, wird jetzt von der neuern in Pest übertroffen. Auf einer Donauinsel besitzt die kaiserl. königl. Erste Schiffswerfte. Auf einem der Ofener Vorstadt nahe gelegenen Hügel erhebt sich das Grabdenkmal des mohammed. Dalher Göl Baba, das jährlich von Pilgern des Orients besucht wird. Das rechte Donau-Ufer zieren mehrere palastartige Gebäude, so- wie die neuen, zum königl. Schloßgarten gehörigen Arkaden. Das linke Donau-Ufer (Pest) ist flach, hat aber im Hintergrunde den Steinbruch mit Weingärten. An dem Ufer zieht sich vom Akademiepalast bis I zum Zollhaus der prachtvolle Quai hin. er 1862—64 nach Stülers Plänen erbaute lephsr der Ungarischen Akademie ziert den Franz-Josephsplatz, auf welchem das Szechenyi-Denkmal errichtet ist; ihm +.Dear⸗ kommt das (1882 im Gusse befindliche eäk-Monument; auf einem daranstoßenden kleinen Seitenplatze steht die Cötvös-Statue; weiter abwärts wird in der Nähe des Schwurplatzes (der neugekrönte König leistet hier den Eid) dem bedeutendsten ungar. Lyriker, A. Petöfi, ein Denkmal errichtet. Das Stadtwäldchen, zu welchem die prachtvolle Radialstraße und die bte Spanser führt, und der Tiergarten sind beliebte Spaziergänge. Die Margareteninsel mit einem Bade ist durch ihren Eigentümer, Erzherzog Joseph, zum schönsten Park geworden. Der Name der Insel rührt von der heil. Margarete her, Tochter Belas IV., welche hier ein Kloster gestiftet, dessen Ruinen noch sichtbar. Eine neue Brücke unter der Margareteninsel wurde 1875 vollendet, eine andere führt unter dem Zollhause die Verbindungsbahn über die Donau. Das versotgende Zinet Wachsen der Schwesterstädte zeigen olgende Ziffern: Ofen hatte 1836 an 34893, Pest 70278 CE.; 1857 hatte Ofen samt Altofen 55240, 1870 aber Ofen allein 53998 und Altofen 16002, zusammen also 70000 E.; Pest hatte 1854 131705 und 1870 200476 E. Die Gesamtbevölkerung von B. auf sich nach der Volkszählung vom 31. Dez. 1869 auf 270 476 E., 1880 aber auf 360550, mit der Garnison auf 370 767 Seelen. Die Zunahme Gien 1869 beträgt 90418 Seelen oder 32,25 Proz. ie Civilbevölkerung bestand aus 242981 röm. Katholiken, 1267 griech. Katholiken, 1864 Griechisch-Orientalis chen, 20040 Evangelischen Augsburgischer Konfession, 22214 Evangelischen Helvetischer Konfession, 70879 Juden (1869 nur 42000, also 60 Proz. Vermehrung). Der Muttersprache nach 198 742 Magyaren,‚, 119902 Deutsche, 21581 Slowaken, 1756 Kroaten und Serben, 408 Rumänen, dann noch Russen, Griechen, Armenier, Zigeuner u. s. w.; 10397 des Sprechens noch Unkundige, 7625 Ausländer (zumeist Deutsche und Italiener). Für die Förderung der Wissenschaft steht die Akademie der Wissenschaften obenan, deren Palast 1866 vollendet war. Ihre Fonds wurden durch Eacchennt 192 herbeigeschafft, wozu Graf Stephan zechenyi 1825 mit einer Spende von 60000 Fl. den Ansang machte. In ihrem Palast ist auch die Esterhäzy-Bildergalerie, nun Eigentum des Landes. Das Nationalmuseum wurde durch die Schenkungen von Franz Szechenyi, Vater Stephan Szöchenyis, begründet. Im Museumgebäude sind eine große Bibliothek, naturhistorische, Antiquitäts⸗ und Kunstsammlungen. Die Universität, 1635 in Tyrnau gegründet, 1777 nach Ofen und 1784 nach Pest verlegt, hat ein zahlreiches Lehrpersonal (über 170); das neue Chemische Laboratorium wurde 1872 eröffnet, und das neue Gebäude der Universitätsbibliothek wurde Okt. 1875 bezogen. Das Polytechnikum ist auch auf der linken Donauseite und entwickelt sich zusehends. Das neue polytechnische Palais mit der Sternwarte ist (Ende Juni 1882) der Vollendung nahe. Die Militärakademie, Ludovica, in eigenem Gebäude, wurde 187² eröffnet. Die Kisfaludy⸗ und die Petöfi-Gesellschaften befördern die schöne Litteratur, die Historische, be Geselhchaft halten Medizinische, Geographische Gesellschaft halten gleich den drei Sektionen der Akademie der Wissenschaften in ihren regelmäßigen Monatssitzungen öffentliche Vorlesunen und geben originale und übersetzte Werke und HZeitschritten heraus. Eine Handelsakademie, vier