Dehn (Siegfr. Wilh.), Musiktheoretiker, geb. zu Altona 15. Febr. 1799 als der Sohn eines Bankiers, studierte 1819—22 zu Leipzig Rechtswissenschaft, beschäftigte sich aber zugleich eifrig mit der Tonkunst. Seit 1823 in Berlin wohnhaft, nahm er Musikunterricht bei Bernhard und war in Privatkreisen ein gesuchter Cellospieler. Aber besonders zog ihn die Theorie und Geschichte der Musik an, in welcher er sich bedeutende Kenntnisse erwarb. Auch gelang es ihm, manche ältere Komposition zu Tage zu fördern, z. B. die sieben Bußpsalmen des Orlandus Lassus (Berl. 1838). An eigenen Arbeiten gab er eine Theoretisch-praktische Harmonielehrer (Berl. 1840; 2. Aufl. 1859) heraus; seine Lehre vom Kontrapunkt, dem Kanon und der Fugev veröffentlichte sein Schüler B. Scholz (Berl. 1859; 2. Aufl. 1883). Ferner setzte er 1842 —48 die von Gottfr. Weber begründete musikalische Zeitschrift Cäciliao fort und veröffentlichte eine mit Zusätzen vermehrte Übersetzung der «Notice biographique sur Roland de Lattrer von Delmotte (Berl. 1837). Nach einer größern Reise im In⸗ und Auslande wurde D. 1842 als Kustos der königl. Bibliothek für die musikalische Abteilung angestellt, die unter seiner Leitung bedeutend an Ausdehnung gewann, und erhielt w1849 den Titel eines königl. Professors. D., welcher unter die tüchtigsten Musikgelehrten der neuern Zeit gerechnet wird und zu seinen Schülern Kiel, Rubinstein, Kullak u. a. zählte, starb zu Berlin 12. April 1858.