FeedDemut
AllerleiBrockhaus 1882

Demut, als das Gegenteil von Hochmut, ist die Herabsetzung oder Erniedrigung der eigenen Person unter andere. Beruht die D. auf einem Verkennen der eigenen Kräfte und auf einer Zaghaftigkeit, von denselben im Wetteifer mit andern vollen Gebrauch zu machen, so ist sie eine tadelnswerte moralische Schwäche. Beruht sie hingegen auf der Gewohnheit, in der Beurteilung seiner selbst strenger zu verfahren als in der Beurteilung anderer, weil man den Triebfedern seiner eigenen Dern vond. auf den Grund sehen kann, den Triebfedern von Handlungen anderer aber nicht, so ist sie als Zeichen eines gewissenhaften Zartgefühls der Gegenstand moralischer Hochachtung. Besteht sie endlich in der praktischen Bereitschaft zur Selbstverleugnung, d. h. zum wirklichen Aufgeben eigener wohlberechtigter ö Ansprüche gegen die minderberechtigten Ansprüche anderer, so gehört sie zu den entschiedenen Tugenden, wofern eine solche Selbstverleugnung aus der reinen Rücksicht auf das allgemeine Beste geübt wird und sich nicht die Triebfedern des Kleinmuts, der Trägheit oder sonstiger Nebenrücksichten einmischen. Verächtlich aber ist die D., welche nur als Maske der Heuchelei auftritt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 47Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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