Realschulen, sechs Gymnasien (ein Staats⸗, drei katholische, ein Ibf eminar mit Bunb ein reformiertes), ein Rabbi-Seminar mit Gymnasial-Vorschule, zwei Seminarien für Bürger⸗ und Volkss itelschn drei für Lehrerinnen, ein Seminar für ittel chulprofessoren (Gymnasial⸗ und dom Pri. lehrer) mit gymnasialer ÜUbungsschule, dann Privatgymnasien, private Handels⸗ und elich Dätlen, Landes-Centralzei enschule, gewerbliche Mitdusrite, staatliche Fachgewerbschule für Holzindustrie, arbeiten auf dem Felde des Unterrichts. Außer 3 Staats⸗, 10 Kommunal⸗, 2 Vereins⸗ und 2 Privat-Bürgerschulen Ciemen noch 79 Alltags- und 37 Abend-Gemeinde-Elementarschulen, 21 konfessionelle Volksschulen und 32 Vereins⸗ und Privat-Elementarschulen, außerdem gibt es noch 38 Bewahranstalten und Kindergärten, eine Landes-Blindenanstalt, ein israel. Taubstummeninstitut, Rettungs⸗ und Waisenhäuser u. s. w.; insgesamt 290 verschiedene Lehr⸗ und Erziehungsanstalten. Auch die Kunst wird durch Theater (drei ungarische und ein deutsches, ein neues Opernhaus ist der Vollendung nahe), durch Musikakademie (Franz Liszt ist Generaldirektor derselben); Musikkonservatorium, Theater⸗ und Opernschule, Künstlerhaus (mit permanenter Kunstausstellung), Kunstverein u. s. w. befördert. Von industriellen Anlagen bestehen 11 Dampfmühlen, 4 Bergbau-Aktiengesellschaften, 7 zaubrie ziegeleien, 3 chem. Fabriken, 3 Spiritusfabriken, 3 Eisengießereien und Maschinenfabriken, 1 Waggonfabrik und verschiedene kleinere Etablissements. Es dinnntit (1881) 9 Banken, 5 Sparkassen, 4 Bodenkreditinstitute und 9 Versicherungsgesellschaften. Die H ergab 1881 an Ein20 Nin Schiff, per Bahn und auf der Achse) uber 20 Mill. Metercentner (hauptsächlich Brennstoffe, Garten-und Feldfrüchte, Militäreffekten und Baumaterial), an Ausfuhr nahezu 18 Mill. Metercentner (besonders Viktualien, Wein, Vieh und Obst). Geschichtliches. B. hieß vor dem Tatareneinfall von 1242 eine reiche deutsche Ortschaft (Villa Teutonica ditissima). Nach demselben bedachte Bela IV. (1244) «die Gäste von Pesto (hospites nostri de Pest, unter den Arpaden Name der deutschen Kolonisten) mit staatlichen Privilegien, welche auch den Steinbruch und Kleinpest am linken Ufer (minor Pest ultra Danubium) einschlossen. Auch der Gerhards⸗(Blocks⸗)Berg hieß damals Pester Berg. Der Name Pest scheint von Kalköfen herzurühren (altslaw. pestj, d. i. der Ofen) und zeigt auf slaw. Ursprung vor den deutschen „Gästend. Dann nannte man auch das Castrum des heufigen Schloßbergs zu deutschOfeno. Nach und nach verblieb der deutsche Name Ofen dem Schlosse und der sich bildenden Stadt am rechten Ufer, Per die Stadt am linken Ufer den slaw. Namen Pest behielt. Als Ofen seit 1444 eine Festung und unter Matthias Corvinus Residenz geworden, überflügelte es Pest. Von 1541—1686 war Ofen der Sitz eines Pascha, und Pest blieb unansehnlich. Nach der Vertreibung der Türken wurden beide königl. Freistädte. Maria Theresia, die 1771 das Schloß erbaut hatte, verlegte 1777 die Universität von Tyrnau nach Ofen. Pest ließ Karl III. (VI.) die große Invalidenkaserne bauen (1727), die noch heute zu den ansehnlichsten Bauten zählt; hierher kamen auch die höchsten Justizbehörden (1723). Joseph II. erbaute das weitläufige Neugebäude und verlegte die Universität von Ofen nach Pest (1784). Seit der Zeit wuchs Pest, zumal im 19. Jahrh., durch die Entwickelung des Handels, vorzüglich der großen Donau-Dampfschiffahrt. Die furchtbarsten Überschwemmungen erlitt Pest 1838, 7. Mai 1874 und Febr. 1876. Vgl. Hevesi, 4B. und seine Umgebungen » (Budapest 1873); Sturm, „Kulturbilder aus B.» (Lpz. 1876); Heksch, «Illustrierter Führer durch B. und Umgebungen (Wien 1882); besonders aber die reichhaltigen Publikationen des hauptstädtischen Bureaus (unter Leitung des Statistikers Joseph Körösi).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 686Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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